Kurt Tucholsky beschrieb schon den Persönlichkeitswandel der sich vollzieht, wenn eine Person ein Amt übertragen bekommt. Das ist lange her, hat aber auch heute seine Bedeutung nicht verloren. In dem Moment, in dem die Person hinter den Schreibtisch, hinter die Barriere wechselt, werden bestimmte Teile des sogenannten Menschenverstandes ausgeschaltet oder abgegeben. Man hört förmlich das leichte klicken.
Dies ging mir durch den Kopf, als ich die Meldung las, dass die EU-Kommission den Gebrauch der Bezeichnung “Wein” nur noch für Getränke erlauben will, die aus Weintraubengährung gewonnen wurden. Sämtliche Fruchtweine wie Apfelwein, Kirschwein u.ä. dürfen nicht mehr den Namensbestandteil “Wein” führen. Was treibt Menschen dazu, solche Vorschriften zu entwerfen? Nichts wird dadurch gewonnen.
Darf dann in Kürze auch die Bezeichnung “Leberkäse” nicht mehr verwendet werden? Wird es in Köln bald keinen “Halve Hahn” mehr geben? Auch der “Rollmops” wird verschwinden, denn es wird - zum Glück! - kein Mops dazu verarbeitet.
In der DDR gab es ähnliche legendäre sprachpflegerische Maßnahmen. “Engel” sollten umbenannt werden in “Jahresendfigur mit Flügeln”. Scheinbar ist kein politisches System gegen derartige Entgleisungen gefeit.
Update 05.11.2007:












2 Kommentare
Und ein Zitronenfalter faltet auch keine Zitronen. Leider muss sich die EU in allem einmischen.
Da lassen sich ja noch reichlich weitere Beispiele finden - ein schönes Ratespiel für trübe Tage! Für die EU-Kommissare fällt mir spontan “Holzkopf” ein.