WTO, Weltbank und Liberalisierung - dickes Ende für die Entwicklungsländer

by pixelio

Immer wenn ich in einem Artikel oder einem Bericht die Worte WTO, Weltbank und Liberalisierung lese oder höre, dann werde ich hellhörig. Denn meistens ist es dann ein Lehrstück über die Übervorteilung der Länder, die Hilfe bräuchten, zugunsten der reichen Industrieländer. Regelmässig taucht dabei auch das Wort ‘Gerechtigkeit’ noch auf.

Die kenianischen Milchbauern können ein trauriges Lied davon singen. Die Weltbank hatte in den 50er Jahren schon einmal ‘heilend’ eingegriffen. Der Patient war anschliessend fast tot, aber dem Arzt ging es blendend.

Damals wurden die Milchpreisbindungen aufgehoben, die Importzölle gesenkt und der Markt mit Milchpulver vor allem aus EU-Staaten überschüttet.
Die jährlichen Importe schnellten von 48 auf 2500 Tonnen in die Höhe, die heimische Milchproduktion sackte um 70 Prozent in den Keller, 600 000 Kleinbauern verarmten. Erst als Kenia 2002 die Importzölle für Milchpulver wieder auf 60 Prozent erhöhte, erholte sich die Milchwirtschaft. Heute bildet sie das Rückgrat der kenianischen Agrarökonomie.

Nun startet die EU den nächsten Versuch. Viele Zölle sollen entfallen. Die EU begründet dies damit, dass die WTO die bestehenden Regelungen für rechtswidrig hält. Das Ganze läuft unter der Bezeichnung ‘Partnerschaftsvereinbarung’.
Die EU subventioniert ihre Landwirtschaft, die dadurch entstehende Überproduktion muss Märkte haben. Das sollen dann die Entwicklungsländer sein, die mit den subventionierten Preisen nicht mithalten können.

Wenn jede europäische Kuh mit täglich zwei US-Dollar subventioniert werde, könne von Marktliberalisierung keine Rede sein. Künstlich verbilligtes Milchpulver und Rindfleisch drohten afrikanische Märkte zu überschwemmen. Das trifft bereits auf Hühnchenteile zu.

Früher hat man diese Länder zur Kolonie gemacht. Heute hat man subtilere Mittel, die im Ergebnis nicht anders wirken.
Warum ist Liberalisierung eigentlich immer nur für eine Seite gut??

Weitere Quellen und Informationen:
Von Milchbauern und Importzöllen Gespräche über nachhaltigen Handel
Wenn zwei sich streiten…

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