Nach der Rückkehr aus einem Kurzurlaub in der Pfalz fand ich das Februar-Heft des Slow Food Magazin im Briefkasten. Immer wieder sehr informativ, ist diesmal ein in mehrfacher Hinsicht interessanter Artikel über die Alb-Linse enthalten.
Wer im Schwäbischen schon mal unterwegs war, kennt das Gericht Linsen mit Spätzle; klingt vielleicht etwas exotisch, ist aber sehr lecker! Alb-Linsen wurden auf der Schwäbischen Alb bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts angebaut. Niedrige Erträge und der große Arbeitsaufwand bei Ernte und Reinigung waren Ursachen für das völlige Verschwinden dieser uralten Nahrungspflanze in ganz Deutschland; die Linse ist halt nicht geeignet für den industriellen Anbau.
Da auch kein Saatgut der uralten Sorten mehr aufzutreiben war, began der Biolandhof Mammel und die Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ im Jahre 1985 auf der Basis einer französischen Du Puy Linse, wieder Linsen auf der Schwäbischen Alb anzubauen. Soweit, so gut. Hier könnte die Geschichte enden.
Ende 2006 wurde dann aber im St. Petersburger Wawilow-Institut Saatgut der verschollenen Alb-Linsen gefunden. Klaus Lang, Sammler seltener Nutzpflanzen, entdeckte das Saatgut in der drittgrössten Genbank der Welt. Wie viele andere wissenschaftliche Institutionen kämpft auch das Wawilow-Institut mit allerlei Schwierigkeiten nach dem Zusammenbruch des Sowjet-Systems.
Inzwischen hat die Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ Samen der alten Sorten vom Wawilow-Institut erhalten. In drei bis vier Jahren soll eine nennenswerte Erntemenge zur Verfügung stehen. In einem alterwürdigen Institut in der Sowjetunion überlebte das Saatgut und fand jetzt wieder zurück in das alte Anbaugebiet. Ausgestorben geglaubt, kann die Alb-Linse wieder ‘zum Leben erweckt’ werden. Die Vielfalt des Speisezettels hat über politische Grenzen hinweg eine weitere Aufbesserung erfahren!
Interessant ist darüber hinaus aber auch die Geschichte des Instituts bzw. seines Gründers. Auf 56 Reisen durch die Welt hat der Biologe und Genetiker Nikolai Iwanowitsch Wawilow Anfang des vergangenen Jahrhunderts den Grundbestand des Instituts zusammengetragen. 1940 fiel er unter Stalin in Ungnade, wurde inhaftiert und starb drei Jahre später im Gefängnis. Der Wahnsinn eines Diktators macht auch nicht vor einem Biologen halt.
Im vergangenen Jahrhundert vermeintlich ausgestorben, hat die Alb-Linse wieder in ihre Heimat zurückgefunden und ihren Weg habe ich mit Interesse nachgelesen. Geschichte ist eng verknüpft mit dieser unscheinbaren Frucht. Sie wurde jetzt in die Arche des Geschmacks aufgenommen, um sie dauerhaft zu erhalten. Dafür braucht es keine Genmanipulaton!















2 Kommentare
Interessant. Eine verschwundene wiedergefundene Linse.
Nach dem letzten Linsentopf mit Speck versuche ich es am Donnerstag mit Broccoli-Risotto und rote Linsen. Premiere. Vielleicht schaffe ich einen Beitrag.
Liest sich gut - wegen des Rezeptes schaue ich mal auf Deiner Site vorbei