Wie kommen 4 Mio. Analphabeten zu IT-Fitness?

by pixelio

Wir leben in der Informations-, Computer- und/oder Multimediagesellschaft. Damit sagt man nichts Neues. Was das für den Einzelnen bedeutet, zeigt sich im täglichen Leben. Noch kann man zumindest im Privatleben auch ohne Computerkenntnisse und ohne Computergebrauch überleben. Im Berufsleben sieht das schon anders aus.

Um die Kinder und Jugendlichen für diese Technik und ihre Anforderungen fit zu machen, wird schon in der Schule mehr oder weniger dafür getan, IT-Kenntnisse zu vermitteln. Kritisiert wird aber auch, dass die Schüler durch den Umgang mit Computern zu häufig vom Lernen abgelenkt werden. Weitergehende Kritiken sprechen davon, dass durch Copy and Paste kein Wissen vermittelt wird. Bücher und Artikel lesen ist da sicher effektiver.

Was sagen die fast 4 Mio. Analphabeten, die es in der Bundesrepublik Deutschland geben soll, zu diesen Bestrebungen (eine erschreckend hohe Zahl für ein Land wie Deutschland!)? Gehen die Massnahmen an ihnen vorbei? Wie kann man als Analphabet mit einem Computer umgehen?
Ich versuche gerade, mir das vorzustellen, aber es endet in einer Katastrophe. Ich könnte kein Kennwort eingeben, würde also den Computer garnicht starten können, selbst wenn jemand anders mir den eingerichtet hätte. Das könnte ich noch lösen, indem ich mir ein Kennwort einrichte, welches ich mir auch als Analphabet gut merken kann. Aber die erste Frage, die mir als User gestellt wird, beendet wahrscheinlich die Session. Von weitergehender Nutzung ganz zu schweigen.

Zum Weltalphabetisierungstag hat die Bundesbildungsministerin vom BMBF geförderte Projekte vorgestellt. 30 Mio. EUR sollen dafür aufgewendet werden. Gemessen an anderen Ausgaben ein Pappenstiel und wahrscheinlich mit die am Besten angelegten Millionen des Bundeshaushalts!

Quellen und weitere Informationen
Wettbewerb „IT-Fitness macht Schule“
Virtuelle Lernwelten
«Wir brauchen keine Computer in der Schule»
Analphabetismus
«Du wärst nicht so blöd, wenn du schreiben könntest»
Schavan: “Alphabetisierung gehört zu wichtigsten Aufgaben des Bildungssystems”
Analphabetismus – immer mehr Betroffene in Westeuropa
Analphabetismus - Ursachen und Hintergründe

3 Kommentare

  1. geschrieben am 24. Februar 2008 um 19:25 Uhr | Permalink

    Auf it-fitness.de wurde mal ein Test angeboten, der ohne spezifische Microsoft-Kenntnisse nicht gut zu absolvieren war. Wenn man sieht, wer da mit drin hängt, ist das dann klar!
    Meine Empfehlung wäre die Seite deshalb nicht.

  2. [zeitcollector]
    geschrieben am 24. Februar 2008 um 21:56 Uhr | Permalink

    Sehe ich auch so - wenn man die Site aufruft, wird dies ja auf dem ersten Blick klar. Ich habe diese Site nur aus Vollständigkeitsgründen aufgeführt.

  3. geschrieben am 25. Februar 2008 um 08:45 Uhr | Permalink

    Es ist erschreckend, sich diese hohe Zahl an Analphabeten vorzustellen. Doch diese Menschen entwickeln Techniken, durchs Leben zu kommen, ohne ein Wort lesen zu können. Auch für mich ist das unvorstellbar. Doch es scheint zu gehen. Die Scham, seinen Analphabetismus zuzugeben und lesen und schreiben zu lernen scheint größer zu sein als die Angst vor dem Aufwand, den diese Menschen betreiben müssen, um ohne Lesen durchs Leben zu kommen.

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