Auch an Frau Haderthauer ist das Zeitalter der Aufklärung spurlos vorüber gegangen

Viel hat man von Frau Haderthauer bisher nicht gehört, aber wenn ich jetzt lese, was sie hier von sich gibt, dann ist es sicher gut, wenn sie viel schweigt.

Die CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer hat einen speziellen „Werte-Unterricht“ für Kinder mit Migrationshintergrund gefordert. Muslimische Schüler benötigten eine „Unterweisung in christlich-abendländischer Tradition und Kultur“, sagte die CSU-Politikerin mit Hinblick auf die gerade stattfindende Islamkonferenz. Wer in Deutschland lebe, müsse sich „in unserer Kultur auskennen, muss wissen, warum hier das Grundgesetz, warum die Gleichberechtigung von Mann und Frau gilt und welche Sitten und Gebräuche bei uns herrschen.“

Warum sollen das nur Kinder mit Migrationshintergrund lernen? Mir begegnen häufig genug Kinder und Jugendliche ohne Migrationshintergrund, die auf dem Wertegebiet weit grössere Defizite haben. Aber es kommt noch besser:

Auch religiöse Aspekte der Gesellschaft sollten erklärt werden, zum Beispiel „warum uns Weihnachten, Ostern und Pfingsten heilig sind.“ An der Türkei und anderen Staaten der islamischen Welt sei laut Haderthauer das Zeitalter der Aufklärung spurlos vorüber gegangen, so dass ein Unterricht in der deutschen Kultur und in den deutschen Werten notwendig sei.

Was hat das Zeitalter der Aufklärung damit zu tun, wenn es darum geht, warum uns Weihnachten, Ostern und Pfingsten heilig sind?
Bei der Aufklärung ging es um andere Dinge; aber das ist anscheinend an Frau Haderthauer spurlos vorüber gegangen!

3 Kommentare

  1. geschrieben am 15. März 2008 um 18:53 Uhr | Permalink

    Lustig. Mit der Frage nach der religiösen Belegung von Weihnachten oder Ostern sind wahrscheinlich auch die meisten nicht muslimischen Jugendlichen überfordert. Ich glaube, dass sogar viele ältere Mitbürger überrascht wären, zu erfahren, dass Pfingsten einen christlichen Hintergrund hat, dass es eigentlich sogar einmal das höchste christliche Fest war. Das gilt zumal für die neiuen Länder. Frau Haderthauer beweist, dass Bayern ein anderes Verhältnis zur Religion besitzt als der Rest der Republik. Ihr Vorstoß gehört wiederum in einen ganzen Reigen ähnlicher Äußerungen, die alle gemeinsam zeigen, wie unsicher wir uns alle unserer Einstellung zur Religion sind. Warum sollten muslimische Zuwanderer die christlichen Wurzeln unserer Gesellschaft mehr achten als wir? Warum sollten wir ein neues Wertesystem aufrichten auf den Trümmern eines anderen, an das wir schon lange nicht mehr glauben? Unterweisung in christlich-abendländischer Kultur taugt nichts, denn Menschen anderen Glaubens können einem solchen Konstrukt nicht beitreten. Wir kommen nur weiter, wenn wir unsere Verfassung zur alleinigen Grundlage einer solchen Diskussion erklären. Eine Verfassung muss allerdings für alle verbindlich gelten: Für die Ankommenden wie für die Hierseienden.

  2. [zeitcollector]
    geschrieben am 16. März 2008 um 09:47 Uhr | Permalink

    Genau!
    An den Äußerungen, wie sie jetzt Frau Haderthauer losgelassen hat, ist immer wieder erschreckend, wie politischer Opporturnismus und Populismus über Vernunft und wenigstens mal kurz Nachdenken gestellt wird. Oder muss man annehmen, dass Frau Haderthauer es wirklich nicht besser weiss?

  3. geschrieben am 16. März 2008 um 11:03 Uhr | Permalink

    In Bayern wird soweit ich weiß jeder Staatsgast begrüßt vom Ministerpräsidenten, vom Erzbischof von München und Freising und von einem Mitglied des Hauses Wittelsbach. Glaub’ mir, für die ist die Welt wirklich so.

Einen Kommentar schreiben

Ihre Daten werden niemals an Andere weiter gegeben.
Die Email-Adresse wird nicht angezeigt. Notwendige Felder sind so markiert: *

*
*