Der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter räumt Fehler der Banken ein und attestiert komplettes Versagen.
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hat ein “Versagen auf der ganzen Linie” der Banken beim Umgang mit der weltweiten Finanzkrise eingeräumt. “Wir waren alle offenkundig nicht in der Lage, die Risiken, die mit diesen Geschäften verbunden waren, richtig einzuschätzen und sind nun in diese Krise geschlittert”, sagte Walter der “Deutschen Welle”. Auch Risikomanager sowie Aufsichtsbehörden, “die prinzipiell das Recht, ja die Pflicht hatten, in die Bücher zu schauen, beispielsweise bei der Bankenaufsicht”, seien offenkundig überfordert gewesen.
Was lauert noch in den Büchern der Banken, von dem die Banken selbst nicht genau wissen, wie es sich auswirkt? Ich erinnere mich an viele warnende Stimmen, die schon vor Jahren vor dem Immobiliencrash warnten. Aber die Geldgier besiegt den Verstand!














6 Kommentare
Oh ja. In irgendeiner Wirtschaftswoche war ein interessanter Bericht über Investmentbanker, deren Boni so hoch sind, dass selbst ein Risiko den Job zu verlieren völlig unattriktiv wird. Hinzu kommt, dass magere Jahre nicht so schlimm sind, denn man bekommt ja fröhlich weiter Geld. Vielleicht nicht mehr so viel, aber doch regelmässig.
Geld hat noch niemanden Glücklich gemacht, aber doch viele unglücklich.
Ich glaube, es ist nicht (nur) die persönliche Gier, die da die Hauptrolle spielt. Die “Gier” ist vielmehr als Zwang zu Wachstum, Zwang zur Optimierung usw. fest in unser Wirtschaftssystem eingebaut - weltweit. Sicherlich haben eine Reihe von Leuten persönlichen Gestaltungsspielraum, das zeigen schon die grandiosen, von Herrn Walter eingeräumten Fehler. Aber haben diese Leute wirklich die Wahl, zu sagen “Nein, wir wollen nicht wachsen, keine Gewinne machen”? Sie würden ganz schnell durch andere Menschen ersetzt, die sich das nicht fragen.
Andererseits muss sich jeder einzelne auch von uns ja eigentlich fragen: “Verzichte ich freiwillig auf Gewinn/Zinsen, die ich doch ganz einfach haben könnte, wenn ich mein Konto bei dieser Bank habe und nicht bei der?” Und, ganz nebenbei, was würde das tatsächlich bringen? Nichts! Wer es tut, verliert nur in diesem Spiel. Da einfach die ‘Anderen’ den Gewinn einsacken, ist für die Allgemeinheit auch nichts gewonnen. Genau das ist die eingebaute Zwickmühle, die dafür sorgt, dass irgendwann auch das letzte ‘Naturvolk’ auf diesem Planeten in das Finanzsystem einbezogen werden wird und auch noch der letzte kleine Fischer auf der letzten philippinischen Insel für die Gewinne der großen Gesellschaften arbeitet - schön beschrieben in Eschbachs Buch “Eine Billion Dollar”.
Aber vielleicht wäre ja etwas mehr Offenheit und Ehrlichkeit schon ein Fortschritt…
@home42
Korrekt - mir ging es in Punkto ‘Gier’ mit Ironie um die ‘Gier’ im weiteren Sinne. Denn diese steckt als Triebfeder hinter diesem Handeln.
Ich denke schon, dass trotz Systemzwängen ein gewisser Handlungsspielraum besteht. Vielleicht liege ich auch falsch, aber mir sträubt sich das Gefieder, wenn letztlich die Verantwortlichkeit auf das System geschoben wird. ‘Die Anderen, die dann das Geschäft machen würden’ üben natürlich einen Druck aus. Aber auch da besteht meiner Meinung nach ein Spielraum. Andernfalls wäre das Thema ‘Verantwortung’ passe.
@Georg Helmut; home42
als weiterer Beleg: auch Ackermann räumt Mitschuld ein:
‘Der Chef der Deutschen Bank redet Klartext: Kurzfristige Gewinnziele und Bonuszahlungen an Manager hätten zur Finanzkrise beigetragen, sagt Josef Ackermann.’
Mal sehen, was aus dieser Einsicht resultiert!
@ zeitcollector (Zum Thema “persönliche Verantwortung”) Da möchte ich doch noch etwas im Widerspruch verharren: Haben wir nicht auch eine Mitverantwortung. Profitieren wir nicht von ‘dem System’ und gestalten wir es nicht auch durch unser persönliches Verhalten mit? Darauf wollte ich das Augenmerk lenken. In so fern hört die Verantwortung beim Blick auf die Sachzwänge des Systems nicht auf, sondern fängt vielleicht zu einem guten Teil erst richtig an.
Mein Kommentar war deshalb nicht drauf gerichtet, persönliche Verantwortung von Managern zu nehmen, sondern im Gegenteil darauf, sie durch den Blick auf unsere eigene persönliche Verantwortung zu ergänzen.
Und natürlich wird diese Verantwortung auch unter anderem dadurch wahrgenommen, dass wir uns und andere informieren - was in diesem Blog ja auch in hervorragender Weise geschieht.
@home42
Dem stimme ich voll zu! - und danke für den letzten Satz - gebe ich gerne zurück!