Ökolandbau als Schuldiger für Lebensmittelkrise identifiziert
Oek_Ernährung, Oek_Klima | wong it! 11.05.2008
Ab und an lese ich an Wochenenden mal die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. So auch am 27.04.08. Urlaub lag vor mir und somit auch Zeit, die umfangreiche Zeitung genauer zu lesen.
Auf der Seite ‘Meinung’ blieb mein Blick an der Meinungsäusserung von Winand von Petersdorff mit dem Titel ‘Albtraum Ökolandbau’ hängen. Und da finden sich einige bemerkenswerte Sätze zur Lösung der Lebensmittelkrise (um die es inzwischen in den Medien schon wieder merklich ruhiger geworden ist - oder täusche ich mich?).
Bei der Lösung wird man auf die langweiligen klassischen Disziplinen der Landwirtschaft zurückgreifen müssen: Ertragssteigerung durch Kunstdünger, Einsatz von Pestiziden und Insektiziden, Bewässerung und Züchtung starker Getreidesorten. Beschleunigt werden muss der Prozess durch gentechnische Methoden.
Da scheint Einiges spurlos an Herrn von Petersdorff vorüber gegangen zu sein. Aber es kommt noch besser.
Das Lieblingsagrarmodell des deutschen Großbürgertums, den Ökolandbau, praktizieren die Kleinbauern in den Subsahara-Ländern übrigens schon lange und verhungern damit. Sie praktizieren ihn nicht freiwillig, sondern zwangsläufig. Denn es fehlt an Saatgut, Kunstdünger und Wissen, um es besser zu machen.
Herr von Petersdorff ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Er sollte eigentlich wissen, wie Kunstdünger, Pestizide und Insektizide zu bewerten sind. Aber möglicherweise kauft er die Lebensmittel für seine Familie ja im Bioladen?
Den Ökolandbau als ‘Lieblingsagrarmodell des deutschen Großbürgertums’ zu bezeichnen, ist mindestens realitätsfremd. Der Verweis auf die Kleinbauern in der Subsahara ist zynisch und die damit beabsichtigte Diskreditierung des Ökolandbaus, schlägt auf den Verwender dieses Verweises zurück.
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Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Konsequenzalle möglichen Nebenschauplätze einer Krise aufgesucht werden, statt darüber aufzuklären, dass Hunger auf der Welt ein hauptsächlich politisches Problem ist, dass mit keinen landwirtschaftlichen, wissenschaftlichen oder gar gentechnischen Methoden überhaupt irgendwie gelöst werden kann, wenn nicht die dahinter stehenden politischen Probleme (Verteilung, Marktbedingungen usw.) gelöst werden. Alle Technik, Wissenschaft und Landwirtschaft wird nicht helfen, wenn nicht der politische Wille die politischen Hindernisse übwerwindet.
Genau - aber die Absicht ist hier offensichtlich: Es geht um die Ablenkung von den von Dir angesprochenen eigentlichen Hintergründen. Und es passt so schön in diverse Vorurteile!
[...] Sonntagszeitung und polemisiert dort gegen die Landwirtschaft jeder Art. Vor 4 Wochen hat der Ökolandbau sein Fett weg gekriegt. Jetzt sind die Milchbauern dran (”Saure Milch”, Nr. 22 vom 01.06.2008, S. 30). Herr [...]