Bundesumweltminister Gabriel beschwört den erfolgreichen Verlauf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn. Er konstatiert, dass die Welt vor einem Scheideweg steht (der ‘Schweideweg’ ist auch arg strapaziert - in letzter Zeit stehen wir häufiger dort!).

Das Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten schreite hundert- bis tausendfach schneller voran als die natürliche Aussterberate - forciert durch die Vernichtung von Wald und die Ausbeutung der Meere. Mit dem Verlust von Pflanzen und Fischbeständen steuere die Welt auf eine Ernährungskatastrophe zu.

Damit hat er sicher Recht und es muss einiges getan werden, um dies zu verhindern. Das Abholzen von Wäldern, um dann auf dem so gewonnen Anbauflächen Pflanzen für die Erzeugung von Biotreibstoff anzubauen, ist sicher keine Rettungsmassnahme.

Brasiliens Umweltministerin Silva tritt zurück - dies, weil sie keine Unterstützung in der Regierung fand.

Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit wurde gegen ihren Widerstand der Anbau genetisch veränderter Soja-Sorten genehmigt. Ein weiterer Konflikt war die Abholzung im Amazonasgebiet. Lula entzog der Ministerin das Recht, über die Gründe der Entwaldung zu sprechen. Er machte klar, dass er die Entwaldung nicht für alarmierend hält. Schließlich belächelte der Präsident sie öffentlich, als er ihre Bedenken gegen große Wasserkraftwerke vom Tisch wischte. Er sagte, die Energieversorgung sei wichtiger als Welse.

Gabriel hat recht, aber die Verhältnisse in Brasilien sprechen ihre eigene Sprache. Von der Konferenz in Bonn werden keine Beschlüsse erwartet. Sie soll nur ‘Weichen stellen’.
Wer vorm Scheideweg steht, muss sich entscheiden - haben wir die Zeit dafür?

16 Jahre nachdem sich die Gemeinschaft verpflichtet hatte, den Verlust der Tier- und Pflanzenvielfalt zu stoppen, sei man “nur sehr wenig vorangekommen”, monierte der deutsche Umweltminister.

Lehren zieht man daraus anscheinend nicht!

Update 16.05.2008:
Haftungsabkommen gescheitert - Freie Fahrt für Gen-Multis

Auch wenn die offiziellen Vertreter der Vereinten Nationen und der Regierungen sich gestern bemühten, etwas anderes zu verkünden: Der Versuch, noch vor Beginn der eigentlichen UN-Konferenz zum Artenschutz am Montag ein Haftungsabkommen zu erreichen, ist gescheitert. Das sogenannte Cartagena-Protokoll soll den grenzüberschreitenden Transport, Handel und Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen regeln. Über den Entwurf muss nun in den nächsten zwei Jahren weiter verhandelt werden.

Und dann noch einmal zwei Jahre und dann noch einmal ….. - bis niemand mehr da ist, der verhandeln kann!



3 Kommentare zu “Artensterben - auch bei Umweltministern”

  1. Boris | Mai 15th, 2008 at 22:13

    Bekanntlich werden solche Konferenzen von Politikern doch dazu genutzt, Bekenntnisse abzugeben, dass man Beschlüsse fassen will, gemäß denen man sich gemeinsam an einen Tisch setzen will, um Ankündigungen zu Absichtserlärungen zu verabreden. Für die nächste Konferenz.

  2. [zeitcollector] | Mai 16th, 2008 at 22:55

    @Boris
    So ist es (leider) - siehe auch das Update vom heutigen Tag.

  3. [zeitcollector] » Blog Archive » Artenvielfaltkonferenz - Scheideweg mündet im Kreisverkehr | Mai 31st, 2008 at 17:05

    [...] Gabriel beschwörte vor Beginn der Konferenz den erfolgreichen Verlauf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn. Er [...]

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