Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zu lesen, bringt oft interessante Erkenntnisse. Insbesondere dann, wenn Interviews abgedruckt sind. Am Wochendende werden die Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kunst scheinbar rührselig.
Diesmal ist es Josef Ackermann, der über Gott und die Welt plaudert und so manche überraschende Erkenntnis preisgibt. Unbedingt lesenswert! Ich habe die Befürchtung, dass er sich ernsthaft auf den Bundespräsidentenjob vorbereitet. Er müste sich ja nur noch einbürgern lassen.
Hier ein paar Kostproben - man glaubt es kaum:
Herr Ackermann, die Marktwirtschaft feiert Triumphe und gerät doch immer stärker in die Defensive. Haben Sie eine Erklärung?
Zunächst einmal ist das ja angesichts unseres Wohlstandsniveaus schon erstaunlich. Aber man muss das ernst nehmen. Ich sehe mehrere Gründe für diesen Vertrauensverlust. Zum einen gibt es keine Alternative wie den realen Sozialismus mehr, dem gegenüber unsere Ordnung natürlich sehr gut aussah. Zum anderen setzt uns die Globalisierung heute einem spürbar schärferen Wettbewerb aus, und die von früher gewohnten Wachstumsraten bleiben aus. Zugleich haben wir es weithin versäumt, unsere Bürger auf die neuen Herausforderungen der Globalisierung mit einer entsprechenden Bildung und Ausbildung ausreichend vorzubereiten.
Das produziert Ängste und Misserfolgserlebnisse?
Gewiss. Hinzu kommt schließlich: Viele Menschen haben das Gefühl bekommen, dass die Startchancen im Leben immer ungleicher verteilt sind und in der Folge auch die Einkommen und Vermögen innerhalb unserer Gesellschaft auseinanderdriften. Bei alldem kann es nicht verwundern, dass die Zustimmung der Bevölkerung zu unserer Wirtschaftsordnung schwindet.
Ist dieses Gefühl schwindender Chancengleichheit gerechtfertigt?
Auf jeden Fall müssen wir dieses Gefühl ernst nehmen.
Sie sind selbst ein Aufsteiger.
Ja, auch deshalb liegen mir die Themen Chancengleichheit, Bildung und Leistungsgerechtigkeit so am Herzen.
Es gibt Indizien, dass Geld, Herkunft und Klasse den Lebensweg viel stärker bestimmen, als es uns lieb ist.
Wenn das so ist, ist das bedenklich.
All das müssen wir feststellen nach Jahrzehnten der Bildungsoffensiven. Wie konnte das passieren?
Danach müssen Sie die Politiker fragen.
Dass der Marktwirtschaft die Akzeptanz fehlt, liegt doch nicht nur an der abnehmenden Chancengleichheit, sondern auch am berechtigten Eindruck stagnierender Lebens- und Einkommensverhältnisse. Der Einsatz macht sich dann nicht mehr bezahlt.
Leistung muss sich lohnen, und Talent muss eine Chance bekommen - egal aus welcher sozialen Schicht. Wir müssen möglichst allen Menschen das nötige Rüstzeug geben, um im Wettbewerb bestehen zu können. Wir sollten uns aber auch generell mehr auf das Gewinnen konzentrieren, statt immer nur über Hartz IV, Mindestlöhne, die Absicherung nach unten und Umverteilung zu reden. Darüber laufen wir Gefahr, immer mehr an Wettbewerbsgeist zu verlieren. Wir brauchen einen neuen Aufbruch.
Was meinen Sie?
Ich denke zum Beispiel an die Vereinigten Staaten, wo jetzt mit Barack Obama ein Politiker auftritt, der Bürgern Mut und Hoffnung macht.
Westliche Wohlstandsgesellschaften haben derzeit Mühe, eine positive Utopie zu entwickeln.
Obama zeigt doch, dass es geht. Er sagt einfach: Yes, we can! So sollten wir auch in Deutschland denken. Oder wenn ich mich an die 68er-Bewegung aus meiner Jugend erinnere…
…Sie sind ein Achtundsechziger?
… ich war kein Revoluzzer, wenn Sie das meinen. Aber ich gehöre natürlich der Generation an, und ich habe miterlebt, wie eine in mancherlei Hinsicht erstarrte Gesellschaft, zum Beispiel in puncto Erziehung oder Sexualität, aufgebrochen wurde. Leider ist dann später aus manchen positiven Absichten und Ansätzen viel Negatives erwachsen. Aber zweifellos gab es damals eine Aufbruchstimmung.
So, wer weiter lesen will .. das komplette Interview.
Yes, we can! Ich fasse es nicht. Jetzt ist er Achtundsechziger, bald wird er der Dalai Lama der Marktwirtschaft.











