Gaspreis und Ölpreisbindung

Der Gaspreise soll im Laufe des Jahres um 40 Prozent steigen - und dies nicht etwa, weil Gas an sich teuerer wird, sondern wegen der Ölpreisbindung des Gases.

Die Ölpreisbindung ist nicht gesetzlich verankert, sondern eine internationale brancheninterne Vereinbarung zwischen ausländischen Produzenten und deutschen Importeuren. Im Grunde handelt es sich dabei um ein klassisches Kartell.
(Wikipedia - zum lesenswerten Artikel >>>)

Im Klartext - hier wird gigantisch abgesahnt! Obwohl seit Jahren in der Kritik, gibt es die Ölpreisbindung noch immer - zumindest für den Endverbraucher.

Großabnehmer aus der Stromwirtschaft haben sich jedoch frühzeitig aus der Koppelung des Gaspreises an das Öl verabschiedet, berichtete das ARD Magazin Plusminus schon in der Sendung vom 4. Oktober 2005. So antwortet E.ON Ruhrgas dem Magazin: „Wir kaufen das Erdgas für unsere Kunden bei verschiedenen Produzenten zum jeweils vereinbarten Preis. In den Preisformeln ist durch entsprechende Bindungen berücksichtigt, dass Erdgas in verschiedenen Absatzsegmenten mit unterschiedlichen Konkurrenzenergien im Wettbewerb steht. Für die Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern ist Steinkohle der maßgebende Wettbewerber für Erdgas.“ Die klassische Ölpreisbindung gilt also nur für Weiterverteiler wie Stadtwerke und Endkunden.

Der Gasbezug hat nur einen Anteil von einem Drittel am Gaspreis.
Die Preisbildung hat hier nichts mehr mit dem freien Spiel der Kräfte am Markt zu tun, auch wenn gas.de dies hier so darstellt.

Erdgas steht mit vielen anderen Energieträgern in einem harten Wettbewerb um seine Verbraucher. Durch das Erdgas können alle anderen Energien ersetzt werden und kann aber auch überall dort, wo es bereits verwendet wird, durch andere Energien verdrängt werden. Aufgrund dieses Wettbewerbs muss sich der Gaspreis an der Marktsituation orientieren, denn vom Wettbewerb unabhängige Preise für Erdgas wären ohne eine direkte Auswirkung auf die Absatzmöglichkeiten nicht möglich. So gilt, wie für jeden anderen Preis auch, der Erdgaspreis bildet sich auf den Märkten.

Das ist eben nicht so und auch gas.de kommt wenig später zum Kern der Dinge:

Begründung für die Erdöl-Preisbindung ist, dass Erdgas der größte Konkurrent zum Erdöl ist und so soll sichergestellt werden, dass auch die Erdgaspreise steigen, wenn die Erdölpreise in die Höhe gehen. Des weiteren soll so auch verhindert werden, dass die Erdgaspreise die Erdölpreise nach unten drücken können. Dies wäre natürlich nicht im Interesse der großen Ölgesellschaften wie BP und Esso, die traditionell an der Gasförderung beteiligt sind.

Und deswegen ist am Markt für Gas auch kein nennenswerter Wettbewerb zu verzeichnen. Gaspreisvergleiche hin oder her.

Einige Politiker wollen etwas gegen die Ölpreisbindung unternehmen, andere, wie Herr Glos, wollen als Lösung den Atomausstieg rückgängig machen. Das entkoppelt den Gaspreis nicht vom Ölpreis und auch der Ölpreis wird deswegen nicht sinken.
Ich werde mich zumindest über abgeordnetenwatch.de an die Politiker wenden. Von Seiten der Politik wird ein Anstieg der Inflationsrate beklagt, der zum grossen Teil von den Energiepreisen getrieben ist. Diese sind kartellbedingt - dagegen etwas zu tun, wäre Aufgabe der Politik.

1 Kommentar

  1. geschrieben am 27. Juli 2008 um 14:12 Uhr | Permalink

    Ich kann nur hoffen, dass die Verbraucher bald von Ihrem neuen Recht Gebrauch machen. Ich glaube das ist der einzige Weg diese Bindung zu sprengen, auf die Politik können wir uns hier mal wieder nicht verlassen.

1 Trackback

  1. [...] bin ich noch auf zwei interessante Posts zu diesem Thema [...]

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