Gaspreis und Ölpreisbindung (2)

Heute bin ich noch auf zwei interessante Posts zu diesem Thema gestossen.

Bei rechtsanwalt.com blog ein Kommentar des BGH-Urteils (Az: KZR 2/07 vom 29. April 2008 ). Lesen und Schlüsse ‘draus ziehen.

Bei Neues aus Westsibirien ein lesenswerter Artikel zur Ölpreisbindung. In diesem Artikel wird die Ölpreisbindung nicht so negativ gesehen.

Hätten wir also einen besser funktionierenden Markt für Gas, wenn wir die Ölpreisbindung aufgäben? Wohl kaum! Denn der Gasmarkt wird von einem einzigen Anbieter beherrscht (den Russen), deren Monolstellung kurzfristig nicht umgangen werden kann. Warum um alles in der Welt meint denn der Staatssekretär Michael Müller, dass sich der Gaspreis für uns als Nachfrager günstiger entwickelt, wenn wir das Oligopol auf dem Rohölmarkt gegen ein Monopol auf dem Gasmarkt eintauschen?

Das hat was, überzeugt mich aber nicht. Das geht mir in Richtung “Teufel mit dem Belzebub austreiben”. Ob es wirklich so kommen würde - ich bin mir nicht sicher.
Da könnte man auch sagen: Koppeln wir den Bierpreis an den Milchpreis. Das hinkt, das Beispiel, zeigt aber die Problematik auf. Grossverbraucher haben sich ja von der Ölpreisbindung gelöst. Es würde also gehen.

3 Kommentare

  1. geschrieben am 9. Juni 2008 um 20:28 Uhr | Permalink

    Da könnte man auch sagen: Koppeln wir den Bierpreis an den Milchpreis.

    Der Vergleich hinkt in der Tat, weil wir auf dem Biermarkt einen hervorragend funktionierenden Wettbewerb haben. Insofern besteht keinerlei Anlass, den Bier- an den Milchpreis (der viel weniger als der Bierpreis durch den Wettbewerb bestimmt ist) zu koppeln.

    Die Frage, die sich jeder stellen muss, ist die folgende: Welchen Anlass hätten die Russen als Monopolanbieter, unter Aufgabe der Ölpreisbindung ihr Gas zu einem geringeren Preis zu verkaufen, wenn man bedenkt, dass die zumindest mittelfristig der einzige Anbieter sind?

    Das wäre allenfalls dann wahrscheinlich, wenn wir bei Gas eine hohe Preiselastiziztät der Nachfrage hätten, d.h. die Russen bei hohen Preisen deutlich weniger Gas verkaufen würden. Ich glaube aber eher, dass diese Elastizität kurzfristig sehr gering ist: Egal wie hoch der Gaspreis ist, meine Sparmöglichkeiten sind recht eingeschränkt. Heizen muss ich im Winter auf jeden Fall.

    Auf einen längeren Zeitraum bezogen könnte man den Energieträger wechseln, also die Gas- durch Öl- oder Kohleheizung ersetzen. Abgesehen von den Investitionskosten ist das aber auch nur dann rentabel, wenn der Gas- _über_ dem Öl-/Kohlepreis liegt.

    Was anderes ist die Ölpreisbindung zwischen deutschen Importeuren bzw. Gaswerken und deren Kunden. Hier ist die Ölpreisbindung nicht unbedingt sinnvoll, wobei die Gaswerke das Gas sicher nicht unter ihrem Einkaufspreis abgeben werden. Insofern brächte eine andere Preisfindung an dieser Stelle auch keine Entlastung.

  2. [zeitcollector]
    geschrieben am 10. Juni 2008 um 07:43 Uhr | Permalink

    @Holger
    Ist es denn wirklich so, dass die Russen das Monopol haben? Iran und Saudi-Arabien haben doch auch Gasvorkommen, oder?
    Ein Wechsel zu anderen Energieträgern ist sicher nur dann wirtschaftlich interessant, wenn dieser billiger ist. Wenn man allerdings den Preis des einen an dem Preis des anderen koppelt, schließe ich ja die Möglichkeit für diesen Wechsel schon mal aus.
    Die Frage ist, ob überhaupt ein Wettbewerb zwischen den Energieträgern gewünscht ist. Wenn Einsparung das Ziel ist, wäre Preis-Wettbewerb ja unerwünscht.

  3. geschrieben am 10. Juni 2008 um 20:55 Uhr | Permalink

    Außer den Russen haben u.a. noch Kuwait und verschiedene mittelasiatische Länder größere Gasvorkommen. Das Problem ist nicht das Vorkommen an sich, sondern der Transport. Zu den Russen haben wir Pipelines. Gas aus Kuwait müssten wir dagegen verflüssigen und per Schiff transportieren, wobei wir immer noch kein Terminal haben, um es löschen zu können (ein geradezu unfassbares Versäumnis). Wenn wir Flüssiggas von vielen Anbietern kaufen könnten, dann gäbe es einen Markt und die Ölpreisbindung wäre überflüssig. Gibt es aber leider noch nicht.

    Zur Frage des Preiswettbewerbs beschreibst Du treffend die Schizophrenie der deutschen Energiepolitik. Einerseits soll Energie verteuert werden, um den Verbrauch zu drosseln und erneuerbare Energien wettbewerbsfähig zu machen. Andererseits wird lamentiert, wenn die Energiepreise steigen und die wählenden Autofahrer ihren Abgeordneten die Hölle heiß machen. Da muss man sich schon entscheiden was man will. Auch Gabriels Sozialtarif ist nichts anderes als eine Subventionierung des Energieverbrauchs, den er an anderer Stelle durch Steuern wieder einschränken will. Das kann nicht funktionieren.

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