Joseph Stiglitz, Empfänger des Wirtschaftsnobelpreises 2001, und John Sulston, der 2002 den Nobelpreis für Medizin erhielt, plädieren gegen Patente.
Als Beispiel verwies Stiglitz auf Softwarepatente. Das Patentdickicht im Softwarebereich mache jeden, der erfolgreiche Software schreibt, zu einem potentiellen Klageopfer. Eine solche Situation sei klar zum Nachteil der Gesellschaft. Der Handel Offenlegung von Wissen gegen Exklusivrechte ginge zu Lasten der Allgemeinheit, meint Stiglitz. Der Empfänger eines Patentmonopols profitiere weit stärker von diesem Handel als die Gesellschaft, wenn eine Idee etwas früher bekannt würde.
Besonders im Bereich der medizinischen Forschung, da waren sich die beiden Nobelpreisträger einig, seien die Nachteile des Patentschutzes nicht zu übersehen. Nicht nur würden Entwicklungsländer von der Versorgung mit modernen Medikamenten zu bezahlbaren Preisen abgeschnitten, betonte Sulston, auch die Entwicklung und Vermarktung von Medikamenten mit nur schwer nachweisbarem Gesundheitsnutzen würde in den Industriestaaten gefördert.
Via Golem














5 Kommentare
Nobelpreis hin oder her, das erscheint mir dich eine recht verkürzte Sichtweise. Innovationen entstehen ja nur deshalb, weil sich jemand davon einen wirtschaftlichen Gewinn verspricht. Könnte man nichts daran verdienen, würde keiner Milliarden in Forschung und Entwicklung investieren.
Nun ist der Gewinn aber viel höher, wenn man zumindest temporär ein Monopol hat. Wenn dagegen Wettbewerber die Innovation umgehend kopieren dürfen, ist der Entwickler der neuen Technologie der Dumme, weil er die Entwicklungskosten zu tragen hat und daher nicht wettbewerbsfähig ist.
Wenn die Chinesen unsere Autos und Maschinen kopieren, beschweren wir uns (zu Recht) ja auch.
@Holger
Das ist natürlich immer das Generalargument für Patente, aber es gibt auch Beispiele für Innovationen ohne wirtschaftliches Gewinnziel - z.B. die Softwareszene.
Ich sehe es auch zunehmend als problematisch an, überhaupt Patente zu vergeben, da ja (fast) jede Erfindung auf dem Wissen aufbaut, welches der Erfinder übernimmt (und damit meine ich nicht patentiertes Wissen). Darf er das Ergebnis (in dem vieles von den Vordenkern steckt) dann patentieren lassen?
Eine ‘Belohnung’ halte ich für richtig, aber muss dies zu einem Aussperren anderer führen?
Open Source-Software wird in der Tat ohne wirtschaftlichen Hintergrund entwickelt. In dieser Hinsicht hast Du sicher Recht und auch die Kritik an Patenten (insbesondere für Scheininnovationen) ist hier sicher auch berechtigt. Aber für die Entwicklung von Software braucht man (außer viel Zeit) nur wenig Ressourcen. Ganz anders bei der Entwicklung von Medikamenten. Hier braucht man mitunter Milliardeninvestitionen, um ein neues Medikament zu entwickeln. Der Anreiz, diese Investitionen zu tätigen, wäre doch ungleich geringer, wenn das neue Präparat sofort von Wettbewerbern kopiert werden darf? Und Patente laufen ja nicht ewig, sondern nur eine begrenzte Zeit.
Dieser Artikel mag aus sicht all jener, die nicht Inhaber eines betroffenen Patentes sind, richtig sein. Würde man jedoch alle Patente abschaffen, so würde meiner Meinung nach der Anreiz dazu wegfallen, etwas in Forschung und Entwicklung zu investieren bzw. etwas neues zu wagen. In unserem Wirtschaftssystem gibt es keine stärkere Triebfeder als den finanziellen Vorteil. und dieser lässte sich durch ein Patent für den Inhaber erreichen.
Im Großen und Ganzen stimme ich also Holgers Argumentation zu.
@Holger
Sicher gibt es Fälle, in denen der finanzielle Anreiz da sein muss. Aber gerade im medzinischen Bereich ist das eine sehr diffiziele Angelegenheit.
@Christian
Meines Erachtens gibt es auch ohne Patente Anreize, etwas zu entwickeln, zu erfinden. Das zeigt die Geschichte. Erfindungen gab es auch vor der Zeit der Patente.