‘Rating’ bedeutet auch ‘Bewertung’ und Ratingagenturen bewerten etwas, bewerten es, um Dritten eine Grundlage für ihr Handeln zu geben.
Die Dritten vertrauen auf die Ratingagenturen, weil sie dort mehr Fachwissen vermuten oder weil es für ihre Geschäfte hilfreich ist, wenn angeblich objektive Ratingagenturen, die Grundlage dieser Geschäfte bewerten.
Schöner Schein, wie man jetzt sieht. Ich wundere mich nicht. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC belegt es jetzt.
In dem 37seitigen Report der Börsenaufsicht finden sich Perlen der Erkenntnis darüber, wie die mächtigen Ratingagenturen ihre Arbeit machten, beziehungsweise nicht machten. “Ich konnte nur die Hälfte der Risiken des Geschäfts abschätzen”, notiert eine namenlose Analystin. Ein Kollege schreibt: “Wir haben überhaupt nicht die Ressourcen, um das zu tun, was wir tun”.
Es ist aber nicht nur eine Ressourcenfrage; es ist viel schlimmer.
Der Analyst misst der Arbeit der Ratingagenturen, seiner eigenen Arbeit, eine große Schuld an der Katastrophe zu, die er kommen sah: “Wir züchten hier das nächste Monster heran. Hoffentlich sind wir alle reich und in Pension, bevor dieses Kartenhaus zusammenbricht.”
“Selbst wenn dieses Produkt von Kühen konstruiert worden wäre: Wir würden es trotzdem bewerten.”
Wohl denen, die noch auf ein Tripple-A-Rating, auf eine A++ - Bewertung - oder was auch immer - vertrauen.












4 Kommentare
Vertrauen in Wirtschaftsprüfer war schon häufiger fehl am Platze. Ich erinnere nur an den (dotcom-)Fall Comroad, wo Bilanzen eines Unternehmens testiert wurden, das seine Umsätze samt und sonders erfunden hatte. Investitionsentscheidungen muss man immer aufgrund eigener Einschätzungen treffen.
@H
Das wäre richtig, bedeutet aber für die überwiegende Zahl der Menschen Abstinenz von derartigen Entscheidungen, denn wer kann schon an die erforderlichen Informationen ohne fremde Hilfe kommen?
Dank Internet ist das heutzutage kein Problem mehr. Die Herausforderung besteht darin, die Informationen auszuwerten. Dafür braucht man schon tiefere Kenntnisse in Bilanzierung. Wer sich die nicht aneignen will oder kann, sollte vermutlich besser seine Investitionsentscheidungen delegieren (zugegebenermaßen auch nicht immer eine Garantie für Erfolg).
@Holger
Genau - wenn ich delegiere, bin ich wieder bei einem Berater, Fondmanager o.ä.. Bleibt das ‘gute’ alte Sparbuch oder Festgeld?
1 Trackback
[...] deren Bewertungen wohl nicht immer so objektiv sind, wie gedacht - um es milde auszudrücken. (via Zeitcollector) Und das nächste Ungemach dräut schon am Horizont. Denn längst haben sich an den [...]