China steht zur Zeit in vielerlei Hinsicht im Focus der Berichterstattung - Olympische Spiele, eventuell bald Mitglied der G8(9)-Gruppe, Besatzer von Tibet und jetzt gerade mal wieder als Verhinderer einer freien Berichterstattung. Das ist fast schon Alltag und es regt scheinbar niemanden mehr auf.
Abstrus wird es aber, wenn dafür plädiert wird, China auch weiterhin durch Entwicklungshilfe zu unterstützen. Ein Land, welches mit seinen hochdotierten Staatsfonds auf Einkaufstour in der Welt unterwegs ist.
Auch wenn Schanghais Glitzerfassaden anderes vermuten lassen - China ist noch immer ein Entwicklungsland. Die Lebensbedingungen haben sich zwar für viele erheblich verbessert, dennoch leben noch fast 200 Millionen Menschen unterhalb der von den Vereinten Nationen festgelegten Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von etwa 1800 Dollar, extremen Einkommensdisparitäten zwischen Stadt und Land, einer erst im Ausbau befindlichen Infrastruktur, Unzulänglichkeiten im Bildungs- und Gesundheitswesen, einer starken Ausrichtung des Außenhandels auf die Industrieländer, der raschen Verstädterung, einer damit einhergehenden Umweltzerstörung und erheblichen Defiziten bei der Wahrung der Menschenrechte erfüllt China noch immer zahlreiche Kriterien, die für Entwicklungsländer gelten.
Wenn dem so ist, dann soll die chinesische Regierung mit den Mitteln der Staatsfonds das eigene Land voran bringen.
Vollkommen absurd wird es aber, wenn das folgende Argument ins Spiel kommt:
Neben den positiven globalen Auswirkungen, zum Beispiel auf den Klimawandel, ist dies auch deshalb gerechtfertigt, weil China zu einem hohen Prozentsatz die ökologischen Kosten westlicher Produktion trägt. Denn Chinas katastrophale Umweltsituation, die starke Zunahme des Energieverbrauchs und die daraus resultierenden CO2-Emissionen sind nicht zuletzt auf den großen Anteil der billig für das westliche Ausland hergestellten Produkte zurückzuführen. China bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen erscheint gerechtfertigt, wenn man Unternehmen, seien es chinesische oder ausländische, und deren Subunternehmer schon nicht zur Einhaltung von Umweltstandards und zu mehr Energieeffizienz zwingen kann.
Da verlagern Unternehmen die Produktion nach China, weil dort infolge Nichtbeachtung diverser Standards die Produktion billig ist und dann sollen Regierungen anderer Länder die Folgen der Verletzung dieser Standards mit Entwicklungshilfe heilen? Warum holt man sich dieses Geld nicht von den Unternehmen, die in China billig produzieren!
Deutschland (und auch andere Länder) verlieren Arbeitsplätze an China und geben dann noch Entwicklungshilfe, weil die dorthin verlorenen Arbeiten nur wegen katastrophaler Umweltzustände und Verletzung von Arbeitsschutzstandards so billig sein können - und die Folgen werden mit Steuermitteln dieser Länder geheilt?












1 Kommentar
Ein interessanter Artikel. Man sollte sich auch überlegen, ob man nicht entsprechende Zollgesetzte EUweit einführt, die festschreiben, dass nur Waren auf unseren Markt gelangen dürfen, die nach unseren Standards hergestellt worden sind. Ich bin auch bereit dafür mehr zu bezahlen. Die Entwicklungshilfe gehört gestrichen, solange China nicht einen Großteil des eigenen Verdienstes im eigenen Land investiert, anstatt in anderen Regionen der Erde Schürfrechte zu erwerben.
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[...] von fossilen Energieträgern insgesamt muss weltweit überwunden werden. Sonst kommen wir dahin, dass wir anderen Ländern Geld dafür bezahlen, dass diese ihre Umwelt zerstören. Und das dies dann ein Bumerang ist, dürfte jedem klar [...]