Systemdämmerung?

Während unseres Aufenthaltes in Dresden während der vergangenen 10 Tage, waren wir auch im Erich-Kästner-Museum. Sehr interessant, nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich der Gestaltung.
Zu Beginn sagte eine der Angestellten etwas zur Lebensgeschichte Kästners und seiner Eltern. Da kam auch zur Sprache, dass der Vater Erich Kästners als Sattlermeister gescheitert ist, weil seine Produkte so langlebig waren. Er verkaufte deshalb zu wenig und mit den wenigen Reparaturen war auch nichts zu verdienen. Die Sachen wegen der Langlebigkeit teurer zu machen, war auch keine Lösung, da dann niemand die teuren Produkte kaufen wollte. Die Langzeitrechnung machte niemand auf.

Ob dies in Bezug auf Kästners Vater zutreffend ist, will ich nicht weiter verfolgen. Wesentlich ist, dass hier ein Beispiel angeführt wird, welches die derzeitige Situation an den Finanzmärkten und generell das derzeitige Wirtschaftssystem illustriert.
Umsatz und Wachstum sind die Zauberwörter und die Bedenken gegen diese Art ‘wirtschaften’ werden vom Tisch gewischt. Wer vor wenigen Monaten gefordert hätte, dass die Regierung der USA den Versicherer AIG verstaatlicht, der wäre als Marxist, Kommunist beschimpft worden. Jetzt ist es passiert.

Banken verschwinden, beileibe keine kleinen. Milliarden Verluste wurden angehäuft. Verlusten stehen Gewinne gegenüber - wo sind die Gewinner? Das der Markt alles richtet - wer glaubt noch daran?
An diesen Tagen steht viel auf dem Spiel, wenn nicht gar Alles. Ein Großteil unseres Wirtschaftskreislaufs beruht auf Krediten. Ca. 70% unserer Autokäufe sollen durch Kredite finanziert sein. Die Neuwagenverkäufe sind in den vergangenen Monaten wegen der steigenden Energiepreise stark zurück gegangen. Würden die Banken jetzt auch noch die Kreditvergabe für diese Autokäufe restriktiver handhaben, würden die Autohersteller in extreme Schwierigkeiten kommen. Am Auto hängen in Deutschland hunderttausende von Arbeitsplätzen. Ein Kettenreaktion wäre unausweichlich.

Deutschland ist durch die Finanzkrise nicht gefährdet? Durch den Lehman-Kollaps stehen dem deutschen Sicherungsfond möglicherweise bis zu 6 Milliarden EUR Verlust ins Haus. Die deutschen Anleger sollen sich aber keine Sorgen machen.
Die Sicherungssysteme hierzulande griffen, die Banken seien robust, sagt der Bundesverband deutscher Banken (BdB). Das Volumen des Sicherungsfonds beträgt 4,6 Milliarden EUR.

Geld ist aber anscheinend in Deutschland ausreichend vorhanden, denn die KfW-Bank schüttet schnell noch 300 Mio. EUR in das große Loch ‘Lehman-Kollaps’. Ein technischer Fehler?

Ich bin gespannt, wie es weiter geht, welche Konsequenzen die Regierungen aus dieser Finanzkrise ziehen. Der Markt wird hier nichts mehr heilen. Wer dies heute noch glaubt, akzeptiert einen Totalcrash als ‘heilende Wirkung des Marktes’.

Eine Marktbereinigung im Bankensektor wird dadurch sicher eintreten, aber die dann übrig bleibenden großen Banken stehen nicht automatisch für ein ‘Bessermachen’. Ein Paradigmenwechsel steht ins Haus.

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