Wettbewerb? Das ich nicht lache!

Gerade war ich bei meiner Apotheke, Schulden bezahlen (wie man hier im Rheinland sagt: Ich hatte einen Deckel bei meinem Apotheker). Es ging um einige Hundert EUR. Medikamente sind teuer. Vor 2 Wochen habe ich mir die Medikamente in der Apotheke geholt, konnte aber nicht bezahlen, da ich einige Hundert EUR nicht mit mir rumtrage und ich nicht per Scheckkarte zahlen konnte - die Apotheke war off-line. Grund: der Apotker war so von Gottvertrauen erfüllt, hatte seinen Vertrag mit Arcor gekündigt und mit NetCologne einen neuen Vertrag geschlossen. Das ging schnell, aber dann kam das Problem: NetCologne hatte ihm nur einen Telefonanschluss zur Verfügung gestellt - das wars. So war es Nichts mit bargeldloser Zahlung. Ich war dann immer mal wieder dort, um zu fragen, ob ich meine Schulden bezahlen kann. Heute war es dann soweit. Mittlerweile hatten sich die unbezahlten Rechnungen neben der Kasse gestapelt. Gut, wer Reserven hat.

Ein Bekannter von mir, der bei der Telekom im Entstörungsdienst arbeitet, draussen, bei den Kunden, erzählte mir, dass die Telekom Arbeitnehmern über 50 nahelegt, gegen Abfindung zu gehen. Es werden mit jedem Einzelnen entsprechende Gespräche geführt. Schon jetzt gibt es dort Arbeitsrückstände und die, die noch dort arbeiten, leisten Überstunden ohne Ende. Wenn jetzt noch mehr gehen, wird das noch schlimmer; aber das interessiert nicht - wie sagt Herr Obermann: Wir müssen den Service stärken, oder so ähnlich.

Derartige Probleme beim Anbieterwechsel sind kein Einzelfall. Auch hier gilt: Never change a running system!

Wettbewerb wird durch diese Umstände im Grunde vereitelt. Soll ich mir den Ärger wegen inzwischen relativ bescheidener Preis-Leistungs-Unterschiede antun?
Die Grenze von “kostengünstig” zu “schwindsüchtig” ist hier inzwischen erreicht. Wenn es bei allen gleich schlecht läuft, dann pfeife ich auf Wettbewerb! Ist es das, was wir wollten?

3 Kommentare

  1. geschrieben am 21. Oktober 2008 um 20:39 Uhr | Permalink

    Hm. Vielleicht ist es ja so, dass den meisten Kunden Service egal ist. Für sie kommt es nur auf den Preis an. Und die wenigen, denen guter Service wichtig ist und die auch bereit sind, dafür etwas zu bezahlen, sind zu wenig zahlreich, als dass es ein tragfähiges Geschäftsmodell ergeben würde. Andererseits müsste man sich ja fragen, warum kein Anbieter auf die Idee kommt, guten Service für einen entsprechenden Preis anzubieten.

    Ich kann das an mir selbst nachzeichnen. Ich hatte einen guten ISP, der aber mit 15 Euro für 5 GB Traffic damals sehr teuer war. Nun bin bei der Telekom und habe ein Paket, das insgesamt sehr viel billiger ist. Aber halt grottiger Service. You get what you pay for..

  2. geschrieben am 21. Oktober 2008 um 22:54 Uhr | Permalink

    Tja, so geht das halt, wenn in den Unternehmen der gesunden Menschenverstand abhandenkomme zugunsten kurzfristiger Gewinnmaximierung (Pflicht gegenüber den Aktionären). Und manche Leute scheinen der Realität auch mit aller Macht die Theorie überstülpen zu wollen.
    ich glaube übrigens gar nicht, dass den Kunden nur der Preis wichtig ist und der Sevice egal. Nur leider ist er Service ja anscheinend bei fast allen ISPs schlecht. Naja, und bei gleicht (Nicht-)Leistung entscheidet halt dann doch der Preis.

  3. [zeitcollector]
    geschrieben am 22. Oktober 2008 um 06:57 Uhr | Permalink

    @Holger
    Das Eine ist der ISP, das Andere das Leitungsnetz. Den ISP kann ich mir ja aussuchen, wenn ich will, mehr für besseren Service zahlen. Beim Leitungsnetz bin ich aber auf die Telekom angewiesen, denn ISP mit eigenen Leitungsnetzen gibt es nur im begrenzten Maß in Großstädten, oder?

    @home42
    Da hast Du Recht - wenn man nur Mist bekommt, dann nimmt man den billigsten!

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