Wetten auf teureres Getreide - es lebe diese Ethik.

Oek_Ernährung, Oek_Ethik | wong it! 22.07.2008

Professor Homann, er lehrte an der Universität München Ethik und Ökonomik, gibt ein Interview in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (20.Juli 2008, Nr. 29, S.47). Es geht um Rohstoff-Fonds, um das Spekulieren auf Getreide. Ein Auszug:

Professor Homann, ist das Spekulieren auf steigende Nahrungsmittelpreise moralich vertretbar?
Antwort: Natürlich ist es das. Die Spekulation zeigt uns, wo künftig Knappheit herrschen wird. Und wenn jetzt in diesem Umfang auf Nahrungsmittel spekuliert wird, dann können wir uns darauf einstellen, dass auch künftig die Menge an Nahrung knapp bleiben wird.

Das hilft den Menschen in der Dritten Welt aber momentan wenig, zumal die sich jetzt keinen Reis mehr leisten können.
Antwort: Auch die profitieren letztlich davon. Das Spekulieren ist im Grunde nichts anderes als eine frühzeitige Information. Es zeigt an, wo es künftig Knappheit geben wird. Und es ist doch besser, wenn wir diese Signale jetzt schon bekommen. Wüssten wir dasselbe erst in drei oder vier Jahren, würden wir nur viel später in dieses Loch fallen.

In drei oder vier Jahren sind die Menschen, die sich heute keine Lebensmittel kaufen können, verhungert. Wie bringt der Herr Professor das mit der Ethik zusammen? Wie kann man so kaltschnäuzig sein und denen, die heute ums nackte Überleben kämpfen, einen ‘Informationsgewinn’ zu gute halten?

Lieber arm und gesund, als reich und krank?

Oek_Gesundheit | wong it! 26.06.2008

Was für eine Frage! Richtig wäre doch: Lieber reich und gesund, als arm und krank! Für uns ist das pure Ironie, für andere Länder schon eher makaber.

In jedem Jahr finden auf der Welt 234,2 Millionen medizinische Operationen statt, ermittelt die Online-Ausgabe der Fachzeitschrift «The Lancet». Diese Operationen sind, was mich nicht wundert, in bestimmter Weise verteilt.

Das reichste Drittel der Weltbevölkerung erhält allerdings fast drei Viertel dieser Eingriffe, das ärmste Drittel nur 3,5 Prozent. Und während es in den Industrieländern bei 0,4 bis 0,8 Prozent der Eingriffe zu Todesfällen komme, liege die Sterberate in Entwicklungsländern bei 5 bis 10 Prozent, berichten die Studienautoren.

Mit etwas Zynismus könnte man sagen, dass es ja gut ist, wenn in den ärmeren Ländern verhältnismäßig weit weniger Operationen durchgeführt werden - bei der Mortalitätsrate ! Offen ist bei diesen Zahlen aber, wieviel Menschen in den Entwicklungsländern sterben, weil sie nicht operiert werden, es sich nicht leisten können.

Quelle: nzz

Millionäre trotzen der Finanzkrise

Oek_Gesellschaft, Oek_Zufriedenheit | wong it! 24.06.2008

Es beruhigt mich dann doch, wenn die Menschen nicht ausnahmslos unter der Finanzkrise leiden. Zum Glück gibt es immer Ausnahmen, an denen sich zeigt, dass sich Einsatz und Leistung lohnen - trotz der US-Immobilien- und Finanzkrise, steigender Lebensmittel- und Energiepreise, gelingt es fleissigen Menschen nicht nur gut zu leben, sondern auch noch ihr Vermögen zu mehren.

Obwohl das Jahr 2007 vom Ausbruch der US-Immobilienkrise und den darauf folgenden Turbulenzen an den Finanzmärkten geprägt war, hat die Zahl der Dollar-Millionäre und deren Vermögen weiter zugenommen. Zu diesem Schluss kommt die zwölfte Ausgabe des jährlich erscheinenden «World Wealth Report» von Merrill Lynch und Capgemini. Als Dollar-Millionäre gelten sogenannte «high-net-worth individuals» (HNWI), die netto (ohne Liegenschaftsbesitz) über ein Finanzvermögen von mehr als 1 Million Dollar verfügen. Weltweit ist diese Zahl laut Studie im Jahr 2007 um 6% auf über 10,1 Millionen Dollar-Millionäre gewachsen. Insgesamt können diese über ein Gesamtvermögen von 40’700 Milliarden Dollar verfügen.

Na also, es geht doch!

Quelle: nzz

Firefox Download Day - aus einem anderen Blickwinkel

Oek_Welten | wong it! 20.06.2008

Mal abgesehen von der Sinnhaftigkeit/Sinnlosigkeit derartiger ‘Rekordveransatltungen’, ergeben sich aus dem Ergebnis des Firefox Download-Day auch eigentlich nicht beabsichtigte Aspekte.
In einem lesenswerten Beitrag hat tom’s Wochenschau diese dargelegt. Anhand der Download-Weltkarte zeigt er auf, dass die Download-Statistik tendenziell auch eine Art ‘Wohlstandsstatistik’ darstellt. Aus diesem Blickwinkel wird der Download Day für mich noch fragwürdiger.

Armutsbericht: Merkel: “Der Aufschwung kommt bei den Menschen an”

GvR_Arbeitswelt, GvR_Finanzen | wong it! 19.05.2008

Bundesminister für Arbeit und Soziales Olaf Scholz hat in diesem Interview zu dem neuesten Armutsbericht Stellung genommen.
Ein kurzes Zitat:

BAMS: Kann man da wirklich von Armut im engeren Sinn sprechen?
Scholz: Diese Bürger haben es oft sehr schwer, mit dem auszukommen, was sie haben. Aber vielleicht die wichtigste Botschaft des Berichts: Der Sozialstaat wirkt! Wenn es die Sozialtransfers wie Arbeitslosengeld II, Wohn- oder Kindergeld nicht gäbe, dann hätten wir statt 13 Prozent 26 Prozent Arme.

So kann man es auch sehen - Der Sozialstaat wirkt! Oder wie unsere Kanzlerin sagte: “Der Aufschwung kommt bei den Menschen an”

Wenn so der Aufschwung aussieht, dann Gnade uns Gott vor dem Abschwung!

‘Vorausschauend handeln’ sollte die Devise sein

GvR_Familie | wong it! 22.04.2008

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann ist es bekanntlich zu spät. Das sagt der Volksmund schon seit langem.
Das hält Wissenschaftler aber nicht davon ab, Gefälligkeitsstatements abzulassen.

Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg bezeichnete die Altersarmut als “eines der meistüberschätzten Phänomene der Gegenwart”. Statistisch gesehen sei die “Wahrscheinlichkeit, auf ein armes Kind zu stoßen, etwa fünfmal höher als die, auf einen armen Rentner zu stoßen.” Die heutigen Rentner seien im Durchschnitt die reichsten Rentner, die dieses Land jemals gesehen habe.
“Wir haben kein Altersarmutsproblem, sondern ein Problem mit Kindern, die arm aufwachsen”, bekräftigte auch der Mannheimer Ökonom Axel Börsch-Supan, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats beim Wirtschaftsministerium.

Das trifft sicher so zu, aber soll das die Noch-nicht-Rentner beruhigen? Wenn über Altersarmut gesprochen wird, dann geht es um die zukünftigen Rentner. Das werden die von den Herren Raffelhüschen und Börsch-Supan angesprochenen armen Kinder von heute sein. Den die werden wahrscheinlich von der Kinderarmut zum Hartz IV-Bezieher und gehen dann in die Altersarmut über. Das zu verhindern, bedeutet vorausschauend handeln. Da hilft es nicht weiter, den heutigen Rentnern ‘Reichtum’ zu attestieren. Diese Rentner nehmen den heute armen Kindern nichts weg, falls dies der Hintergedanke ist. Hätten die Eltern der armen Kinder Arbeit, mit deren Entlohnung eine Familie ernährt werden kann, dann gäbe es auch weniger Kinderarmut.
Hätte Norbert Blüm seinerzeit mehr getan, als den Spruch Denn eins ist sicher: die Rente. abzulassen, dann wären wir heute schon weiter. Seine Nachfolger im Amt waren allerdings auch nicht wesentlich besser, leider.

Zu viel leicht verdientes Geld

GvR_Finanzen, Oek_Konsum | wong it! 27.03.2008

Drei Meldungen, die den derzeitigen Zustand an den Finanzmärkten und die Auswirkungen exemplarisch illustrieren.
Jean-Claude Trichet, EZB-Präsident, sagt in einem Interview, dass die Investmentbanken, ja eigentlich alle Privatbanken zu unvorsichtig, viel zu wagemutig agierten. Es wäre zu viel leichtverdientes Geld im Markt gewesen.

Eine der Banken, die zu unvorsichtig, zu wagemutig agierten, ist die IKB-Bank. Die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat das seit August vergangenen Jahres schon 8,5 Milliarden Euro gekostet. Ein Ende ist noch nicht abzusehen. Aus den 8,5 Milliarden werden wohl noch mehr werden. Die KfW ist eine staatliche Bank - also muss am Ende der Bund dafür geradestehen - und damit die Steuerzahler.

Die Kauflaune der Deutschen steigt nur langsam.

“Nach wie vor ist bei den Bundesbürgern eine gewisse Verunsicherung hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung vorhanden”, erklärte die GfK. Hintergrund dafür seien die Folgen der US-Hypothekenkrise, der starke Euro und die Signale für eine Rezession in den USA.

Mal abgesehen davon, ob es richtig ist, dass die Kauflaune immer steigen muss und ob das ein Indikator für Vertrauen in den Zustand der Wirtschaft und der eigenen Situation ist - hätten die Bundesbürger die Milliarden, die in die IKB-Bank geschüttet wurden oder das von Trichet angeführte leicht verdiente Geld, dann würde wahrscheinlich auch die Kauflaune wieder besser.

Deutsche Wirtschaftsmeldungen - keine Erfolgsmeldungen!

Oek_Arbeitswelt, Oek_Menschenwürde | wong it! 27.02.2008

Innerhalb von 2 Tagen lese ich folgende Meldungen - und das in Zeiten guter Konjunktur.
Wie sagte unsere Kanzlerin kürzlich:
Der Aufschwung kommt bei den Menschen an!

BMW streicht mehr als 8000 Stellen

BMW hat den Abbau von 8100 Stellen bestätigt. Von den Kürzungen seien im Inland 5000 Zeitarbeitskräfte und 2500 Mitarbeiter der Stammbelegschaft betroffen. Hinzu kommen 600 fest angestellte Beschäftigte im Ausland.

Es geht um die Verbesserung der Rendite. Der Absatz läuft nach wie vor gut.

Henkel rechnet mit Abbau von 3000 Stellen

Der Waschmittel- und Kosmetikkonzern Henkel startet ungeachtet eines Rekordgewinns im Jahr 2007 ein massives Programm zum Abbau von Stellen. Bis 2011 könnten weltweit rund 3000 der etwa 53.000 Arbeitsplätze wegfallen, teilte das Unternehmen in Düsseldorf mit.

Siemens streicht bis zu 2000 Stellen in Deutschland

Der Siemens-Konzern hat den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen bei seiner zum Verkauf stehenden Kommunikationssparte SEN bestätigt. Allein in Deutschland würden bis zu 2000 Stellen gestrichen, weltweit seien es 3800, teilte die Siemens AG in München mit.
Von weiteren 3000 Beschäftigten will sich Siemens durch Verkäufe und Partnerschaften trennen. Damit stehen insgesamt 6800 Arbeitsplätze zur Disposition.

Jedes 5. Kind in Europa von Armut bedroht

Trotz der vergleichsweise guten Zahlen mahnte die EU-Kommission die Bundesregierung, mehr gegen Kinderarmut zu tun. Immerhin jedes achte Kind in Deutschland ist dem Armutsrisiko ausgesetzt, bei fast jedem zehnten Kind sind beide Eltern arbeitslos - das bedeutet Platz 18 unter den EU-Staaten. Länder wie Slowenien, Portugal oder Dänemark schneiden hier deutlich besser ab.

Und hier die, bei denen der Aufschwung angekommen ist:

Daimler-Vorstände steigern Einkünfte

Wie aus dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, kassierte allein Konzernchef Dieter Zetsche im Jahr 2007 rund 8,55 Millionen Euro. Insgesamt erhielt das Vorstandsgremium auch dank der guten Geschäfte von Mercedes-Benz und des Verkaufs von Chrysler 24,9 Millionen Euro. Im Jahr 2006 waren es noch 14,76 Millionen Euro. Vorstandschef Zetsche, der auch gleichzeitig Mercedes-Chef ist, hatte im Vorjahr noch fünf Millionen Euro verdient.

Wer kennt ihn nicht, den schönen Spruch:
Leistung muss sich wieder lohnen!
Die Arbeiter und Angestellten bei BMW, Henkel und Siemens haben was geleistet.

Update 29.02.2008
Warum Konzerne ihre soziale Verantwortung in Zeiten des Turbo-Kapitalismus’ für die Rendite opfern, erklärt der Professor für Sozialpolitik und Finanzwissenschaft Diether Döring.
Wenn nur die Rendite zählt

Wolfgang Böhmer und andere machen es sich zu leicht

GvR_Familie | wong it! 26.02.2008

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, fühlt sich missverstanden und streitet sich mit dem Nachrichtenmagazin Focus. Böhmer wirft dem Magazin vor, dass es seine Äußerungen zu den Kindstötungen in den neuen Bundesländern falsch wiedergegeben hat. Darum wird jetzt gestritten.

Ausgangspunkt für die Debatte sind die folgenden Äusserungen:

Die Häufung von Baby-Morden in den neuen Bundesländern hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) mit einer „leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern“ erklärt. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS sagte Böhmer, die ungleich höhere Zahl von Kindstötungen sei eine Folge des in der DDR seit 1972 erlaubten Schwangerschaftsabbruchs bis zur 12.Woche. „Die Frauen entschieden, ohne sich auch nur einmal erklären zu müssen.“ Diese Mentalität wirke bis heute nach. Die Kindstötung von Neugeborenen sei offenbar für manche Frauen „ein Mittel der Familienplanung“.

Da Böhmer früher als Gynäkologe die Entbindungsstation eines Krankenhauses in der DDR leitete, dürfte er mit der Materie grundsätzlich vertraut sein.

Es ist aber meines Erachtens nicht richtig, die Tötung von Neugeborenen mit der Möglichkeit zu leichtem Schwangerschaftsabbruch zu erklären. Und Kindstötung als ‘Mittel zur Familienplanung’ zu unterstellen und quasi dem Schwangerschaftsabbruch gleich zu stellen, ist ein katastrophaler Vergleich. Man mag dem Kriminologen Pfeiffer zustimmen, wenn er sagt:

„Ein Denkverbot, wonach die Wertehaltung keine Rolle spielt, darf es nicht geben. Die Wertefrage muss in die Forschung mit einbezogen werden – auch wenn das manche Teile der Bevölkerung angreift“, sagte Pfeiffer zu FOCUS Online.

Der Kriminologe aus Hannover ist dem Politiker für seinen „Denkanstoß“ durchaus dankbar – selbst wenn er ihn für einseitig und „unglücklich formuliert“ hält. „Böhmers These muss überprüft werden. Ohne seine Hypothese könnten wir die Forschung nicht machen“, sagte er.

Allerdings ist es wenig hilfreich, dass Töten von Neugeborenen mit dem Fortleben einer DDR-Wertewelt zu begründen. Dies sehen auch andere so.

Eine mögliche Ursache sieht der Psychiater Häßler nicht in der DDR-Geschichte, sondern in den sozialen Verhältnissen: “Die Elterngeneration der Täter ist relativ desillusioniert und hat einen immensen sozialen Abstieg durchgemacht.” Perspektivlosigkeit, Vereinsamung und Entwurzelung könnten vereinzelt zu Verzweiflungstaten führen - “ich wehre mich aber dagegen, dass das ein Ostphänomen ist”.

Fast 18 Jahre nach dem Ende der DDR sollten Handlungen von Personen, die die DDR nicht mehr bewusst miterlebt haben, nicht damit begründet werden, dass sie auf dem Gebiet der ehemaligen DDR leben bzw. ihre Eltern im DDR-System aufgewachsen sind.
Wenn Pfeiffer sagt

„Die DDR ist doch nicht untergegangen, sondern lebt in den Köpfen der Menschen weiter. Die Werte ändern sich doch nicht von einem Tag auf den anderen.“

dann mag dies in gewisser Hinsicht richtig sein. Aber es gab in der DDR keinen ‘Wert’, der die Tötung von Neugeborenen legitimierte. Das Zitat von Pfeiffer liest sich so, als ob in der DDR die Tötung von Neugeborenen an der Tagesordnung war. Die o.a. Schwangerschaftsregelung der DDR führte nicht zur Tötung von Neugeborenen und legitimierte diese auch nicht.

Negative Erscheinungen in den neuen Bundesländern, wie z.B. Rechtsradikalismus, Antisemitismus, Tötung von Neugeborenen, Übergewicht, mit dem Erbe der DDR zu begründen, macht die Sache sehr einfach. Dieser ‘Verantwortliche’ lebt nicht mehr und das heutige System ‘ist aus dem Schneider’. Die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern und die Abwanderung von Hundertausenden von jungen Menschen lässt sich dann auch irgendwie auf die DDR zurück führen. Wann endet eigentlich die Zeit der Zurechenbarkeit?
Es geht mir hier nicht um eine Verteidigung des DDR-Systems, aber damit heute jede negative Entwicklung in den neuen Bundesländern zu begründen, ist nicht legitim.

Die Ursachen sind an anderer Stelle zu finden. Auf Grundlage des EU-Sozialberichts kommt die EU zu dem Ergebnis, dass in Europa jedes 5. Kind von Armut bedroht ist.

Trotz der vergleichsweise guten Zahlen mahnte die EU-Kommission die Bundesregierung, mehr gegen Kinderarmut zu tun. Immerhin jedes achte Kind in Deutschland ist dem Armutsrisiko ausgesetzt, bei fast jedem zehnten Kind sind beide Eltern arbeitslos - das bedeutet Platz 18 unter den EU-Staaten. Länder wie Slowenien, Portugal oder Dänemark schneiden hier deutlich besser ab.

Auch dafür ist teilweise das ehemalige DDR-System verantwortlich, indem es ein desolates Wirtschaftssystem hinterlassen hat. Aber die DDR ist Geschichte und wenn wir uns immer auf sie als Begründung und Entschuldigung für alles berufen, dann wird sie auch dadurch am Leben erhalten.

Update 28.02.2008
Böhmer relativiert Aussagen zu Kindstötung

Die Börse crasht - amerikanische Städte werden ruiniert

GvR_Eigentum, Oek_Konsum, Oek_Menschenwürde | wong it! 23.01.2008

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‘I had a dream’ - der Traum vom Eigenheim, der ja nicht nur bei uns geträumt wird, sondern auch in den USA. Und dieser Traum wird von sog. Finanzberatern noch befördert - befördert auch bei denen, die eigentlich im Hinblick auf die finanziellen Verhältnisse diesen Traum noch aufschieben sollten.
Wer hat die Sprüche noch nicht gelesen: Kaufen ist billiger als mieten!, begleitet von idealtypischen Beispielrechnungen, die wahrscheinlich nur in seltenen Ausnahmefällen auf den ‘Träumenden’ zutreffen. Aber das wird dann solange hingebogen, bis es irgendwie passt. Da dürfen sich dann aber die finanziellen Verhältnisse im persönlichen Bereich und am Markt nicht um einen Cent ändern, da ansonsten das Kartenhaus zusammen bricht. Das interessiert aber die Finanzberater und Banken nicht. Der Bürgermeister von Cleveland/Ohio sagt zutreffend:

Natürlich hätten die Menschen hier ahnen können, dass die Kreditangebote der Banken nichts Anderes waren als ein vergifteter Köder. Sie hätten ahnen können, dass die Kreditzinsen jederzeit in die Höhe schnellen konnten - und die Preise der Häuser rapide fallen. Aber das sei nicht der Punkt, sagt Clevelands Bürgermeister Frank Jackson. Entscheidend sei, dass Banker wie profitgierige Drogendealer agiert und die Kunden gezielt süchtig gemacht hätten, süchtig nach scheinbar billigem Geld.

In Cleveland werden tausende von Häusern zwangsversteigert, ganze Stadtviertel verändern sich zu Slums. Dabei hatte Cleveland viel in die Verbesserung und Verschönerung der Stadt investiert. Auf hunderte Millionen Dollar Schadenersatz hat die Stadt Cleveland deshalb insgesamt 21 Kreditinstitute verklagt - auch die Deutsche Bank. Deren Tochter Deutsche Bank Trust soll laut Klageschrift für mehr als 7000 Zwangsversteigerungen im Bezirk Cleveland verantwortlich sein. Der momentane Börsencrash trifft auch die Banken insoweit zu recht.
Die, deren Traum jetzt ausgeträumt ist, stehen vor dem Nichts. Deren Verluste trägt kein Aktionär und sie können die Verluste auch nicht steuerlich geltend machen.

Für Deutschland soll jetzt das spekulieren mit Grundstückskrediten und daraus resultierende Zwangsversteigerungen erschwert werden.

Der Entwurf für ein Risikobegrenzungsgesetz sieht vor, dass der Kunde künftig sofort informiert werden muss, wenn eine Forderung abgetreten wird. Zudem sollen nach den Plänen von Zypries künftig nicht nur Verbraucherkredite, sondern auch Grundstückskredite erst gekündigt werden dürfen, wenn der Zahlungsrückstand einen “gewissen Prozentsatz” erreicht.

Das mag hilfreich sein, aber das oben geschilderte Problem wird damit nicht behoben. Das Beispiel in den USA sollte mehr als eine Lehre sein. Die negativen Konsequenzen tragen wir alle, die Gewinne liegen woanders.

Quellen und weitere Informationen:
US-Hypothekenkrise ruiniert ganze Städte
Regierung will Schuldner besser schützen