Millionäre trotzen der Finanzkrise

Oek_Gesellschaft, Oek_Zufriedenheit | wong it! 24.06.2008

Es beruhigt mich dann doch, wenn die Menschen nicht ausnahmslos unter der Finanzkrise leiden. Zum Glück gibt es immer Ausnahmen, an denen sich zeigt, dass sich Einsatz und Leistung lohnen - trotz der US-Immobilien- und Finanzkrise, steigender Lebensmittel- und Energiepreise, gelingt es fleissigen Menschen nicht nur gut zu leben, sondern auch noch ihr Vermögen zu mehren.

Obwohl das Jahr 2007 vom Ausbruch der US-Immobilienkrise und den darauf folgenden Turbulenzen an den Finanzmärkten geprägt war, hat die Zahl der Dollar-Millionäre und deren Vermögen weiter zugenommen. Zu diesem Schluss kommt die zwölfte Ausgabe des jährlich erscheinenden «World Wealth Report» von Merrill Lynch und Capgemini. Als Dollar-Millionäre gelten sogenannte «high-net-worth individuals» (HNWI), die netto (ohne Liegenschaftsbesitz) über ein Finanzvermögen von mehr als 1 Million Dollar verfügen. Weltweit ist diese Zahl laut Studie im Jahr 2007 um 6% auf über 10,1 Millionen Dollar-Millionäre gewachsen. Insgesamt können diese über ein Gesamtvermögen von 40’700 Milliarden Dollar verfügen.

Na also, es geht doch!

Quelle: nzz

Abzocken ist international

Oek_Arbeitswelt | wong it! 23.06.2008

Nicht nur unsere Manager wissen, wie sie ihre Taschen füllen - auch in der Schweiz ist dieses Wissen präsent. Irgendwoher muss Herr Ackermann es ja haben - er hat es mitgebracht.

Bei Lupe findet man zwei schöne Plakate zu den schweizer Abzockern.
Aber im Grunde bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Doch noch (späte) Strafe für Apartheid-Nutzniesser?

GvR_Arbeitswelt, Oek_Ethik, Oek_Menschenwürde | wong it! 13.05.2008

Im Sommer und Herbst 2002 reichten insgesamt 37 auf Sammelklagen spezialisierte US-Anwaltskanzleien vor Gerichten in New York und Washington Apartheidklagen ein. Für ihre südafrikanischen Klienten forderten sie Schadenersatz in Höhe von total 440 Milliarden US-Dollar. Der Vorwurf der Apartheid-Opfer lautete, dass die verklagten Großbanken und -konzerne aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und den USA durch ihre Aktivitäten in Südafrika die Verfechter der staatlich verordneten Rassenpolitik wirtschaftlich am Leben erhalten, davon profitiert und somit gegen internationales Recht verstoßen haben.

Das Oberste US-Gericht hat die Klagen jetzt nicht zurück gewiesen und sie sind somit wieder in Verhandlung.

Unabhängig davon, wie es weiter geht und letztlich endet, sind die Klagen meiner Ansicht nach richtig und wichtig. Den Konzernen war bekannt, mit welchen Regime sie sich damals eingelassen haben. Auch wenn es möglicherweise in den südafrikanischen Zweigbetrieben der jetzt verklagten Unternehmen vergleichsweise human zuging, haben diese von den durch das Apartheidregime geschaffenen Verhältnissen profitiert. Dafür sollen sie auch einstehen.
Der Ausgang dieser Verfahren wird von wesentlicher Bedeutung sein, denn auch in weiteren Ländern profitieren Großkonzerne von politischen und sozialen Verhältnissen, die in den Heimatländern geächtet sind - und das wissen sie. Und dafür ist die Verantwortung zu tragen!

Quellen und weitere Informationen:
Die Schatten der Vergangenheit kehren zurück
Südafrika: Apartheid-Opfer verklagen Top-Konzerne auf Milliarden

Gelebte Nächstenliebe

Allgemein | wong it! 26.04.2008

Das die Kirche nicht unbedingt das lebt, was sie predigt, hat sich während der Jahrhunderte häufig gezeigt. Aber auch heute gibt es grosse Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Im Arbeitsleben zeigt die Kirche hier besonderes Engagement bei der sozialen Behandlung ihrer Angestellten.

Möglich macht diese Ungleichbehandlung unter dem Deckmantel christlicher Nächstenliebe ein “Sonderarbeitsrecht zweiter Klasse”: Es gibt keine Tarifbindung, kein Streikrecht und keine Betriebsräte. Das ist verlockend für Arbeitgeber: Da wird über Nacht ein Krankenhaus zu einer kirchlichen Einrichtung mit “Raum der Stille”. Der Betriebsrat muss dafür seine Sachen packen.

Das wäre doch ein Geschäftsmodell für die Wirtschaft - wandeln wir Siemens, Nokia u.a. in Glaubensgemeinschaften um und eliminieren so die Arbeitnehmerrechte!

Wider die Zersplitterung der Gesellschaft

GvR_Familie, Oek_Nachbarschaft | wong it! 11.04.2008

Ich gehöre zu denen, die der Rente nahe sind. Seit meinem 17 Lebensjahr, als ich meine Berufsausbildung startete, arbeite ich ununterbrochen und zahle Steuern und Sozialabgaben. Auch mit meinen jungen KollegenInnen hatte und habe ich immer ohne altersunterschiedsbedingte Probleme gut zusammen gearbeitet.
Das schreibe ich nicht, um mich zu loben, nein, mir geht es um und gegen die Tendenz, unsere Gesellschaft immer mehr zu zersplittern. Und dies ganz besonders jetzt, da der Altbundespräsident Herzog nichts Besseres zu tun hat, als vor einer Ausplünderung durch die Alten zu warnen!

“Ich fürchte, wir sehen gerade die Vorboten einer Rentnerdemokratie: Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern.”

Aufhänger ist die jüngste Rentenanpassung in Höhe von 1,1 Prozent.
Herr Herzog hätte diese sicher nicht benötigt. Seine Pension ist sicher mehr als auskömmlich.

Experten sehen aber (erstaunlicherweise?) die Lösung nicht in einem gedeihlichen Miteinander, sondern die Lösungsvorschläge gehen in Richtung Teilung:

Straubhaar warnte, damit werde der Generationenvertrag zum Generationenkonflikt und sprach sich für die Einführung des Familienwahlrechts aus. Künftig müssten Eltern auch ein Stimmrecht für ihre Kinder erhalten. «Wenn Eltern für jedes Kind eine Wahlstimme erhalten, fänden die Interessen der Jüngeren mehr Gehör», sagte der HWWI-Chef.

Es darf hier meines Erachtens nicht um ‘Waffengleichheit’ gehen - ausser man propagiert den Kampf zwischen den Generationen - sondern um die Suche nach Lösungen. Die Politik und die gesellschaftlichen Gruppierungen sind aufgerufen, nach Lösungen zu suchen und die findet man nicht, indem eine Ausplünderung der Jüngeren durch die Älteren konstatiert wird.

Viele Rentner unterstützen Jüngere finanziell. Viele Jüngere müssten für ihre Eltern, die in Rente sind, finanziell einspringen, wenn diese mit ihrer Rente den Lebensunterhalt oder die Pflege nicht bezahlen könnten. Das sehen die Sozialgesetze so vor.

Äusserungen, wie jetzt von Herrn Herzog, führen zu einer Polarisierung. Das Einzige, was ich ihm zugute halten könnte, wäre die Absicht, damit eine Lösungsdebatte in Richtung ‘harmonisches Zusammenleben’ zu erreichen. Ich wäre dabei.

Quellen und weitere Informationen:
Altbundespräsident sieht Vorboten einer “Rentnerdemokratie” - “Plündern” die Älteren die Jüngeren aus?
Straubhaar und Falter sagen dramatische Machtverschiebung voraus - Experten rechnen mit wachsendem Einfluss der Rentner

Zu viel leicht verdientes Geld

GvR_Finanzen, Oek_Konsum | wong it! 27.03.2008

Drei Meldungen, die den derzeitigen Zustand an den Finanzmärkten und die Auswirkungen exemplarisch illustrieren.
Jean-Claude Trichet, EZB-Präsident, sagt in einem Interview, dass die Investmentbanken, ja eigentlich alle Privatbanken zu unvorsichtig, viel zu wagemutig agierten. Es wäre zu viel leichtverdientes Geld im Markt gewesen.

Eine der Banken, die zu unvorsichtig, zu wagemutig agierten, ist die IKB-Bank. Die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat das seit August vergangenen Jahres schon 8,5 Milliarden Euro gekostet. Ein Ende ist noch nicht abzusehen. Aus den 8,5 Milliarden werden wohl noch mehr werden. Die KfW ist eine staatliche Bank - also muss am Ende der Bund dafür geradestehen - und damit die Steuerzahler.

Die Kauflaune der Deutschen steigt nur langsam.

“Nach wie vor ist bei den Bundesbürgern eine gewisse Verunsicherung hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung vorhanden”, erklärte die GfK. Hintergrund dafür seien die Folgen der US-Hypothekenkrise, der starke Euro und die Signale für eine Rezession in den USA.

Mal abgesehen davon, ob es richtig ist, dass die Kauflaune immer steigen muss und ob das ein Indikator für Vertrauen in den Zustand der Wirtschaft und der eigenen Situation ist - hätten die Bundesbürger die Milliarden, die in die IKB-Bank geschüttet wurden oder das von Trichet angeführte leicht verdiente Geld, dann würde wahrscheinlich auch die Kauflaune wieder besser.

Sollten wir Verständnis für Nokia haben? Grundsätzliches zum Thema

GvR_Eigentum, Oek_Arbeitswelt, Oek_Konsum, Oek_Menschenwürde, Oek_Politik | wong it! 20.01.2008

Zu meinem Beitrag Nokia verlässt Bochum - wieder 90 Mio. Fördermittel in den Sand gesetzt! haben Christian, Tom und Johan Kommentare geschrieben, die meines Erachtens die grundsätzliche Problematik dieses Vorgangs exemplarisch ansprechen. Deshalb will ich diese Kommentare nicht nur innerhalb eines Kommentars zu dem Beitrag beantworten, zumal das Thema ‘Nokia verlässt Bochum’ nicht erledigt ist! Schon an dieser Stelle vielen Dank für die engagierten Kommentare.

KAPITEL 1
Wir alle streben nach mehr Gewinn und grösstmöglichen Vorteil und die Firmen machen es nicht anders, als jeder von uns. Das liegt in der Natur des Menschen

(Die Problematik, eine Firma, eine juristische Person, mit dem Verhalten einer natürlichen Person gleich zu setzen, lasse ich hier mal aussen vor.)

Die in der Überschrift formulierte Aussage habe ich Christians Kommentar entnommen und sie klingt einerseits naturwissenschaftlich aufgeklärt und rational, andererseits sehr zynisch. Diese Einstellung, dass wir egoistische Wesen sind und nach grösstmöglichem Vorteil streben, wird von nicht wenigen Ökonomen und Biologen geteilt. Das liegt sozusagen in unseren Genen und ist somit ‘natürlich’. In Buchtiteln wie z.B. Verdammt zur Unmoral? Zur Naturgeschichte von Gut und Böse Piper, München-Zürich 1993, oder Der freie Wille. Die Evolution einer Illusion Hirzel, Stuttgart 2007, von Franz Wuketits spiegelt sich dies wieder. Der Homo oeconomicus als Idealtyp dieses auf die Maximierung seines Vorteils bedachten Menschen wurde jahrelang in den Universitätsvorlesungen strapaziert und muss auch heute noch für Vieles herhalten, obwohl die Theorie ihn wohl weitestgehend in Rente geschickt hat.
Dieser Ansatz, dass alle nur nach grösstmöglichem Vorteil streben und dass dieses Streben quasi legitim ist, macht die Welt sehr einfach. Er entbindet von jeder sozialen Einstellung bzw. degradiert diese zu einem Mittel zur Steigerung des eigenen Vorteils. Solidarität mit Anderen, als ein Mittel der eigenen Vorteilsmaximierung. Wäre dem so und wir würden gemäss dieser Einschätzung handeln, würde es meines Erachtens keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft wie die unsere geben.
Ich sehe in diesem Ansatz keine Legitimation für das Verhalten von Nokia.

KAPITEL 2
Es gibt nicht nur das Streben nach grösstmöglichem individuellen Vorteilen und es liegt nicht in der Natur des Menschen, ein grenzenloser Egoist zu sein

Tom fühlt sich von Christians Einschätzung nicht angesprochen. Er stellt andere Werte über materielle Dinge, über grösstmöglichen Profit.
Solidarität ist nach meiner Einschätzung dann möglich, wenn das Überleben gesichert ist. Solange der Einzelne um das nackte Überleben kämpft, ist Solidarität mit Anderen Gefährdung der eigenen Existenz. Aus diesem Stadium des täglichen Kampfes um die eigene Existenz sind wir glücklicherweise hinaus. Auch ich teile die Meinung von Tom und sehe nicht das Streben nach grösstmöglichen individuellen Vorteil als meine Verhaltens- und Einstellungsmaxime. Es wäre traurig, wenn nach Jahrhunderten menschlicher Entwicklung nicht mehr herausgekommen wäre, als Vorteilsmaximierung. Dies wird uns sugeriert, um insoweit solche Vorgehensweisen, wie sie Nokia jetzt an den Tag legt, zu legitimieren.

KAPITEL 3
Nokia kann das nur machen, weil wir so was unterstützen.

Mit dieser Einschätzung spricht Johan ein Thema an, bei dem wir vielleicht zu einem Kern der Sache vorstossen.
Es ist so - ohne uns, die die Nokia-Handys kaufen, gäbe es die Handy-Sparte von Nokia nicht. Nokia stellt die Handys nicht aus Spass an der Freud her, wie es so schön heisst, sondern weil sie gekauft werden und damit Gewinn gemacht werden kann. Also haben wir als sog. Verbraucher Einfluss auf die Produktion von Gütern. Was wir nicht kaufen, wird bald nicht mehr produziert. Und unsere Preferierung des billigsten Produktes ala ‘Geiz ist geil’, hat natürlich Einfluss auf Produktionsweisen und kostengünstige Produktion. Und man kann eine Firma führen wie die ‘dm-Drogeriemärkte’ oder wie ‘Schlecker’ - wir entscheiden, wo wir kaufen.
Wie schreibt Johan in seinem Kommentar:

Auch wenn ich meine, andere Werte weit über materielle Dinge zu stellen, bestimme ich auch immer noch die Welt über mein Konsumverhalten.

Boykotiert Nokia

So ist es, und da sollten wir ansetzen. Auch wenn es auf den ersten Blick lächerlich wirkt, hat hier eine Aktion wie ‘Nie wieder Nokia’ ihren Sinn. Andere Aktionen ähnlicher Art haben dies gezeigt. In diesem Sinne bewusster Konsum hat Einfluss. Er ist selten bequem, aber auf Dauer wirksam.

KAPITEL 4
Die staatlichen Subventionen haben insgesamt einen Gewinn auch für das Land gebracht

‘Die 3300 Leute haben Steuern gezahlt, waren nicht arbeitslos, das müsste auszurechnen sein. Ich weiß, sieht zynisch aus, ist aber eine legitime Frage. Und wie laut hätte man damals geheult, wenn Nokia nicht gekommen wäre, weil man kein Schmiergeld in Höhe von 90 Mio. EUR geboten hätte?’ - so schreibt Johan.
Nicht von der Hand zu weisen, aber da sind wir doch wieder bei der puren Finanzakrobatik. Es hat sich auch für das Land und die Leute gerechnet und so muss Nokia erlaubt sein, diese Rechnung auch dauerhaft positiv für sich zu gestalten. Also müsste jetzt NRW wieder 90 Mio. EUR locker machen, um Rumänien auszustechen. Ist es wirklich so, dass es letztlich nur entscheidend ist, wo die Produktion den höchsten Gewinn ermöglicht? Dieser Rendite-Raubbau führt doch analog den Brandrodungen im Urwald zur Verwüstung ganzer Landstriche. Es ist doch nicht so, dass Nokia mit den in Bochum produzierten Handys keinen Gewinn gemacht hätte. Dem Unternehmen geht es laut den Geschäftszahlen blendend und auch die Produktion in Bochum ist nicht defizitär.
Dem Werk in Rumänien wird es auf Dauer nicht besser ergehen. Irgendwann wird die Produktion irgendwo billiger sein als in Rumänien.

Die Arbeitskosten sind ein wichtiger Faktor im Attraktivitäts-Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte Die Übersicht des BfS zeigt, dass nirgenwo in Europa die Arbeit mehr kostet als in der Schweiz (33,81 Euro). Fast so teuer sind Schweden (32,16 Euro), Luxemburg (31,98 Euro) und Frankreich (30,31 Euro). Deutschland ist mit 27,79 Euro schon deutlich günstiger.
Am besten kommen im europäischen Vergleich Arbeitgeber in Osteuropa weg. In Bulgarien (1,55 Euro) und Rumänien (2,68 Euro) kostet eine Stunde Arbeit am wenigsten. Auch nach Lettland (3,41 Euro), Litauen (4,21 Euro) oder Estland (5,50 Euro) könnten sich Auslagerungen lohnen.

Die Karawane zieht zur nächsten Oase weiter. Ist dort das Gras abgeweidet, wird eingepackt und wieder zur nächsten Oase gezogen, anstatt für frisches Gras zu sorgen. Das sollen gefälligst andere tun. Die Karawane hat ja während ihrer Anwesenheit für Umsatz gesorgt - das muss reichen! Soll es das wirklich sein?

Wir sollten nicht so tun, als wäre so etwas wie jetzt die Verlagerung der Nokia-Produktion von Bochum nach Rumänien halt der Lauf der Dinge. So ist es nicht. Das lag mir noch am Herzen und die Kommentare von Christian, Tom und Johan sind mir das wert gewesen.

Quellen und weitere Informationen
Die rumänische Regierung baut “Nokia-Village” zum IT-Standort aus und hofft auf den Zuzug weiterer Zulieferer.
“Subventionen können sich durchaus auszahlen”
Werksschließung: Struck und Seehofer legen ihre Nokia-Handys still
Krokodilstränen im Schnäppchenland
Nokia und die Förderung von Unternehmensansiedlungen “Diese Subventionen haben keinen Sinn”

Update 24.01.2008:
Unternehmenszahlen: Nokia jubelt über Riesengewinne
Nettogewinn stieg im vergangenen Jahr um 67 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro.
Umsatz stieg 2007 um 24 Prozent auf 51,1 Milliarden Euro.
Den Bochumern hilft dies nicht mehr - sie haben die Zahlen mit ermöglicht!

Update 11.03.2008
Bochum: Nokia muss 59 Millionen Euro zurückzahlen

Nokia verlässt Bochum - wieder 90 Mio. Fördermittel in den Sand gesetzt!

Oek_Menschenwürde, Oek_Politik | wong it! 15.01.2008

Es ist immer wieder das selbe Strickmuster - Konzerne äussern ihre Absicht, ein grösseres Werk zu bauen und die Regionen wetteifern um die Ansiedlung. Es fliessen Fördermittel in nicht geringer Höhe und wenn dann die Rückforderungsfrist für diese Fördermittel abgelaufen ist, geht es zu den nächsten ‘Fleischtöpfen’. Die Politiker machen Lärm, wirbeln Staub auf, aber nach kurzer Zeit ist wieder Ruhe eingekehrt. Für manche Landstriche die Friedhofsruhe!

Dies hat jetzt auch Bochum schmerzhaft erfahren müssen. Nokia will sein Werk dort schliessen, was ca. 2.300 Arbeitern den Job kostet, zuzüglich 1.000 Leiharbeitern. Die Produktion wird nach Rumänien verlagert (dafür gibt es Fördermittel der EU!); die hochqualifizierten Tätigkeiten nach Finnland. Das bringt mehr Rendite. Über 3.000 Arbeiter stehen vor einem Scherbenhaufen!

Die Fördermittel des Landes NRW in Höhe von 60 Mio. EUR, sowie 30 Mio. EUR vom Bund für die Forschung, können nicht zurück gefordert werden. Die Frist ist letztes Jahr abgelaufen - die Finnen sind ja nicht dumm! Da sollte sich Frau Thoben auch nicht zu sehr echauffieren. Wenn die Politik die Voraussetzungen für diese Art Renditemöglichkeiten schafft, dann sollte Sie damit rechnen, dass dies auch getan wird. Alles andere ist blauäugig!

Nicht das es Nokia schlecht geht, es wird gut verdient und auch das Werk in Bochum ist nicht etwa defizitär. Nein, so ist es nicht, aber es kann halt immer noch etwas mehr sein. Und wenn dieses mehr in Bochum nicht zu erzielen ist, dann wird halt weiter gezogen. So haben es die Raubritter und die Söldner in den Kriegen auch gemacht.

Quellen und weitere Informationen
Schock vor Schichtbeginn
Handy: Nokia macht Bochumer Werk dicht
Nokia plant den Standort Bochum zu schließen
Nokia Key data
Nokia “Das ist eine Katastrophe für Bochum”
Nokia schließt deutsches Handywerk mit 2.300 Beschäftigten

Update 16.01.2008:
Das Spiel mit den Sahnehäubchen
Wo die Sonne verstaubt

Update 26.01.2008:
Der Handy-Konzern Nokia hat in seinem Bochumer Werk möglicherweise gegen Subventionsauflagen verstoßen.
Betriebsrat: Nokia berechnet Produktionskosten in Bochum falsch

PIN ist kein unternehmerisch denkender Betrieb

Oek_Menschenwürde, Oek_Service | wong it! 06.12.2007

by pixelio

Die Briefzusteller wie PIN, TNT oder Hermes sind angetreten, um der Deutschen Post auch auf dem Briefmarkt Konkurrenz zu machen. So weit, so gut.
Nachdem der Mindestlohn beschlossen ist, werden jetzt fast 900 Mitarbeiter von PIN entlassen, weil die Konkurrenzfähigkeit bei dem Mindestlohn von 9,80 EUR nicht mehr gegeben sei.
Wenn doch aber beide Unternehmen dem selben Mindestlohn unterworfen sind, dann ist doch hier erst einmal Chancengleichheit gegeben. Sollte ein Unterschied durch die Mehrwertsteuerbefreiung der Post gegeben sein, dann muss man gegen die Mehrwertsteuerbefreiung vorgehen, aber dieses Problem nicht über den Mindestlohn lösen.

Das Geschäftsmodell von PIN ist anscheinend allein darauf gegründet, so geringe Löhne zu zahlen, dass die Mitarbeiter sich noch Geld bei der Arbeitsagentur holen müssen, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wenn dies so ist, dann verstehe ich nicht, wo hier unternehmerisch gedacht wird. Besteht Konkurrenz, besteht unternehmerisches Denken und Handeln nur darin, auf Kosten der Mitarbeiter und der Gesellschaft billiger zu sein? Dann sage ich: ‘Nein Danke’!

Zu diesem Thema siehe auch hier:
Es wird billiger, aber die Post wird nicht mehr regelmässig zugestellt?

Update 14.12.2007:
“Der PIN-Kauf war ein Riesenirrtum”

Wäscheleine senkt den Wiederverkaufswert des Hauses

Oek_Nachbarschaft | wong it! 08.11.2007

Wohnanlagen, die in sich abgeschlossen sind und meist von einem eigenen Sicherheitsdienst bewacht werden, sind in den USA sehr häufig anzutreffen. Dort ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu besitzen, zeugt - zumindest nach aussen - von einem gewissen Wohlstand.
Das Wohnen-unter-seinesgleichen in diesen Anlagen prägt auf Dauer auch die Einstellung der Bewohner. So wundert es nicht, wenn sich Verhaltensweisen herausbilden, die mich zumindest den Kopf schütteln lassen. Um was geht es?
Also, in den meisten dieser Anlagen ist das Aufhängen von Wäsche im Freien zwecks Trocknung per Eigentümersatzung verboten. Es sei hässlich und der Wert eines Hauses könne dadurch um 15 Prozent sinken! Einer Bewohnerin dieser Anlagen, die die Wäsche trotzdem im Freien trocknen wollte, wurde dies unter Androhung rechtlicher Schritte untersagt. Wenn ihr dies nicht passt, könne sie woanders hinziehen!

Der Tipp von Klimawandel würde dort nicht gern gehört:

Wäschetrockner sind Energiefresser! Benutzen Sie stattdessen die Wäscheleine, dann sparen Sie bis zu 70 EUR Stromkosten pro Jahr.

Allerdings passt das oben geschilderte Verhalten vielen US-Amerikanern nicht mehr und so wurde eine Pro-Wäscheleine-Organisation gegründet.

Quelle:

Trockner, zieh Leine