Gelebte Nächstenliebe

Allgemein | wong it! 26.04.2008

Das die Kirche nicht unbedingt das lebt, was sie predigt, hat sich während der Jahrhunderte häufig gezeigt. Aber auch heute gibt es grosse Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Im Arbeitsleben zeigt die Kirche hier besonderes Engagement bei der sozialen Behandlung ihrer Angestellten.

Möglich macht diese Ungleichbehandlung unter dem Deckmantel christlicher Nächstenliebe ein “Sonderarbeitsrecht zweiter Klasse”: Es gibt keine Tarifbindung, kein Streikrecht und keine Betriebsräte. Das ist verlockend für Arbeitgeber: Da wird über Nacht ein Krankenhaus zu einer kirchlichen Einrichtung mit “Raum der Stille”. Der Betriebsrat muss dafür seine Sachen packen.

Das wäre doch ein Geschäftsmodell für die Wirtschaft - wandeln wir Siemens, Nokia u.a. in Glaubensgemeinschaften um und eliminieren so die Arbeitnehmerrechte!

Milliardär Würth sieht sich am Hungertuch nagen!

Oek_Ethik, Oek_Politik | wong it! 10.03.2008

In der Forbes-Liste der reichsten Personen der Welt rangiert Reinhold Würth nur auf Rang 120. Mit 7,7 Milliarden US-Dollar kommt man leider nicht weiter (und bei dem z.Zt. schwachen Dollar ist es als Dollar-Milliardär sowieso ein hartes Leben!).

Aber das ist noch garnichts gegen die Sorgen, die Reinhold Würth wirklich umtreiben.

“Wir werden spätestens 2013 eine rot-rot-grüne Koalition haben. Dann kommt das ganze Folterwerkzeug wieder heraus”, sagte er. “Die Erbschaftsteuer wird erhöht, die Vermögensteuer und neue Reichensteuern eingeführt. Wir befinden uns auf einem geradlinigen Weg in eine DDR-ähnliche Zeit, in eine Edel-DDR.” Und weiter: “Ich mache mir Sorgen, ob meine Arbeit, die ich in über 58 Jahren gemacht habe, umsonst war. Ob das ganze nicht konfiskatorisch besteuert wird - also quasi enteignet - und ich quasi sechs Jahrzehnte in den Sand gesetzt habe.”

Mir blutet das Herz. Jetzt kann ich verstehen, warum Liechtenstein so ein begehrtes Urlaubsziel ist.
Die Rechnung, die Reinhold Würth aufmacht, lässt mich erschaudern! Wenn das zutrifft, muss ich sehen, wie ich meine nicht vorhandenen Milliarden retten kann.

“Die Gewinne, die ich in diesen jetzt 58 Jahren gemacht habe, sind schon mal im Durchschnitt zu 50 Prozent versteuert worden. Wenn die Erbschaftssteuer kommt, dann sind noch mal mindestens 15 Prozent weg. (…) Dann blieben also gerade mal 35 Prozent übrig.”
Von den 35 Prozent, die den Vermögenden blieben, würde dann nochmals die Hälfte weggenommen. “Dann bleiben noch 17 Prozent für unsere Unternehmen. Diese Rechnung beträfe den ganzen Mittelstand: Alle, die etwas erwirtschaftet haben, würden gnadenlos ausgenommen. Das geht nahe an den Kommunismus heran.”

Zum Glück ist es aber nicht so schlimm - aber bei 7,7 Milliarden US-Dollar verliert man schon mal den Überblick.

All dessen vollkommen ungeachtet reicht es allerdings vollkommen aus, wenn man Würths Rechnung mit seinen ganz persönlichen Zahlen Leben einhaucht. Seine Erben erhielten demnach von seinen rund 5 Milliarden Euro “nur” noch 3,5 Milliarden Euro übrig. Käme es dann zur der von ihm befürchteten “Enteignung” wären es “gerade einmal noch” 1,7 Milliarden Euro. Bei einer – sehr zurückhaltend – angenommenen Verzinsung von 4 Prozent pro Jahr ergäben sich hieraus Zinseinkünfte von knapp 190.000 Euro - pro Tag, jeden Tag.

Was treibt Reinhold Würth um, dass er solche Tiraden los lässt (erinnert mich an Onkel Dagobert)? In welcher Welt lebt er? Wir hatten bereits eine rot-grüne Regierung und sein Vermögen ist während der Zeit anscheinend nicht merklich weniger geworden. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn es zu einer rot-rot-grünen Regierung kommt. Während der rot-grünen Regierung wurde die Steuerbelastung gesenkt.

Quellen und weitere Informationen
Schraubenkönig Würth warnt vor “Edel-DDR”
Wenn zuviel einfach nicht genug ist

Deutsche Wirtschaftsmeldungen - keine Erfolgsmeldungen!

Oek_Arbeitswelt, Oek_Menschenwürde | wong it! 27.02.2008

Innerhalb von 2 Tagen lese ich folgende Meldungen - und das in Zeiten guter Konjunktur.
Wie sagte unsere Kanzlerin kürzlich:
Der Aufschwung kommt bei den Menschen an!

BMW streicht mehr als 8000 Stellen

BMW hat den Abbau von 8100 Stellen bestätigt. Von den Kürzungen seien im Inland 5000 Zeitarbeitskräfte und 2500 Mitarbeiter der Stammbelegschaft betroffen. Hinzu kommen 600 fest angestellte Beschäftigte im Ausland.

Es geht um die Verbesserung der Rendite. Der Absatz läuft nach wie vor gut.

Henkel rechnet mit Abbau von 3000 Stellen

Der Waschmittel- und Kosmetikkonzern Henkel startet ungeachtet eines Rekordgewinns im Jahr 2007 ein massives Programm zum Abbau von Stellen. Bis 2011 könnten weltweit rund 3000 der etwa 53.000 Arbeitsplätze wegfallen, teilte das Unternehmen in Düsseldorf mit.

Siemens streicht bis zu 2000 Stellen in Deutschland

Der Siemens-Konzern hat den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen bei seiner zum Verkauf stehenden Kommunikationssparte SEN bestätigt. Allein in Deutschland würden bis zu 2000 Stellen gestrichen, weltweit seien es 3800, teilte die Siemens AG in München mit.
Von weiteren 3000 Beschäftigten will sich Siemens durch Verkäufe und Partnerschaften trennen. Damit stehen insgesamt 6800 Arbeitsplätze zur Disposition.

Jedes 5. Kind in Europa von Armut bedroht

Trotz der vergleichsweise guten Zahlen mahnte die EU-Kommission die Bundesregierung, mehr gegen Kinderarmut zu tun. Immerhin jedes achte Kind in Deutschland ist dem Armutsrisiko ausgesetzt, bei fast jedem zehnten Kind sind beide Eltern arbeitslos - das bedeutet Platz 18 unter den EU-Staaten. Länder wie Slowenien, Portugal oder Dänemark schneiden hier deutlich besser ab.

Und hier die, bei denen der Aufschwung angekommen ist:

Daimler-Vorstände steigern Einkünfte

Wie aus dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, kassierte allein Konzernchef Dieter Zetsche im Jahr 2007 rund 8,55 Millionen Euro. Insgesamt erhielt das Vorstandsgremium auch dank der guten Geschäfte von Mercedes-Benz und des Verkaufs von Chrysler 24,9 Millionen Euro. Im Jahr 2006 waren es noch 14,76 Millionen Euro. Vorstandschef Zetsche, der auch gleichzeitig Mercedes-Chef ist, hatte im Vorjahr noch fünf Millionen Euro verdient.

Wer kennt ihn nicht, den schönen Spruch:
Leistung muss sich wieder lohnen!
Die Arbeiter und Angestellten bei BMW, Henkel und Siemens haben was geleistet.

Update 29.02.2008
Warum Konzerne ihre soziale Verantwortung in Zeiten des Turbo-Kapitalismus’ für die Rendite opfern, erklärt der Professor für Sozialpolitik und Finanzwissenschaft Diether Döring.
Wenn nur die Rendite zählt

Wolfgang Böhmer und andere machen es sich zu leicht

GvR_Familie | wong it! 26.02.2008

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, fühlt sich missverstanden und streitet sich mit dem Nachrichtenmagazin Focus. Böhmer wirft dem Magazin vor, dass es seine Äußerungen zu den Kindstötungen in den neuen Bundesländern falsch wiedergegeben hat. Darum wird jetzt gestritten.

Ausgangspunkt für die Debatte sind die folgenden Äusserungen:

Die Häufung von Baby-Morden in den neuen Bundesländern hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) mit einer „leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern“ erklärt. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS sagte Böhmer, die ungleich höhere Zahl von Kindstötungen sei eine Folge des in der DDR seit 1972 erlaubten Schwangerschaftsabbruchs bis zur 12.Woche. „Die Frauen entschieden, ohne sich auch nur einmal erklären zu müssen.“ Diese Mentalität wirke bis heute nach. Die Kindstötung von Neugeborenen sei offenbar für manche Frauen „ein Mittel der Familienplanung“.

Da Böhmer früher als Gynäkologe die Entbindungsstation eines Krankenhauses in der DDR leitete, dürfte er mit der Materie grundsätzlich vertraut sein.

Es ist aber meines Erachtens nicht richtig, die Tötung von Neugeborenen mit der Möglichkeit zu leichtem Schwangerschaftsabbruch zu erklären. Und Kindstötung als ‘Mittel zur Familienplanung’ zu unterstellen und quasi dem Schwangerschaftsabbruch gleich zu stellen, ist ein katastrophaler Vergleich. Man mag dem Kriminologen Pfeiffer zustimmen, wenn er sagt:

„Ein Denkverbot, wonach die Wertehaltung keine Rolle spielt, darf es nicht geben. Die Wertefrage muss in die Forschung mit einbezogen werden – auch wenn das manche Teile der Bevölkerung angreift“, sagte Pfeiffer zu FOCUS Online.

Der Kriminologe aus Hannover ist dem Politiker für seinen „Denkanstoß“ durchaus dankbar – selbst wenn er ihn für einseitig und „unglücklich formuliert“ hält. „Böhmers These muss überprüft werden. Ohne seine Hypothese könnten wir die Forschung nicht machen“, sagte er.

Allerdings ist es wenig hilfreich, dass Töten von Neugeborenen mit dem Fortleben einer DDR-Wertewelt zu begründen. Dies sehen auch andere so.

Eine mögliche Ursache sieht der Psychiater Häßler nicht in der DDR-Geschichte, sondern in den sozialen Verhältnissen: “Die Elterngeneration der Täter ist relativ desillusioniert und hat einen immensen sozialen Abstieg durchgemacht.” Perspektivlosigkeit, Vereinsamung und Entwurzelung könnten vereinzelt zu Verzweiflungstaten führen - “ich wehre mich aber dagegen, dass das ein Ostphänomen ist”.

Fast 18 Jahre nach dem Ende der DDR sollten Handlungen von Personen, die die DDR nicht mehr bewusst miterlebt haben, nicht damit begründet werden, dass sie auf dem Gebiet der ehemaligen DDR leben bzw. ihre Eltern im DDR-System aufgewachsen sind.
Wenn Pfeiffer sagt

„Die DDR ist doch nicht untergegangen, sondern lebt in den Köpfen der Menschen weiter. Die Werte ändern sich doch nicht von einem Tag auf den anderen.“

dann mag dies in gewisser Hinsicht richtig sein. Aber es gab in der DDR keinen ‘Wert’, der die Tötung von Neugeborenen legitimierte. Das Zitat von Pfeiffer liest sich so, als ob in der DDR die Tötung von Neugeborenen an der Tagesordnung war. Die o.a. Schwangerschaftsregelung der DDR führte nicht zur Tötung von Neugeborenen und legitimierte diese auch nicht.

Negative Erscheinungen in den neuen Bundesländern, wie z.B. Rechtsradikalismus, Antisemitismus, Tötung von Neugeborenen, Übergewicht, mit dem Erbe der DDR zu begründen, macht die Sache sehr einfach. Dieser ‘Verantwortliche’ lebt nicht mehr und das heutige System ‘ist aus dem Schneider’. Die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern und die Abwanderung von Hundertausenden von jungen Menschen lässt sich dann auch irgendwie auf die DDR zurück führen. Wann endet eigentlich die Zeit der Zurechenbarkeit?
Es geht mir hier nicht um eine Verteidigung des DDR-Systems, aber damit heute jede negative Entwicklung in den neuen Bundesländern zu begründen, ist nicht legitim.

Die Ursachen sind an anderer Stelle zu finden. Auf Grundlage des EU-Sozialberichts kommt die EU zu dem Ergebnis, dass in Europa jedes 5. Kind von Armut bedroht ist.

Trotz der vergleichsweise guten Zahlen mahnte die EU-Kommission die Bundesregierung, mehr gegen Kinderarmut zu tun. Immerhin jedes achte Kind in Deutschland ist dem Armutsrisiko ausgesetzt, bei fast jedem zehnten Kind sind beide Eltern arbeitslos - das bedeutet Platz 18 unter den EU-Staaten. Länder wie Slowenien, Portugal oder Dänemark schneiden hier deutlich besser ab.

Auch dafür ist teilweise das ehemalige DDR-System verantwortlich, indem es ein desolates Wirtschaftssystem hinterlassen hat. Aber die DDR ist Geschichte und wenn wir uns immer auf sie als Begründung und Entschuldigung für alles berufen, dann wird sie auch dadurch am Leben erhalten.

Update 28.02.2008
Böhmer relativiert Aussagen zu Kindstötung

Wie kommen 4 Mio. Analphabeten zu IT-Fitness?

GvR_Bildung, GvR_Information | wong it! 24.02.2008

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Wir leben in der Informations-, Computer- und/oder Multimediagesellschaft. Damit sagt man nichts Neues. Was das für den Einzelnen bedeutet, zeigt sich im täglichen Leben. Noch kann man zumindest im Privatleben auch ohne Computerkenntnisse und ohne Computergebrauch überleben. Im Berufsleben sieht das schon anders aus.

Um die Kinder und Jugendlichen für diese Technik und ihre Anforderungen fit zu machen, wird schon in der Schule mehr oder weniger dafür getan, IT-Kenntnisse zu vermitteln. Kritisiert wird aber auch, dass die Schüler durch den Umgang mit Computern zu häufig vom Lernen abgelenkt werden. Weitergehende Kritiken sprechen davon, dass durch Copy and Paste kein Wissen vermittelt wird. Bücher und Artikel lesen ist da sicher effektiver.

Was sagen die fast 4 Mio. Analphabeten, die es in der Bundesrepublik Deutschland geben soll, zu diesen Bestrebungen (eine erschreckend hohe Zahl für ein Land wie Deutschland!)? Gehen die Massnahmen an ihnen vorbei? Wie kann man als Analphabet mit einem Computer umgehen?
Ich versuche gerade, mir das vorzustellen, aber es endet in einer Katastrophe. Ich könnte kein Kennwort eingeben, würde also den Computer garnicht starten können, selbst wenn jemand anders mir den eingerichtet hätte. Das könnte ich noch lösen, indem ich mir ein Kennwort einrichte, welches ich mir auch als Analphabet gut merken kann. Aber die erste Frage, die mir als User gestellt wird, beendet wahrscheinlich die Session. Von weitergehender Nutzung ganz zu schweigen.

Zum Weltalphabetisierungstag hat die Bundesbildungsministerin vom BMBF geförderte Projekte vorgestellt. 30 Mio. EUR sollen dafür aufgewendet werden. Gemessen an anderen Ausgaben ein Pappenstiel und wahrscheinlich mit die am Besten angelegten Millionen des Bundeshaushalts!

Quellen und weitere Informationen
Wettbewerb „IT-Fitness macht Schule“
Virtuelle Lernwelten
«Wir brauchen keine Computer in der Schule»
Analphabetismus
«Du wärst nicht so blöd, wenn du schreiben könntest»
Schavan: “Alphabetisierung gehört zu wichtigsten Aufgaben des Bildungssystems”
Analphabetismus – immer mehr Betroffene in Westeuropa
Analphabetismus - Ursachen und Hintergründe

Streit um Gesetzesentwurf zur Internetneutralität

GvR_Medien, Oek_Medien | wong it! 17.02.2008

Netz-Symbol

Die demokratischen Politiker Edward J. Markey und Chip Pickering haben diese Woche einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Netzneutralität erzwingen soll. Der “Internet Freedom Preservation Act” enthält neue Regeln für das Breitbandnetz als Zusatz zu bereits bestehenden Gesetzen. Surfer sollen Zugang zu allen rechtmäßigen Inhalten und Anwendungen bekommen.

Markey und Pickering wollen so sicherstellen, dass Unternehmer und Nutzer in Zukunft die gleichen Bedingungen vorfinden wie heute. “Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass auch künftige Generationen von Internet-Nutzern Zugang zum gleichen offenen Internet haben, das wir heute nutzen. Sie erkennt die Bedeutung des Internets für die Wirtschaft, die Kommunikation, die Unterhaltung und die Lebensqualität unserer Gesellschaft an”, begründete Pickering das Gesetzesvorhaben.

Den Ansatz finde ich grundsätzlich gut. Darüber ist jetzt aber ein Streit aufgeflammt.

Die Netzbetreiber möchten einen marktorientierten Ansatz und lieber nach eigenem Gusto den Traffic in ihren Netz regulieren, ohne dass der Gesetzgeber ihnen dabei Vorschriften macht. Bei “marktorientierter Ansatz” sträuben sich mir immer die Nackenhaare! Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, was unter dem Deckmantel des “marktorientierten Ansatzes” alles betrieben wird. Dieser Ansatz wird als eines der Zehn Gebote hingestellt, um damit jede Kritik an hemmungslosem Egoismus von vornherein auszuschalten oder zu diffamieren!

Unterstüzung bekommen die beiden Politiker von Dienste-Anbietern, darunter Google, eBay und Amazon.

“In den letzten Monaten haben wir mehrfach erlebt, wie die Telefon- und Kabelunternehmen das offene Internet bedrohen. Verizon, AT&T und Comcast haben Aktionen gestartet, die zusammen genommen, wenn sie unkontrolliert durchgehen, dem Internet als der besten Plattform für Offenheit und Innovatinen in der Geschichte unserer Nation ein schnelles Ende bereiten”, sagte Markham Erickson, Chef der Open Internet Coalition, einem Dachverband von Internet-Unternehmen, darunter auch Google und eBay.

Auch Barrack Obama tritt für Netzneutralität ein.

Quelle: Golem

Der Markt macht die Preise - aber nicht bei Flüssiggas!

Oek_Handel, Oek_Korruption | wong it! 19.12.2007

Der Markt reguliert Angebot und Nachfrage und bildet darüber die Preise, die insoweit dann gerecht sind.
Solche Märchen erzählt man uns nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr über, immer wieder. Immer wieder zeigt aber die Wirklichkeit, dass wir - man verzeihe mir das Wort - verarscht werden. Jetzt von den Flüssiggasanbietern.

Wegen jahrelanger illegaler Absprachen hat das Bundeskartellamt millionenschwere Bußgelder gegen sieben deutsche Flüssiggasanbieter verhängt. Betroffen sind die Firmen Drachen-Propangas, Friedrich Scharr KG, Progas, Primagas, Sano-Propan und Tyczka Enerige sowie Tyczka Totalgaz. Mindestens zehn Jahre haben die mittelständischen Unternehmen ihren Kunden überhöhte Preise berechnet und sie am Wechsel des Anbieters gehindert.

Warum werden derartige Praktiken nur mit Bussgeldern bestraft? Das Bundeskartellamt sagt, dass hinter den Unternehmen durchweg potente, sogar europaweit agierende Flüssiggas- und Mineralölkonzerne ständen, die auch nach der Bußgeldzahlung ihre Stellung im Markt sicherstellen können. Die Bussgelder werden dann wahrscheinlich bilanztechnisch gekonnt ‘verarbeitet’ und dann war es das!?

18 Jahre nach Mandelas Freilassung

GvR_Demokratie | wong it! 11.12.2007

Corinna Arndt, geboren 1980 in Dresden, lebt seit 2003 als freie Journalistin in Südafrika. Sie schildert in einem Beitrag im Blog Reporterwelt.Net, dass auch 18 Jahre nach Mandelas Freilassung, in Südafrika die Apartheid noch lange nicht beendet ist.

Das folgende Zitat zeigt, dass das Stillstandsvermögen der grauen Masse in vielen Köpfen unendlich gross ist:

Am nächsten Tag eine Email der Vermieterin an mich: Ich hätte Elvis unerlaubt einen Rasenmäher gegeben. Ich solle ihn doch bitte nicht behandeln, als sei er ein Gärtner. “Das ist inkorrekt. Sein Gehirn kann so etwas nicht leisten. Ich bezahle ihn dafür, dass er jeden Morgen zur Arbeit kommt. Die meisten [lies: Schwarzen] schaffen nichtmal das.”

Ich unterstelle mal, dass sich in Südafrika vieles zum Besseren gewendet hat und die Situation nicht mehr mit der Zeit vor 20 oder 30 Jahren zu vergleichen ist. Aber ein mehr oder weniger grosser Bodensatz an Dummheit, Arroganz, Menschenverachtung ist anscheinend immer noch vorhanden!

WTO, Weltbank und Liberalisierung - dickes Ende für die Entwicklungsländer

Oek_Ernährung, Oek_Handel | wong it! 08.12.2007

by pixelio

Immer wenn ich in einem Artikel oder einem Bericht die Worte WTO, Weltbank und Liberalisierung lese oder höre, dann werde ich hellhörig. Denn meistens ist es dann ein Lehrstück über die Übervorteilung der Länder, die Hilfe bräuchten, zugunsten der reichen Industrieländer. Regelmässig taucht dabei auch das Wort ‘Gerechtigkeit’ noch auf.

Die kenianischen Milchbauern können ein trauriges Lied davon singen. Die Weltbank hatte in den 50er Jahren schon einmal ‘heilend’ eingegriffen. Der Patient war anschliessend fast tot, aber dem Arzt ging es blendend.

Damals wurden die Milchpreisbindungen aufgehoben, die Importzölle gesenkt und der Markt mit Milchpulver vor allem aus EU-Staaten überschüttet.
Die jährlichen Importe schnellten von 48 auf 2500 Tonnen in die Höhe, die heimische Milchproduktion sackte um 70 Prozent in den Keller, 600 000 Kleinbauern verarmten. Erst als Kenia 2002 die Importzölle für Milchpulver wieder auf 60 Prozent erhöhte, erholte sich die Milchwirtschaft. Heute bildet sie das Rückgrat der kenianischen Agrarökonomie.

Nun startet die EU den nächsten Versuch. Viele Zölle sollen entfallen. Die EU begründet dies damit, dass die WTO die bestehenden Regelungen für rechtswidrig hält. Das Ganze läuft unter der Bezeichnung ‘Partnerschaftsvereinbarung’.
Die EU subventioniert ihre Landwirtschaft, die dadurch entstehende Überproduktion muss Märkte haben. Das sollen dann die Entwicklungsländer sein, die mit den subventionierten Preisen nicht mithalten können.

Wenn jede europäische Kuh mit täglich zwei US-Dollar subventioniert werde, könne von Marktliberalisierung keine Rede sein. Künstlich verbilligtes Milchpulver und Rindfleisch drohten afrikanische Märkte zu überschwemmen. Das trifft bereits auf Hühnchenteile zu.

Früher hat man diese Länder zur Kolonie gemacht. Heute hat man subtilere Mittel, die im Ergebnis nicht anders wirken.
Warum ist Liberalisierung eigentlich immer nur für eine Seite gut??

Weitere Quellen und Informationen:
Von Milchbauern und Importzöllen Gespräche über nachhaltigen Handel
Wenn zwei sich streiten…