Nicht wissen was sie tun, aber trotzdem absahnen

Oek_Finanzen | wong it! 10.07.2008

‘Rating’ bedeutet auch ‘Bewertung’ und Ratingagenturen bewerten etwas, bewerten es, um Dritten eine Grundlage für ihr Handeln zu geben.
Die Dritten vertrauen auf die Ratingagenturen, weil sie dort mehr Fachwissen vermuten oder weil es für ihre Geschäfte hilfreich ist, wenn angeblich objektive Ratingagenturen, die Grundlage dieser Geschäfte bewerten.
Schöner Schein, wie man jetzt sieht. Ich wundere mich nicht. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC belegt es jetzt.

In dem 37seitigen Report der Börsenaufsicht finden sich Perlen der Erkenntnis darüber, wie die mächtigen Ratingagenturen ihre Arbeit machten, beziehungsweise nicht machten. “Ich konnte nur die Hälfte der Risiken des Geschäfts abschätzen”, notiert eine namenlose Analystin. Ein Kollege schreibt: “Wir haben überhaupt nicht die Ressourcen, um das zu tun, was wir tun”.

Es ist aber nicht nur eine Ressourcenfrage; es ist viel schlimmer.

Der Analyst misst der Arbeit der Ratingagenturen, seiner eigenen Arbeit, eine große Schuld an der Katastrophe zu, die er kommen sah: “Wir züchten hier das nächste Monster heran. Hoffentlich sind wir alle reich und in Pension, bevor dieses Kartenhaus zusammenbricht.”
“Selbst wenn dieses Produkt von Kühen konstruiert worden wäre: Wir würden es trotzdem bewerten.”

Wohl denen, die noch auf ein Tripple-A-Rating, auf eine A++ - Bewertung - oder was auch immer - vertrauen.

Bush, der Irak-Krieg und die Korruption der US-amerikanischen Gesellschaft

Oek_Korruption | wong it! 06.06.2008

Lotta Suter Kein Frieden mehr

Enron, der Lobbyist Abramoff kennzeichnen Stationen der Korruption während der Ära Bush. Das Verschwinden von gigantischen Milliardenbeträgen im Irak wirkt sich bis in die us-amerikanische Gesellschaft aus.

Die Art und Weise, wie von Seiten der Busch-Administration mit der Wahrheit und der unverhohlenen Interessenbedienung der Bush-Unterstützer umgegangen wurde, kann wohl mit Fug und Recht als mafiös bezeichnet werden. Lügen pflastern seinen Weg!, kann man in Anlehnung an einen Filmtitel sagen. Und diese Lügen haben auch zu Leichen geführt, wie im Film.

Lotta Suter beschreibt in ihrem Buch “Kein Frieden mehr Die USA im Kriegszustand”, welches in Kürze erscheint, welche Auswirkungen dies alles auf die us-amerikanische Gesellschaft hat. Auch wenn Kriege auf fremden Territorien geführt werden, wirken sie immer auch in die kriegführenden Länder zurück. Der Verlag schreibt dazu:

Der Aggressionskrieg im Nahen Osten hat die USA auch im Innern aggressiver und kriegerischer gemacht. Der Rechtlosigkeit im neuen Irak entspricht eine Zerrüttung des US-amerikanischen Rechtsstaates. Die Korruption beim Wiederaufbau reicht weit in die US-amerikanische Wirtschaft hinein. Und die Privatisierung dieses neuen Golfkrieges, in dem Söldner der boomenden Sicherheitsindustrie bereits zahlreicher sind als herkömmliche Soldaten, ermöglicht in den USA den Aufbau eines Katastrophenkapitalismus, der sich auf die Profitmaximierung in Kriegen und Krisen spezialisiert.

Die WOZ bringt einen Vorababdruck, der mit den Worten

Die Korruption im Irak ist also eine Fortsetzung der neoliberalen Wirtschaftspolitik. Sie bedient sich der gleichen radikalen Mittel, die schon von Enron und ähnlich aggressiv operierenden Firmen im Namen der New Economy angewendet worden sind.

endet. Auch damit wird sich Obama beschäftigen müssen, wenn er es bis ins Oval Office schafft. Dazu fällt mir der Augiasstall aus der griechischen Mythologie ein.

Energie muss bezahlbar bleiben - Stromkonzerne berechnen 800 Mio. zuviel!

Oek_Energie, Oek_Service | wong it! 05.04.2008

Der FDP-Vorsitzende Westerwelle brachte sich und seine Partei Ende März mit den Energiepreisen ins Gespräch. Bezahlbare Energie sei ein Grundbedürfnis - die Energiekosten seien der “Brotpreis des 21. Jahrhunderts”, sagte Westerwelle. Um die Preise zu senken, solle der Mehrwertsteuersatz auf 7 Prozent gesenkt werden.
Die vier grossen Stromanbieter Eon, RWE, EnBW und Vattenfall sollen den Verbrauchern 800 Mio. EUR zu viel für sogenannte Regel- und Ausgleichsenergie berechnet haben. Jetzt wurde von der Bundesnetzagentur deshalb ein Missbrauchsverfahren eingeleitet.

Natürlich sehen sich die grossen 4 unschuldig beschuldigt. In zwei Monaten soll der Entscheid bekannt gegeben werden.
Schön wäre es, wenn Herr Westerwelle und seine Partei jetzt auch mit Vehemenz den grossen 4 entgegen treten. Es geht der FDP ja um niedrigere Energiepreise, oder?

Quellen und weitere Informationen:
Womöglich 800 Millionen Euro zu viel berechnet
Westerwelle fordert niedrigere Mehrwertsteuer auf Energie