20 Jahre Lettre International Deutschland

Allgemein | wong it! 22.06.2008

Lettre International

Die internationale Kulturzeitschrift ‘Lettre International’ feiert die ersten 20 Jahre der deutschen Ausgabe mit einer opulenten Jubiläumsausgabe. 250 Seiten unter dem Titel ‘So leben wir jetzt’.

“So leben wir jetzt!” zeigt die Widersprüche. Mal werden sie analysiert, mal so hart nebeneinandergestellt, dass sie im Kopf des Lettre-Lesers aufeinanderprallen und kleine Explosionen der Erkenntnis bewirken. Lettre International lebt von der Idee der Wahrheit, zu der ja unablöslich die des Scheins gehört. Lettre International wirkt mal als ein scharfes Skalpell, das Sein und Schein von einander löst, mal als ein Rammbock, der die von der Propaganda errichteten Mauern zum Einsturz bringt.
(aus: fr-online)

Viermal im Jahr erscheint die deutsche Ausgabe von ‘Lettre International’ und bringt Reportagen, Hintergrundanalysen, Interviews, Essays, Literatur und Kunst. Aus unterschiedlichsten Blickwinkeln, aus allen Weltregionen äußern sich internationale Autoren zu den brennenden aber auch verborgenen Themen der Gesellschaft und Politik, zu Kunst, Philosophie und Wissenschaft. Die Hefte werden jeweils von einem Künstler exklusiv gestaltet. (Quelle: Lettre International)

Blog Parade: Grundsatzprogramm für eine Blogger-Partei

GvR_Bürgerengagement | wong it! 21.03.2008

Ab und an schaue ich mal bei Blog Parade rein. Sind oft sehr witzige Paraden dabei.
Diesmal habe ich eine gefunden, an der ich mich auch mal beteiligen möchte. redflog hat die Blogparade blog - die Blogger-Partei!’ gestartet.

blog - die Blogger-Partei!

Er regt an - nicht ganz ernst gemeint, wie er schreibt - eine Blogger-Partei zu gründen. Potentielle Parteimitglieder gibt es ja in Massen. Diese Partei könnte ja sogar weltweit agieren. Allerdings wäre die Zusammensetzung dieser Partei wahrscheinlich ähnlich heterogen wie die Blog-Welt und insoweit ist ein Parteiprogramm von besonderer Bedeutung.
redflog will das potentielle Parteiprogramm nicht selbst schreiben - einmal, weil er zu faul ist und zum anderen weil er nicht allein die Partei darstellen und ausrichten will. Klingt schon mal gut - das mit der Faulheit kann ich nachvollziehen und die Partei nicht allein darstellen und ausrichten passt auch. Alleindarsteller gibt es bereits in ausreichender Zahl!
Sein Wunsch:

schreibt doch einfach in eurem blog einen beitrag, in welchem ihr eine forderung stellt und darlegt, warum ihr dies fordert. setzt in dem beitrag einen trackback auf diesen beitrag hier, und schon wird eure forderung in unser grundsatzprogramm aufgenommen! dabei ist es mir ziemlich egal was ihr fordert, solange die forderung demokratisch und nicht minderheiten- oder fremdenfeindlich ist.

Da fallen mir auf Anhieb sehr viele Forderungen ein und die Qual der Wahl - es ist eine Forderung gefordert - ist mal wieder da.

Meine Auswahl ergibt folgenden Beitrag für das potentielle Parteiprogramm:

Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs dahingehend, dass nur in Ausnahmefällen die Benutzung eines PKW erforderlich ist, der dann über einen Car-Pool zur Verfügung gestellt wird. In diesen Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs soll der Flugverkehr nicht einbezogen werden.

Dies sehe ich deshalb als sinnvolle Forderung an, weil durch den Individualverkehr (per PKW, Flugzeug) die Lebensqualität aller Menschen dauerhaft negativ beeinträchtigt wird und die Auswirkungen durch Lärm, Abgase, Ressourcenverbrauch, in keinem auch nur ansatzweise ‘vernünftigen’ Verhältnis zum Nutzen stehen.
Zu diesem Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs zähle ich auch eine Förderung des Individualverkehrs auf Basis von Fahrradbenutzung.

Bis zum 24. April 2008 hat jeder Blogger die Möglichkeit, genau eine Forderung für das Programm beizusteuern. Am 01. Mai 2008 (ich nehme an, dieses Datum wurde nicht ohne Hintergedanken gewählt?) wird der Parade-Initiator das Grundsatzprogramm auf Basis unserer Beiträge veröffentlichen - ich bin gespannt!

China prozessiert munter weiter gegen Bürgerrechtler

GvR_Bürgerengagement | wong it! 18.03.2008

Ob in Tibet oder in Peking - das chinesische Regime lässt sich durch internationale Proteste nicht beirren. In Tibet werden Demonstranten erschossen oder niedergeknüppelt, in Peking wird gegen den Bürgerrechtler Hu Jia der Prozess eröffent.

Wie sein Anwalt Li Fangping heute mitteilte, werden Hu Jia sechs Artikel und zwei Radiointerviews mit ausländischen Medien zur Last gelegt, in denen er sich kritisch über das politische System in China und den Umgang der Führungskräfte mit der Macht geäußert habe. Offiziell wird der 34-Jährige des “Aufrufs zur Untergrabung der Staatsgewalt” bezichtigt. Der Anwalt rechnet frühestens für die kommende Woche mit der Urteilsverkündung. Hu Jia drohten demnach bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Kommt mir sehr bekannt vor. In den früheren Ostblockstaaten waren dies gängige ‘Gummibeschuldigungen’.
Was sagt der Olympische Geist dazu? Auch in Europa wird über einen möglichen Olympiaboykott diskutiert, aber das werden wohl nur verbale Aktionen bleiben.
Die Mitgleider des IOC können noch ruhig schlafen?

Weitere Quellen und Informationen
Hus Anwalt unter Hausarrest. Ausländische Journalisten bei Berichterstattung behindert
Menschenrechtler Hu Jia wegen „Anstiftung zum Umsturz“ angeklagt
Hu Jia darf besucht werden / Überwachung verschärft

Mixtura N° 8

Mixtura | wong it! 09.03.2008

Waterboarding : Bush stoppt Anti-Folter-Gesetz

Bush argumentiert, die Vorgaben des Anti-Folter-Gesetzes würden die Hände des Auslandsgeheimdienstes CIA im Kampf gegen “abgehärtete Terroristen” binden. Das vom US-Kongress verabschiedete Gesetz “würde alle alternativen Methoden ausschließen, die wir im Kampf gegen die gefährlichsten und gewalttätigsten Terroristen in der Welt entwickelt haben”, meinte in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache.

Der Senat und das Repräsentantenhaus hatte den Anti-Folter-Gesetzentwurf mit einfachen Mehrheiten verabschiedet. Die USA nehmen für sich in Anspruch, die Bewahrer von Demokratie und Menschenrechten auf der Welt zu sein. Ihr Präsident sieht das anders. Hoffen wir, das der neue Präsident das Anti-Folter-Gesetz genehmigt.

China: Regimekritiker werden einfach weggesperrt

Die Olympischen Spiele in fünf Monaten sollen das Bild von einem modernen China in die Welt tragen. Nichts soll die schöne Fassade trüben. Missliebige Regimekritiker werden einfach weggesperrt. Selbst ihre Frauen unterliegen ständiger Kontrolle der Staatssicherheit. Die Hoffnung, dass sich das Land auch für Kritik öffnet, hat sich bislang nicht erfüllt.

Noch eine Großmacht, die hinsichtlich Demokratie und Menschenrechten ihren ‘eigenen’ Weg geht. Dies ist seit langem bekannt. Die Olympischen Spiele hat man China trotzdem zugesprochen. Auch die Todesstrafe wird in China weiter vollstreckt.

Kanzlerin Merkel: “Medwedjew stehen alle Türen offen”

Trotz einiger Meinungsverschiedenheiten will Bundeskanzlerin Angela Merkel auch mit dem künftigen russischen Präsidenten Dimitri Medwedjew eng zusammenarbeiten. “Ich denke, dass es eine gute Zusammenarbeit auch mit dem neuen Präsidenten geben wird”, sagte Merkel in Moskau nach einer Begegnung mit dem amtierenden Präsidenten Wladimir Putin. Medwedjew stünden in Deutschland “alle Türen offen”. “Wir wollen Kooperation, pflegen, aber auch den offenen und kritischen Dialog.” Merkel hatte in einer einstündigen Begegnung mit Putin eine positive Bilanz der gemeinsamen Arbeit in den vergangenen zweieinhalb Jahren gezogen.

Auch die dritte Großmacht geht ihren eigenen Weg. Das es in Russland eine ‘Demokratie nach eigenem Stil’ gibt, hat man weltweit akzeptiert. Und falls nicht, wird der Gashahn zugedreht. Wie sagte Bertolt Brecht: ‘Erst kommt das Fressen, dann die Moral!’

Sentenz zum Tage
Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.
(Laotse)

Mixtura N° 7

Mixtura | wong it! 02.03.2008

Diesmal 3 Fundstellen aus der schweizerischen WOZ Die Wochenzeitung

Schweiz und Klimaschutz - 400 Liter pro Mensch
Eine Studie der ETH hat gezeigt: 75 Prozent der SchweizerInnen sind der Meinung, «das Auto belaste die Umwelt stark». Wenn sie aber ein neues Auto kaufen, interessiert sie der Verbrauch nicht - wichtig sind Grösse, Marke, Design. Vernünftig denkende Menschen können unvernünftig handeln. Und wohlhabende Menschen sind preisresistent. Als Ende der neunziger Jahre das CO2-Gesetz beraten wurde, bestand Hoffnung, es würde weniger gefahren, wenn das Benzin 50 Rappen mehr kostet. Damals zahlte man für den Liter etwa 1 Franken. Heute kostet der Liter 1,74 Franken - die Leute fahren mehr, die Autos werden grösser, schwerer, durstiger. Zwar wird über den hohen Benzinpreis geklagt, aber das Benzin ist billiger als vor dem ersten Ölpreisschock von 1973: Müsste man heute teuerungsbereinigt denselben Preis bezahlen wie damals, kostete der Liter 2,18 Franken.
(Zitat und kompletter Artikel siehe: WOZ)
Dieser Text gilt analog wohl auch für Deutschland!

Tellerwäscher ohne Obdach
Die Immobilienkrise machte Millionen Familien obdachlos. Jetzt wird mit Notdarlehen das grosse Geschäft gemacht. Die Zinsen sind enorm. Die Verschuldungsspirale dreht sich immer schneller.
Das geborgte Leben ist in den USA die normalste Sache der Welt. Amerikaner­Innen erstehen alles auf Kredit: das Haus, das Auto, das Studium, die Hochzeit und die Scheidung, Essen und Kleidung, ja sogar die Arztrechnung und die Bestattungskosten werden so bezahlt. Das Realeinkommen ist bloss ein Budgetfaktor unter anderen. Daneben belehnen die meisten mit unverwüstlichem Optimismus das Potenzial der Zukunft.
(Zitat und kompletter Artikel siehe: WOZ

Ein Blick zurück auf Heiligendamm
Der G8-Gipfel von letztem Sommer im ostdeutschen Heiligendamm war ein Gipfel der Superlative. Dem grössten Polizeiaufgebot in der Geschichte der BRD standen Zehntausende DemonstrantInnen gegenüber, die sich auch vom hochgerüsteten Sicherheitsapparat nicht daran hindern liessen, ihren Protest kundzutun.
Jetzt sind zwei Bücher erschienen, die Protest und Polizeieinsatz dokumentieren und analysieren:
Gewaltbereite Politik und der G8-Gipfel
und
Feindbild ­Demonstrant
Dieses Buch vom Republikanischer Anwältinnen- u. Anwälteverein und Legal Team ist von weitergehender Bedeutung: So ziemlich jeder grundrechtsrelevante Gerichtsentscheid der letzten Jahre lässt sich hier nachlesen.
(Zitat und kompletter Artikel siehe: WOZ

Sentenz zum Tag
Manche Menschen würden eher sterben als nachdenken. Und sie tun es auch.
(Bertrand Russel)

Klaus Staeck ist 70!

Allgemein | wong it! 01.03.2008

Es ist zwar schon zwei Tage her, aber trotzdem muß ich auf darauf eingehen. Klaus Staeck hatte am 28. Februar seinen siebzigsten Geburtstag! Nachträglich die besten Wünsche!

Klaus Staeck Plakate

Er hat mich mit seinen Plakaten und Postkarten seit den Sechziger Jahren begleitet. In der Tradition von John Heartfield hat er mit seinen Plakaten und Postkarten Bild und Wort in einer Weise verbunden, die kurz und knapp die Sache auf dem Punkt brachte. Immer wieder sehenswert!
Fast jedes Plakat ist polemisch und provoziert, bringt aber immer ein aha-Erlebnis und ersetzt lange Erklärungen.

Auch mit 70 hat er sich nicht zur Ruhe gesetzt und ist unterwegs in Sachen Kunst und Politik. Für die Frankfurter Rundschau schreibt er Kolumnen.

Weiterhin alles Gute und Schaffenskraft!

Quellen und weitere Informationen:
Klaus Staeck - Unterwegs in Sachen Kunst und Politik
EDITION STAECK Postkarten, Plakate, Bücher, Objekte von Klaus Staeck und vielen anderen Künstlern
Aktion für mehr Demokratie von Klaus Staeck und Johano Strasser
Klaus Staeck bei WIKIPEDIA

China verliert die vorolympischen Spiele

GvR_Sport | wong it! 14.02.2008

Die Entscheidung, die olympischen Sommerspiele 2008 nach China zu vergeben, war eine Fehlentscheidung. Das ist nichts Neues, zeigt sich aber immer wieder. Und je näher diese olympischen Spiele rücken, desto mehr wird dies deutlich.
Dies bemerkt jetzt(!) auch Steven Spielberg, der sich als für diese olympischen Spiele als künstlerischer Berater zur Verfügung gestellt hatte. Er tritt aus Protest gegen die Sudan-Politik Pekings als künstlerischer Berater für die Olympischen Spiele zurück. Wenn auch spät, so doch besser, als weiter zu machen. Dazu hätte es aber nicht der Unterstützung des Sudan durch China bedurft. Anlässe für einen Rücktritt gibt es auch in China!

Gold fuer Menschenrechte

Einer der vielen Fälle, in denen China hart gegen Menschenrechtler vorgeht, ist Hu Jia. Die Berichterstattung über seine Lage wird massiv behindert. Auch seine Familie wird unter Druck gesetzt. Hu Jia wurde am 28. Januar 2008 des “Schürens der Subversion“ angeklagt.

Ihm wird weiter der Kontakt zu Anwälten und Familienangehörigen sowie die medizinische Behandlung verweigert. Er erhält auch keine Medikamente für die täglich notwendige Behandlung seiner Hepatitis B. Zeng Jinyan, die Frau von Hu Jia, steht weiter mit ihrem Säugling unter Hausarrest. Sie darf das Haus nicht verlassen und sowohl ihre Telefonleitung als auch die Internetverbindung sind unterbrochen worden.

Amnesty International hat eine Kampagne für seine Freilassung gestartet.
Der Geist der Olympischen Spiele wird in China verhöhnt und daran wird sich auch bis zu den olympischen Spielen im Sommer nichts ändern. Es wird ein wenig an der Fassade verbessert, aber dahinter steckt das alte Regime.

Die olympischen Spiele 1980 in Moskau wurden von 64 Staaten boykottiert.
Jetzt hört man nichts, was auf eine ähnliche Aktion hindeutet. Anlass dazu gäbe es auch diesmal!

Well done, Peter Struck!

Allgemein | wong it! 12.01.2008

Vor garnicht allzulanger Zeit gab es Politiker, die ihre Meinung auch geäussert haben, auch wenn dies nicht immer ‘political correct’ war; Herbert Wehner gehörte dazu, auch F.J. Strauß. Die Meinung musste man nicht immer teilen, aber es war klar, was der Politiker meinte.
SPD-Fraktionschef Peter Struck ist auch in diese inzwischen selten gewordene Kategorie einzureihen. Er sagt zur Kampagne des Hessischen Ministerpräsidenten Koch:

der sei froh über die U-Bahn-Attacke von ausländischen Jugendlichen auf einen Rentner, weil diese ihm eine Vorlage für das Wahlkampfthema Ausländerkriminalität geliefert habe.

Diese Einschätzung teile ich; auch glaube ich, dass diese Einschätzung in den Reihen der CDU geteilt wird. Offiziell muss dagegen natürlich protestiert werden.
Koch verlangt eine Entschuldigung und populiert weiter:

Koch wies die Kritik zurück, sein Wahlkampf sei ausländerfeindlich. “Ich empfinde es als meine Aufgabe, für die Opfer krimineller Gewalt zu sprechen und für viele, die sich bedrängt und bedroht fühlen”, sagte er. “Im übrigen sind die türkischen Vertreter meiner Ansicht nach gut beraten, keine türkische nationale Stimmung zu machen, sondern sich als Bürger wie du und ich um die Sicherheit in unserem Land kümmern. Das ist unsere gemeinsame Aufgabe.”

Wie Roland Koch diese ‘gemeinsame Aufgabe’ löst, zeigt ein Interview mit dem Vorsitzenden des Hessischen Richterbundes.

Zu Roland Koch siehe auch hier:
Roland Koch kocht sein Süppchen auch diesmal
(Mit weiteren Quellen)