Ernährungssouveränität - für die Schweiz und auch für uns?

Oek_Ernährung, Oek_Handel, Oek_Konsum | wong it! 14.06.2008

Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Streik der Milchbauern, Ernährungskrise - neben den Energiepreissteigerungen die Schlagwörter der letzten Wochen.

Ein Lösungsansatz wäre, auch für die europäischen Länder, das Konzept ‘Ernährungssouveränität’.
Entwickelt von der internationalen KleinbäuerInnenorganisation Via Campesina für die Länder des Südens und 1996 der Welternährungsorganisation (FAO) vorgelegt, kann es auch für uns sinnvoll sein.

Einwände gegen die Anwendung des Konzeptes der Ernährungssouveränität auf die Schweiz und die entsprechenden Gegenargumente hat der Ethiker Thomas Gröbly in einem Artikel in der WOZ beschrieben. Was er dort für die Schweiz ausführt, kann auch für Deutschland gelten.
Beispielhaft sei hier ein Einwand mit Gegenargumentation aufgeführt:

Einwand 4: In einer globalisierten Welt ist die Orientierung an der Selbstversorgung unsinnig.

Warum soll man eigene teure Lebensmittel anbauen, wenn diese auf dem Weltmarkt billig erhältlich sind? Warum soll die Schweiz überhaupt eine Landwirtschaft betreiben? Einige Argumente sprechen für den Erhalt der lokalen Selbstversorgung. Wir wissen nicht, wie lange wir im Ausland zu (billigen) Lebensmitteln kommen. Spätestens wenn die Erdölpreise und in diesem Zusammenhang alle Transporte teurer werden, ist Schluss mit billig. Zudem geht ohne BäuerInnen wichtiges bäuerliches Handwerk und Wissen, auf das wir existenziell angewiesen sein werden, verloren. Weiter wären alle multifunktionalen Leistungen der Landwirtschaft - wie die Landschaftspflege - anders und wohl teurer zu erbringen. Die Priorität der Selbstversorgung ist nicht nur ökologisch gefordert, sondern erhöht die soziale Sicherheit und die Autonomie der Menschen in einem Land.

Weitere Einwände gegen Ernährungssouveränität, die Gröbly behandelt, sind:
Einwand 1: Ernährungssouveränität ist ein Konzept für arme Länder und nicht für die reiche Schweiz. Es ist ungerecht, den globalen Süden gegenüber den Märkten des Nordens auszugrenzen.
Einwand 2: Ernährungssouveränität verhindert die positiven Effekte des Wettbewerbs.
Einwand 3: Ernährungssouveränität widerspricht dem Prinzip des freien Marktes.
Einwand 5: Überleben kann nur eine hochproduktive industrielle Landwirtschaft. Ernährungssouveränität verhindert den notwendigen Strukturwandel.
Einwand 6: Die Ernährungssouveränität verhindert die Sicherung der Welternährung, denn diese kann nur mit industrieller Landwirtschaft garantiert werden. Das Konzept verbaut globale Lösungsansätze.
Einwand 7: Ernährungssouveränität verbaut globale Lösungsansätze.
Einwand 8: Ernährungssouveränität fördert den Nationalismus.

Lesens- und Nachdenkenswert.

Ökolandbau als Schuldiger für Lebensmittelkrise identifiziert

Oek_Ernährung, Oek_Klima | wong it! 11.05.2008

Ab und an lese ich an Wochenenden mal die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. So auch am 27.04.08. Urlaub lag vor mir und somit auch Zeit, die umfangreiche Zeitung genauer zu lesen.
Auf der Seite ‘Meinung’ blieb mein Blick an der Meinungsäusserung von Winand von Petersdorff mit dem Titel ‘Albtraum Ökolandbau’ hängen. Und da finden sich einige bemerkenswerte Sätze zur Lösung der Lebensmittelkrise (um die es inzwischen in den Medien schon wieder merklich ruhiger geworden ist - oder täusche ich mich?).

Bei der Lösung wird man auf die langweiligen klassischen Disziplinen der Landwirtschaft zurückgreifen müssen: Ertragssteigerung durch Kunstdünger, Einsatz von Pestiziden und Insektiziden, Bewässerung und Züchtung starker Getreidesorten. Beschleunigt werden muss der Prozess durch gentechnische Methoden.

Da scheint Einiges spurlos an Herrn von Petersdorff vorüber gegangen zu sein. Aber es kommt noch besser.

Das Lieblingsagrarmodell des deutschen Großbürgertums, den Ökolandbau, praktizieren die Kleinbauern in den Subsahara-Ländern übrigens schon lange und verhungern damit. Sie praktizieren ihn nicht freiwillig, sondern zwangsläufig. Denn es fehlt an Saatgut, Kunstdünger und Wissen, um es besser zu machen.

Herr von Petersdorff ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Er sollte eigentlich wissen, wie Kunstdünger, Pestizide und Insektizide zu bewerten sind. Aber möglicherweise kauft er die Lebensmittel für seine Familie ja im Bioladen?
Den Ökolandbau als ‘Lieblingsagrarmodell des deutschen Großbürgertums’ zu bezeichnen, ist mindestens realitätsfremd. Der Verweis auf die Kleinbauern in der Subsahara ist zynisch und die damit beabsichtigte Diskreditierung des Ökolandbaus, schlägt auf den Verwender dieses Verweises zurück.

Genmanipulierte Pflanzen widerstehen jahrzehntelang

Oek_Ernährung | wong it! 07.04.2008

Die Profiteure der Gentechnik werden nicht müde, die Harmlosigkeit der Gentechnik zu propagieren. Die Praxis straft sie aber Lügen - genmanipulierte Pflanzen lassen sich nicht wie gewünscht beherrschen.

Forscher des Swedish Board of Agriculture berichten im Wissenschaftsmagazin Biology Letters, dass Gen-Raps unberechenbar ist - zehn Jahre nach der ersten Aussaat sind solche veränderten Pflanzen noch auf einem Acker nachweisbar gewesen.
Trotz grosser Sorgfalt gelang es nicht, die Pflanzen von dem Versuchsacker zu entfernen.

2005 sammelten die schwedischen Wissenschaftler auf dem Versuchsacker 38 Rapspflanzen und behandelten sie mit dem Herbizid Glufosinat. Eigentlich hätten alle eingehen müssen. Doch 15 überlebten das Gift. Weitere Analysen wiesen die Giftresistenz in den Genen nach. Naturschützer mahnen seit langem, dass die Langzeitwirkungen und das Verhalten von Gen-Pflanzen viel zu wenig untersucht seien.

Einer der grössten Verfechter und Profiteur der Gentechnik ist der Monsanto-Konzern, der jetzt eine Niederlage in einem Prozess gegen einen Gentechnikgegner hinnehmen musste. Berufsimker und Gentechnikgegner Michael Grolm will den Genmais in Europa stoppen; das Gericht wies die Klage des Konzerns zu neun Zehntel ab.

Das Protest auch etwas bewirkt, zeigt das Beispiel in der Region Niedermöllrich.

Die geballte Ablehnung der Bürgerinnen und Bürger, des überparteilichen Aktionsbündnisses gegen Gentechnik hat dazu geführt, dass der US-Agrarmulti Monsanto zum ersten Mal in Deutschland einen Rückzieher von seinen Plänen machen musste. Der Konzern hat angekündigt, sich von seinem Standort in der Region Niedermöllrich zurückzuziehen und dort keine Versuche mit Gentech-Mais durchzuführen.

Quellen und weitere Informationen:
Zähes Kraut: Genmanipulierte Pflanzen sind selbst zehn Jahre nach ihrer Aussaat noch nachweisbar
Monsantos Klage gegen Gentechnikgegner zu neun Zehnteln abgewiesen
Informationsdienst Gentechnik
Monsanto gibt Anbau von Gen-Mais in Niedermöllrich auf!
Gentech: Neues vom ‘Golden Rice’

Bantam-Aktion gegen Genmais

Bantam-Aktion gegen Genmais ruft auf:

Wo Bantam steht wächst keine Gentechnik. Deshalb wollen wir den Anbau von samenfesten Maissorten in ganz Deutschland fördern und zu einer Tradition machen, an der auch das neue Gentechnikgesetz und seine Verordnungen sich orientieren müssen.

Wer gentechnikfreien Maissorten wie den “Golden Bantam” anbaut

* muß über den Anbau von Gentechnikmais in seiner Nachbarschaft genau informiert werden

* muß vor gentechnisch verändertem Pollen geschützt werden, besonders dann, wenn aus der Ernte neues Saatgut gewonnen und vermehrt werden soll

Machen auch Sie Ihren Garten zur gentechnikfreien Zone, die wir gemeinsam verteidigen. Machen Sie mit bei unserem “Zwergenaufstand”, mit dem wir die “Gentechnik-Riesen” das Fürchten lehren. Genießen Sie im Herbst den maissig-süßen Geschmack von “Golden Bantam”. Vermehren und empfehlen Sie ihn weiter.

Die Alb-Linse kehrt heim - ein interessanter Lebenslauf

Oek_Ernährung, Oek_Konsum | wong it! 04.02.2008

Die Alb-Linse

Nach der Rückkehr aus einem Kurzurlaub in der Pfalz fand ich das Februar-Heft des Slow Food Magazin im Briefkasten. Immer wieder sehr informativ, ist diesmal ein in mehrfacher Hinsicht interessanter Artikel über die Alb-Linse enthalten.

Wer im Schwäbischen schon mal unterwegs war, kennt das Gericht Linsen mit Spätzle; klingt vielleicht etwas exotisch, ist aber sehr lecker! Alb-Linsen wurden auf der Schwäbischen Alb bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts angebaut. Niedrige Erträge und der große Arbeitsaufwand bei Ernte und Reinigung waren Ursachen für das völlige Verschwinden dieser uralten Nahrungspflanze in ganz Deutschland; die Linse ist halt nicht geeignet für den industriellen Anbau.
Da auch kein Saatgut der uralten Sorten mehr aufzutreiben war, began der Biolandhof Mammel und die Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ im Jahre 1985 auf der Basis einer französischen Du Puy Linse, wieder Linsen auf der Schwäbischen Alb anzubauen. Soweit, so gut. Hier könnte die Geschichte enden.

Ende 2006 wurde dann aber im St. Petersburger Wawilow-Institut Saatgut der verschollenen Alb-Linsen gefunden. Klaus Lang, Sammler seltener Nutzpflanzen, entdeckte das Saatgut in der drittgrössten Genbank der Welt. Wie viele andere wissenschaftliche Institutionen kämpft auch das Wawilow-Institut mit allerlei Schwierigkeiten nach dem Zusammenbruch des Sowjet-Systems.
Inzwischen hat die Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ Samen der alten Sorten vom Wawilow-Institut erhalten. In drei bis vier Jahren soll eine nennenswerte Erntemenge zur Verfügung stehen. In einem alterwürdigen Institut in der Sowjetunion überlebte das Saatgut und fand jetzt wieder zurück in das alte Anbaugebiet. Ausgestorben geglaubt, kann die Alb-Linse wieder ‘zum Leben erweckt’ werden. Die Vielfalt des Speisezettels hat über politische Grenzen hinweg eine weitere Aufbesserung erfahren!

Interessant ist darüber hinaus aber auch die Geschichte des Instituts bzw. seines Gründers. Auf 56 Reisen durch die Welt hat der Biologe und Genetiker Nikolai Iwanowitsch Wawilow Anfang des vergangenen Jahrhunderts den Grundbestand des Instituts zusammengetragen. 1940 fiel er unter Stalin in Ungnade, wurde inhaftiert und starb drei Jahre später im Gefängnis. Der Wahnsinn eines Diktators macht auch nicht vor einem Biologen halt.

Im vergangenen Jahrhundert vermeintlich ausgestorben, hat die Alb-Linse wieder in ihre Heimat zurückgefunden und ihren Weg habe ich mit Interesse nachgelesen. Geschichte ist eng verknüpft mit dieser unscheinbaren Frucht. Sie wurde jetzt in die Arche des Geschmacks aufgenommen, um sie dauerhaft zu erhalten. Dafür braucht es keine Genmanipulaton!

Grossbritannien erlaubt Züchtung von Chimären

GvR_Ethik, Oek_Ethik | wong it! 17.01.2008

Der Wahnsinn geht weiter! In Grossbritannien wurde jetzt Wissenschaftlern erlaubt, künftig zu Forschungszwecken Embryonen aus einer Kombination von menschlichem Erbgut und Eizellen von Kühen und anderen Tieren züchten. Natürlich nur zu Forschungszwecken und nur, um Erkenntnisse für die Heilung von menschlichen Krankheiten zu gewinnen.

Mir sträuben sich die Haare, wenn ich solche Meldungen lese. Auch wenn die so gezüchteten Embryonen nach britischen Gesetzen nach maximal 14 Tagen zerstört werden müssen, beruhigt mich das überhaupt nicht. Wir wissen, wie sich so etwas entwickelt. Schleichend verschiebt sich die Grenze, bis dann keine Grenze mehr existiert.
Minister Seehofer sagt in der Debatte zur Freigabe von Klonfleisch als Lebensmittel:

Dies sei “ein typisches Beispiel dafür, dass die Gesellschaft nicht alles, was technisch möglich ist, auch praktisch machen darf und kann”.

Um wieviel mehr trifft dies für das Vorhaben zu, Chimären in die Welt zu setzen!
In einer anderen Meldung lese ich:

Erstmals ist es Forschern gelungen, einen menschlichen Embryo aus einer erwachsenen Zelle zu klonen. Bisher war dies nur aus embryonalen Stammzellen möglich.

Der Wahnsinn geht weiter. Damals, als Genmanipulation startete, wurden die Kritiker auch beschwichtigt: nur für Forschngszwecke und nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen! Jetzt wird genmanipulierter Mais im Freien angepflanzt. Sicherheitsabstände sollen der Problemlöser sein. Fleisch von geklonten Tieren kommt in die Lebensmittelkette, obwohl niemand genau die Auswirkungen kennt.
Warum schützt uns niemand vor diesem Grössenwahn?

Wieder zwei Gründe mehr, kein Fleisch zu essen

Oek_Ernährung, Oek_Konsum | wong it! 16.01.2008

by pixelio

Wenn es irgendwie geht, vermeide ich es, Fleisch zu essen. Militanter ‘Fleischverweigerer’ bin ich allerdings nicht. Ich tue meine Meinung dazu kund, wenn in vernünftiger Art und Weise diskutiert wird, aber ich will niemanden meine Meinung aufzwingen. Umgekehrt gilt gleiches.
Wer Fleisch essen möchte, soll dies tun. Nach den Fleischskandalen der letzten Jahre und den verfügbaren Informationen über Fleisch, kann sich im Grunde jeder ausreichend informieren. Auch darüber, wo Fleisch erhältlich ist, dessen Verzehr unbedenklich ist.

Für mich gibt es jetzt zwei zusätzliche Gründe, kein Fleisch zu essen. Das ist einmal der Gesetzentwurf über die Kennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel und die Meldung, dass die US-Lebensmittelaufsicht die Freigabe für Klonfleisch erteilt.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Lebensmittel auch dann als “gentechnikfrei” gelten, wenn sie mit Hilfe bestimmter genveränderter Zusatzstoffe hergestellt werden. Das bedeutet: wurde die Kuh mit Genmais gefüttert, wäre sie trotzdem ‘gentechnikfrei’. Das ist für mich nicht akzeptabel. Das mag übervorsichtig sein, aber niemand kann heute mit Sicherheit sagen, dass derart ernährte Tiere wirklich Fleisch liefern, welches unbedenklich verzehrt werden kann. Ausserdem ist ausreichend gentechnikfreier Mais vorhanden.

Auf andere Art und Weise ähnlich ist es mit dem Fleisch oder der Milch geklonter Tiere. Es ist zwar nicht damit zu rechnen, dass kurzfristig Fleisch oder Milch von diesen Tieren in den Verkauf kommt, aber auch hier gilt: Wehret den Anfängen! Klongegener sagen:

“Wenn man diese Superkerne in leere Eizellen packt, ist es eben nicht so, dass die eingebaute Zellkern-Kopie das Kommando übernimmt. Stattdessen gibt es sehr wohl Reaktionen zwischen Kern und verblieben Resten der Eizelle. Sie kommunizieren wie in jedem Ökosystem miteinander. Die Naivität in der Klontechnologie lag in der Annahme, alles spiele sich allein im Kern ab.”

Diese Bedenken sind nach wie vor nicht ausgeräumt und im Grunde ist nicht einsehbar, warum Tiere für den Verzehr geklont werden müssen. Durch natürliche Vermehrung (worunter ich auch künstliche Besamung zähle) ist ausreichend Schlachtvieh zu züchten.

Andrew Kimbrell vom “Center for Food Safety” warnt: “Genfleisch bringt dem Verbraucher keinerlei Vorteile. Nur einige Biotech-Firmen könnten ihre Tiere effektiver produzieren. Aber warum eigentlich sollte die Bevölkerung als Meerschweinchen für eine gescheiterte Technologie dienen?”

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Update 17.01.2008:
Seehofer stellt sich gegen Klonfleisch
Minister Seehofer ist dagegen, Klonfleisch in die Lebensmittelkette zu bringen. Dies sei “ein typisches Beispiel dafür, dass die Gesellschaft nicht alles, was technisch möglich ist, auch praktisch machen darf und kann”.
Richtig! Das gilt aber auch für Genmais, Herr Seehofer!

Hierzu siehe auch:
Gentech: Neues vom ‘Golden Rice’

Update 23.01.2008:
Der Bundestags-Agrarausschuss gab heute grünes Licht für das Gentechnik-Gesetz.

“Ich kann den Verbrauchern sagen, dass wir das Menschenmögliche getan haben an Vorsorge”, sagte Seehofer in Berlin.

Reicht das??

Gentech: Neues vom ‘Golden Rice’

Oek_Ernährung | wong it! 25.11.2007

Golden Rice: Die genetische Veränderung von Nahrungsmittelpflanzen (Gentech-Pflanzen) wird als Retter der Menschheit propagiert. Ohne Genmanipulation von Nahrungsmittelpflanzen werden wir über kurz oder lang nicht mehr in der Lage sein, die Nahrungsversorgung zu gewährleisten bzw. die Menschen schon heute nicht ausreichend und gesund ernähren können. Dies wird zumindest von den Befürwortern der Gentechnik behauptet. Neben der Klimaveränderung und der Wasser- und Energieverknappung eines der brennendsten Themen zur Zeit weltweit.

by pixelio

‘Golden Rice’ bekommt seine Farbe(?) von zwei eingefügten Genen der Osterglocke. In Verbindung mit einem weiteren Gen eines Bakteriums wird der so veränderte Reis in die Lage versetzt, Beta-Carotin zu bilden. Ziel ist die bessere Versorgung der Konsumenten mit Vitamin A.
Dies wurde aber bisher kritisch bewertet; die Ergebnisse waren nicht so, dass von der Erreichung dieses Ziels gesprochen werden konnte. Ziel der Züchtung war eigentlich nicht Beta-Carotin; dies ergab sich im Grunde ungewollt, was auch die Gefahren andeutet, die in der Gentechnik enthalten sind.
Die NZZ berichtet jetzt von einer Studie, nach der das Ziel aber jetzt in greifbarer Nähe sein soll. 5 bis 6 Mikrogramm Carotin pro Gramm Reis sollen erzielt worden sein, was für eine Vitamin A-Versorgung ausreichen soll (die Studie selbst ist noch nicht veröffentlicht). An und für sich eine gute Sache - aber muss es, um dieses Ziel zu erreichen, unbedingt einen gentechnischen Eingriff geben? Gibt es nicht auch ohne ‘Golden Rice’ Möglichkeiten einer ausreichenden Vitamin A-Versorgung? Natürlich gibt es sie, denn die Natur hat wunderbarerweise Pflanzen geschaffen, die dies ermöglichen. Und auch durch normale Pflanzenzüchtung könnte der Vitamin A-Gehalt von Pflanzen erhöht werden. Die Gefahren der gentechnischen Veränderung des Reis können so vermieden werden.

Die gentechnische Veränderung der Pflanzen birgt aus meiner Sicht vielfältige Gefahren und ermöglicht Saatgutkonzernen Monopole.

Den Eingriff in uns bisher nur ansatzweise verständliche ‘Programmierungen’ der Natur halte ich für unverantwortlich. Die Wirkmechanismen erahnen wir oft nur und wie das Beispiel des ‘Golden Rice’ zeigt, werden die Forscher vom Ergebnis überrascht.
Beispiele hinken ja bekanntlich immer, aber verdeutlichen Grunsätzliches. Nehmen wir mal folgendes Beispiel: Was würde geschehen, wenn ein Programmierer ein Stück Programmcode in ein komplexes Programm, welches er nicht 100 prozentig versteht, einfügt? Welche Wirkungen können in dem Programm, in das das Stück Code eingefügt wird, entstehen? Das lässt sich ggf. testen, aber Tests zeigen ja leider keine Fehlerfreiheit an, wie man weiss. Wenn dieses Programm aber mit anderen Programmen interagiert (die in ihrer Wirkung nur ansatzweise verstanden sind) - lässt sich dann überhaupt noch eine halbwegs verlässliche Aussage über die ‘Ungefährlichkeit’ des Stückchens Programmcode an dieser Stelle machen? Was ist, wenn das eingefügte Stück Programmcode in den anderen Programmen Änderungen bewirken kann, der Programmierer dies aber nicht abschätzen kann? Soll dieser Programmierer
dann trotzdem das Stück Programmcode einfügen und den Dingen ihren Lauf lassen?

Wenn es, wie oben angeführt, andere Möglichkeiten gibt, die beabsichtigte Wirkung auch ohne gentechnische Manipulation zu erzielen, dann ist eine trotzdem durchgeführte gentechnische Manipulation mit anderen Beweggründen verbunden. Im vorliegenden Fall will die Firma Syngenta an dem Patent für ‘Golden Rice’ verdienen. Ein Monopol schafft da die besten Möglichkeiten. Dagegen muss angekämpft werden, so wie es die diesjährigen Träger des alternativen Nobelpreises, Percy und Louise Schmeiser, gegen Monsanto getan haben.

Wenn es um die Menge des Ertrages von Nahrungsmittelpflanzen geht, benötigt man meiner Ansicht nach - abgesehen von den vorstehenden grundsätzlichen Erwägungen - mindest solange keine gentechnisch veränderten Pflanzen, wie man sich erlaubt, landwirtschaftliche Nutzflächen für den Anbau von Pflanzen zu nutzen, die zur Erzeugung von Biotreibstoff dienen. Dies kostet Fläche und Wasser, die sinnvoller verwendet werden können.

Weitere Quellen und Informationen:
“Gen-Reis”: Wo kommt er her, wo ist er drin, ist er gefährlich?
Pflanzen-Patente - ein Monopol für Konzerne
Transgener Reis
Gentechnisch veränderter Organismus

Update 25.11.2007:
Zum Konzern Syngenta: Vergleich zwischen Bauern und Genmais-Hersteller scheitert