Nicht wissen was sie tun, aber trotzdem absahnen

Oek_Finanzen | wong it! 10.07.2008

‘Rating’ bedeutet auch ‘Bewertung’ und Ratingagenturen bewerten etwas, bewerten es, um Dritten eine Grundlage für ihr Handeln zu geben.
Die Dritten vertrauen auf die Ratingagenturen, weil sie dort mehr Fachwissen vermuten oder weil es für ihre Geschäfte hilfreich ist, wenn angeblich objektive Ratingagenturen, die Grundlage dieser Geschäfte bewerten.
Schöner Schein, wie man jetzt sieht. Ich wundere mich nicht. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC belegt es jetzt.

In dem 37seitigen Report der Börsenaufsicht finden sich Perlen der Erkenntnis darüber, wie die mächtigen Ratingagenturen ihre Arbeit machten, beziehungsweise nicht machten. “Ich konnte nur die Hälfte der Risiken des Geschäfts abschätzen”, notiert eine namenlose Analystin. Ein Kollege schreibt: “Wir haben überhaupt nicht die Ressourcen, um das zu tun, was wir tun”.

Es ist aber nicht nur eine Ressourcenfrage; es ist viel schlimmer.

Der Analyst misst der Arbeit der Ratingagenturen, seiner eigenen Arbeit, eine große Schuld an der Katastrophe zu, die er kommen sah: “Wir züchten hier das nächste Monster heran. Hoffentlich sind wir alle reich und in Pension, bevor dieses Kartenhaus zusammenbricht.”
“Selbst wenn dieses Produkt von Kühen konstruiert worden wäre: Wir würden es trotzdem bewerten.”

Wohl denen, die noch auf ein Tripple-A-Rating, auf eine A++ - Bewertung - oder was auch immer - vertrauen.

Biblische Hungersnot? - Merkel profiliert sich vor G8-Gipfel

GvR_Zukunft, Oek_Ernährung | wong it! 06.07.2008

Damals, als Joseph von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde und er dort Karriere machte, sorgte er für die sieben schlechten Jahre vor. Frau Merkel als CDU-Vorsitzende sollte die Bibel eigentlich kennen; die ein oder andere nützliche Erfahrungsbeschreibung gilt auch heute noch.
Kanzlerin Merkel reist von G8-Gipfel zu G8-Gipfel und profiliert sich jedesmal mit einem neuen Thema. Der Klimagipfel in Heiligendamm ist verpufft. Jetzt versucht sie es mit dem Ernährungsnotstand erneut.

Nahrungsmangel und Konflikte könnten “die Demokratisierung gefährden, Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen”, zitiert der “Spiegel” aus dem sechsseitigen Papier der Bundesregierung an die Partner. Nötig sei auch, für Staaten in Not Soforthilfen aufzustocken und ihnen einen schnellen Zugang zu Saatgut und Dünger zu geben. “Diese neuen Herausforderungen verlangen eine international abgestimmte Antwort”, schrieb Merkel in einem Beitrag für den Tagesspiegel am Sonntag.

Auch das wird verpuffen. Vor Jahren hat man den Bauern Stillegungsprämien gezahlt, um die Getreideberge abzubauen. Jetzt gibt es Subventionen für Bio-Treibstoff, was zu einer Verteuerung der Lebensmittel führt, da hier eine Konkurrenzsituation geschaffen wurde.

Sind Regierungen nur eine Art Technisches Hilfswerk, welches dann eingreift, wenn es zur Katastrophe gekommen ist, oder sollten sie nicht früh genug planen, um solche Hauruck-Aktionen zu vermeiden? Warnungen gab es früh genug.

Jetzt, wo es dem Ende entgegen geht, kritisieren sie Bush

Allgemein | wong it! 09.06.2008

Die Regierungszeit von Georg W. Bush neigt sich dem Ende entgegen. Er macht jetzt seine Abschiedstour durch Europa. Und jetzt auf einmal kommt Kritik aus allen Richtungen.
Guido Westerwelle (“Die Ära Bush war keine gute - weder für Amerika noch für jene, die sich wie ich als Freunde Amerikas verstehen”, sagte der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle dem Stuttgarter Nachrichten.) traut sich aus der Deckung. CDU-Außenexperte Eckart von Klaeden beklagte,

dass “Irak-Krieg, Guantánamo und Abu Ghraib” nicht nur das Ansehen der USA, sondern das des Westens in der muslimischen Welt schwer beschädigt hätten. “Das hat islamistischen Extremisten Auftrieb gegeben und die Gewichte in der Region zugunsten des Iran verschoben”.

Wo waren diese Herren während der vergangenen Jahre? Aber jetzt kümmert es ja niemanden mehr, jetzt kann man Kritk üben. Macht sich gut, tut niemanden mehr weh und in Kürze kann man dann sagen: “Wir waren ja immer gegen Bush, gegen den Irak-Krieg.” Wieder ein paar Widerstandskämpfer mehr.

Quelle
“Bush hat die Welt schlechter gemacht”

GEW und Cyber-Mobbing - zwei Welten?

GvR_Bildung, GvR_Medien | wong it! 26.05.2008

So unterschiedlich stellt sich die Welt in den Medien dar.
Golem titelt: Bedrohung durch Cyber-Mobbing gering - Lehrergewerkschaft rät zu Gelassenheit und professioneller Reaktion.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt vor Dramatisierung bei Internetmobbing und Überreaktionen. Eine eigene Studie habe gezeigt, dass Mobbing ohne technische Hilfsmittel etwa zehn Mal so häufig vorkommt.
“Schülerstreiche und Mobbing sind ein ‘altes Thema’, das nun im Internetzeitalter angekommen ist”, so Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule. Lehrkräfte müssten lernen, gelassen und professionell damit umzugehen.

Bei tagesschau.de lese ich: Umfrage der Gewerkschaft GEW - Lehrer fordern besseren Schutz vor Cyber-Mobbing.

Die Gewerkschaft forderte klare Verhaltensnormen für alle Formen von Mobbing.
Sie sieht die Opfer bisher nur unzureichend unterstützt, obwohl die psychischen Folgen gravierend sein könnten und bis zum Selbstmord reichten. Die Gewerkschaft forderte deshalb mehr Schutz und Hilfsangebote für gemobbte Lehrer und Schüler.

Es ist wohl besser, sich auf der Homepage der GEW zu informieren. Näheres ist hier zu finden.

Ericsson und Telenor bedauern Ausbeutung?

Oek_Arbeitswelt, Oek_Menschenwürde | wong it! 15.05.2008

Die Telekommunikationskonzerne Ericsson und Telenor lassen, wie alle anderen Konzerne auch, dort produzieren, wo die Kosten am geringsten sind - siehe Beispiel Nokia-von-Bochum-nach Rumänien. Dabei nehmen sie billigend in Kauf, dass in diesen ‘Billigländern’ diverse Dinge im Arbeitsleben nicht nach den Standards geregelt sind, ja nicht geregelt sein können, wie sie diverse Konventionen vorsehen. ‘Billig’ kommt nicht von ungefähr!

Jetzt entschuldigen sich Ericsson und Telenor für unhaltbare Zustände in Zuliefererbetrieben in Bangladesch:

Beide Unternehmen bestätigten Angaben in einem dänischen TV-Dokumentarfilm. Danach wurden in vier Stahlwerken Mobilfunk-Maste für Ericsson und Telenor unter Bedingungen produziert, die den von den Kunden in Schweden und Norwegen selbst festgelegten Standards für Arbeitsschutz und Sicherheit massiv zuwiderliefen.
Nach dem Bericht des dänischen Dokumentarfilmers Tom Heinemann arbeiteten in den Werken unter anderem Kinder elf Stunden täglich für einen Dollar Lohn. Arbeiter montierten die bis zu 75 Meter hohen Masten ohne jede Sicherheitsvorkehrungen. Sowohl Ericsson wie Telenor erklärten laut dpa, davon nichts gewusst zu haben.

Wollen Ericsson und Telenor das überhaupt wissen? Solange der Preis und die Qualität stimmen - wohl nicht. Wenn sie es gewollt hätten, hätten sie es wissen können, ja sie werden es gewusst haben.
Beide Unternehmen haben die UN-Regeln über Mindeststandards an allen Arbeitsplätzen unterzeichnet. Diese verbieten unter anderem Kinderarbeit. Aber mit der Unterzeichnung ist es nicht getan. Und eine Entschuldigung ist leicht ausgesprochen, hilft aber nicht weiter. Laufende Kontrollen und sofortige Abstellung von Mißständen wären das probate Mittel, sofern die Konzerne ihre Bekenntnisse zu Mindeststandards ernst nehmen. Aber es geht ja nur um ‘billig’ und Shareholder value.

Via heise.online

Gelebte Nächstenliebe

Allgemein | wong it! 26.04.2008

Das die Kirche nicht unbedingt das lebt, was sie predigt, hat sich während der Jahrhunderte häufig gezeigt. Aber auch heute gibt es grosse Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Im Arbeitsleben zeigt die Kirche hier besonderes Engagement bei der sozialen Behandlung ihrer Angestellten.

Möglich macht diese Ungleichbehandlung unter dem Deckmantel christlicher Nächstenliebe ein “Sonderarbeitsrecht zweiter Klasse”: Es gibt keine Tarifbindung, kein Streikrecht und keine Betriebsräte. Das ist verlockend für Arbeitgeber: Da wird über Nacht ein Krankenhaus zu einer kirchlichen Einrichtung mit “Raum der Stille”. Der Betriebsrat muss dafür seine Sachen packen.

Das wäre doch ein Geschäftsmodell für die Wirtschaft - wandeln wir Siemens, Nokia u.a. in Glaubensgemeinschaften um und eliminieren so die Arbeitnehmerrechte!