Grossbritannien erlaubt Züchtung von Chimären

GvR_Ethik, Oek_Ethik | wong it! 17.01.2008

Der Wahnsinn geht weiter! In Grossbritannien wurde jetzt Wissenschaftlern erlaubt, künftig zu Forschungszwecken Embryonen aus einer Kombination von menschlichem Erbgut und Eizellen von Kühen und anderen Tieren züchten. Natürlich nur zu Forschungszwecken und nur, um Erkenntnisse für die Heilung von menschlichen Krankheiten zu gewinnen.

Mir sträuben sich die Haare, wenn ich solche Meldungen lese. Auch wenn die so gezüchteten Embryonen nach britischen Gesetzen nach maximal 14 Tagen zerstört werden müssen, beruhigt mich das überhaupt nicht. Wir wissen, wie sich so etwas entwickelt. Schleichend verschiebt sich die Grenze, bis dann keine Grenze mehr existiert.
Minister Seehofer sagt in der Debatte zur Freigabe von Klonfleisch als Lebensmittel:

Dies sei “ein typisches Beispiel dafür, dass die Gesellschaft nicht alles, was technisch möglich ist, auch praktisch machen darf und kann”.

Um wieviel mehr trifft dies für das Vorhaben zu, Chimären in die Welt zu setzen!
In einer anderen Meldung lese ich:

Erstmals ist es Forschern gelungen, einen menschlichen Embryo aus einer erwachsenen Zelle zu klonen. Bisher war dies nur aus embryonalen Stammzellen möglich.

Der Wahnsinn geht weiter. Damals, als Genmanipulation startete, wurden die Kritiker auch beschwichtigt: nur für Forschngszwecke und nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen! Jetzt wird genmanipulierter Mais im Freien angepflanzt. Sicherheitsabstände sollen der Problemlöser sein. Fleisch von geklonten Tieren kommt in die Lebensmittelkette, obwohl niemand genau die Auswirkungen kennt.
Warum schützt uns niemand vor diesem Grössenwahn?

Wieder zwei Gründe mehr, kein Fleisch zu essen

Oek_Ernährung, Oek_Konsum | wong it! 16.01.2008

by pixelio

Wenn es irgendwie geht, vermeide ich es, Fleisch zu essen. Militanter ‘Fleischverweigerer’ bin ich allerdings nicht. Ich tue meine Meinung dazu kund, wenn in vernünftiger Art und Weise diskutiert wird, aber ich will niemanden meine Meinung aufzwingen. Umgekehrt gilt gleiches.
Wer Fleisch essen möchte, soll dies tun. Nach den Fleischskandalen der letzten Jahre und den verfügbaren Informationen über Fleisch, kann sich im Grunde jeder ausreichend informieren. Auch darüber, wo Fleisch erhältlich ist, dessen Verzehr unbedenklich ist.

Für mich gibt es jetzt zwei zusätzliche Gründe, kein Fleisch zu essen. Das ist einmal der Gesetzentwurf über die Kennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel und die Meldung, dass die US-Lebensmittelaufsicht die Freigabe für Klonfleisch erteilt.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Lebensmittel auch dann als “gentechnikfrei” gelten, wenn sie mit Hilfe bestimmter genveränderter Zusatzstoffe hergestellt werden. Das bedeutet: wurde die Kuh mit Genmais gefüttert, wäre sie trotzdem ‘gentechnikfrei’. Das ist für mich nicht akzeptabel. Das mag übervorsichtig sein, aber niemand kann heute mit Sicherheit sagen, dass derart ernährte Tiere wirklich Fleisch liefern, welches unbedenklich verzehrt werden kann. Ausserdem ist ausreichend gentechnikfreier Mais vorhanden.

Auf andere Art und Weise ähnlich ist es mit dem Fleisch oder der Milch geklonter Tiere. Es ist zwar nicht damit zu rechnen, dass kurzfristig Fleisch oder Milch von diesen Tieren in den Verkauf kommt, aber auch hier gilt: Wehret den Anfängen! Klongegener sagen:

“Wenn man diese Superkerne in leere Eizellen packt, ist es eben nicht so, dass die eingebaute Zellkern-Kopie das Kommando übernimmt. Stattdessen gibt es sehr wohl Reaktionen zwischen Kern und verblieben Resten der Eizelle. Sie kommunizieren wie in jedem Ökosystem miteinander. Die Naivität in der Klontechnologie lag in der Annahme, alles spiele sich allein im Kern ab.”

Diese Bedenken sind nach wie vor nicht ausgeräumt und im Grunde ist nicht einsehbar, warum Tiere für den Verzehr geklont werden müssen. Durch natürliche Vermehrung (worunter ich auch künstliche Besamung zähle) ist ausreichend Schlachtvieh zu züchten.

Andrew Kimbrell vom “Center for Food Safety” warnt: “Genfleisch bringt dem Verbraucher keinerlei Vorteile. Nur einige Biotech-Firmen könnten ihre Tiere effektiver produzieren. Aber warum eigentlich sollte die Bevölkerung als Meerschweinchen für eine gescheiterte Technologie dienen?”

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Update 17.01.2008:
Seehofer stellt sich gegen Klonfleisch
Minister Seehofer ist dagegen, Klonfleisch in die Lebensmittelkette zu bringen. Dies sei “ein typisches Beispiel dafür, dass die Gesellschaft nicht alles, was technisch möglich ist, auch praktisch machen darf und kann”.
Richtig! Das gilt aber auch für Genmais, Herr Seehofer!

Hierzu siehe auch:
Gentech: Neues vom ‘Golden Rice’

Update 23.01.2008:
Der Bundestags-Agrarausschuss gab heute grünes Licht für das Gentechnik-Gesetz.

“Ich kann den Verbrauchern sagen, dass wir das Menschenmögliche getan haben an Vorsorge”, sagte Seehofer in Berlin.

Reicht das??