Privat habe ich für 5 Mio. EURO Aktien gekauft

Oek_Energie, Oek_Zufriedenheit | wong it! 30.06.2008

RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (29.06.2008, Nr. 26, Seite 35):

Frage: Wie sollen die Aktionäre dann darauf vertrauen, dass Sie für einen besseren Aktienkurs kämpfen?

Antwort Großmann: …Privat habe ich RWE-Aktien für rund fünf Millionen Euro gekauft.

Das überzeugt; ich überlege jetzt nur, wie ich zu 5 Mio. EURO komme.

Roland Koch wird nie ein Demokrat

GvR_Demokratie, GvR_Parteien | wong it! 07.06.2008

Er mag den Schafspelz so oft tragen wie wer will - er ist und bleibt ein Wolf! So sehe ich Roland Koch. Und dies hat er aus meiner Sicht jetzt wieder drastisch bestätigt.

Da fehlt ein Satz in einem Gesetzestext, den er als geschäftsführender Ministerpräsident unterschreiben muß, damit das Gesetzt wirksam wird. Das der Satz fehlt, ist ein Fehler. Wie das zustande gekommen ist, bleibt zu prüfen. Roland Koch wusste aber, dass der Satz fehlt, wusste es während der Beratungen dieses Gesetzes. Gesagt hat er während der Beratungen nichts, hat sich dies aufgehoben, um die SPD und die Grünen jetzt ins Lächerliche zu ziehen und das Gesetzt hinauszuzögern. Kindisch und undemokratisch!

Dieses Verhalten relativiert seine Koalitionsangebote. Auch für die Zukunft.

Quellen und weitere Informationen
Koch unterschreibt nicht
“Wir ärgern uns”
“Koch – die größte politische Witzfigur”
Hessen: “Unverschämter” Koch bringt Rot-Rot-Grün zurück ins Rennen

Victory-Josef war ein Achtundsechziger

Allgemein | wong it! 18.05.2008

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zu lesen, bringt oft interessante Erkenntnisse. Insbesondere dann, wenn Interviews abgedruckt sind. Am Wochendende werden die Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kunst scheinbar rührselig.
Diesmal ist es Josef Ackermann, der über Gott und die Welt plaudert und so manche überraschende Erkenntnis preisgibt. Unbedingt lesenswert! Ich habe die Befürchtung, dass er sich ernsthaft auf den Bundespräsidentenjob vorbereitet. Er müste sich ja nur noch einbürgern lassen.
Hier ein paar Kostproben - man glaubt es kaum:

Herr Ackermann, die Marktwirtschaft feiert Triumphe und gerät doch immer stärker in die Defensive. Haben Sie eine Erklärung?

Zunächst einmal ist das ja angesichts unseres Wohlstandsniveaus schon erstaunlich. Aber man muss das ernst nehmen. Ich sehe mehrere Gründe für diesen Vertrauensverlust. Zum einen gibt es keine Alternative wie den realen Sozialismus mehr, dem gegenüber unsere Ordnung natürlich sehr gut aussah. Zum anderen setzt uns die Globalisierung heute einem spürbar schärferen Wettbewerb aus, und die von früher gewohnten Wachstumsraten bleiben aus. Zugleich haben wir es weithin versäumt, unsere Bürger auf die neuen Herausforderungen der Globalisierung mit einer entsprechenden Bildung und Ausbildung ausreichend vorzubereiten.

Das produziert Ängste und Misserfolgserlebnisse?

Gewiss. Hinzu kommt schließlich: Viele Menschen haben das Gefühl bekommen, dass die Startchancen im Leben immer ungleicher verteilt sind und in der Folge auch die Einkommen und Vermögen innerhalb unserer Gesellschaft auseinanderdriften. Bei alldem kann es nicht verwundern, dass die Zustimmung der Bevölkerung zu unserer Wirtschaftsordnung schwindet.

Ist dieses Gefühl schwindender Chancengleichheit gerechtfertigt?

Auf jeden Fall müssen wir dieses Gefühl ernst nehmen.

Sie sind selbst ein Aufsteiger.

Ja, auch deshalb liegen mir die Themen Chancengleichheit, Bildung und Leistungsgerechtigkeit so am Herzen.

Es gibt Indizien, dass Geld, Herkunft und Klasse den Lebensweg viel stärker bestimmen, als es uns lieb ist.

Wenn das so ist, ist das bedenklich.

All das müssen wir feststellen nach Jahrzehnten der Bildungsoffensiven. Wie konnte das passieren?

Danach müssen Sie die Politiker fragen.

Dass der Marktwirtschaft die Akzeptanz fehlt, liegt doch nicht nur an der abnehmenden Chancengleichheit, sondern auch am berechtigten Eindruck stagnierender Lebens- und Einkommensverhältnisse. Der Einsatz macht sich dann nicht mehr bezahlt.

Leistung muss sich lohnen, und Talent muss eine Chance bekommen - egal aus welcher sozialen Schicht. Wir müssen möglichst allen Menschen das nötige Rüstzeug geben, um im Wettbewerb bestehen zu können. Wir sollten uns aber auch generell mehr auf das Gewinnen konzentrieren, statt immer nur über Hartz IV, Mindestlöhne, die Absicherung nach unten und Umverteilung zu reden. Darüber laufen wir Gefahr, immer mehr an Wettbewerbsgeist zu verlieren. Wir brauchen einen neuen Aufbruch.

Was meinen Sie?

Ich denke zum Beispiel an die Vereinigten Staaten, wo jetzt mit Barack Obama ein Politiker auftritt, der Bürgern Mut und Hoffnung macht.

Westliche Wohlstandsgesellschaften haben derzeit Mühe, eine positive Utopie zu entwickeln.

Obama zeigt doch, dass es geht. Er sagt einfach: Yes, we can! So sollten wir auch in Deutschland denken. Oder wenn ich mich an die 68er-Bewegung aus meiner Jugend erinnere…

…Sie sind ein Achtundsechziger?

… ich war kein Revoluzzer, wenn Sie das meinen. Aber ich gehöre natürlich der Generation an, und ich habe miterlebt, wie eine in mancherlei Hinsicht erstarrte Gesellschaft, zum Beispiel in puncto Erziehung oder Sexualität, aufgebrochen wurde. Leider ist dann später aus manchen positiven Absichten und Ansätzen viel Negatives erwachsen. Aber zweifellos gab es damals eine Aufbruchstimmung.

So, wer weiter lesen will .. das komplette Interview.

Yes, we can! Ich fasse es nicht. Jetzt ist er Achtundsechziger, bald wird er der Dalai Lama der Marktwirtschaft.

Microsoft - nicht einmal die Mutter liebt ihr Kind Open XML

Allgemein | wong it! 22.04.2008

Da hat Microsoft mit allen Mitteln das ungeliebt Dateiformat Office Open XML zum ISO-Standard erklären lassen und nun lese ich folgendes:

Alex Brown, der Leiter der ISO-Gruppe für die Standardisierung von Office Open XML (OOXML), hat ausprobiert, ob die Dateien aus Office 2007 dem ISO-Standard Office Open XML entsprechen und stellte dabei fest, dass nicht einmal Microsoft selbst sein Office-Dateiformat unterstützt. Dabei zählte er 122.000 Fehler im Strict-Modus, wobei die Fehlersammlung eine Dateigröße von 17 MByte einnimmt. Damit befindet sich derzeit keine einzige Applikation auf dem Markt, die den ISO-Standard Office Open XML einwandfrei unterstützt.

Man könnte sagen: Ein Tag wie jeder andere. Microsoft muss man nicht verstehen.

Via: Golem

„Eiserne Lady“ der hessischen FDP - warum nicht früher diese Aussagen?

GvR_Demokratie, GvR_Parteien | wong it! 04.04.2008

Ruth Wagner, die „Eiserne Lady“ der hessischen FDP, führte ihre Partei an die Seite Roland Kochs und dann in die Opposition. Jetzt verabschiedet sie sich aus der Landespolitik mit kritischen Äusserungen. Auf die Frage nach dem Stilwandel der Regierung Koch und wie dieser neue Stil aussah, antwortete sie:

Überheblich. Zentralistischer, bürokratischer. Diese Regierung – damit meine ich gar nicht so sehr den Ministerpräsidenten – ist den Menschen mit wenig Sympathie begegnet. Sie haben ja über Krankenhäuser gesprochen, als wollten sie ein Atomkraftwerk bauen. Wenn Sie über Schulen sprechen, müssen Sie doch die Schüler meinen. Und wenn Sie von Krankenhäusern sprechen, müssen Sie an die Patienten denken. Die Menschen wollen, dass man auf sie zugeht.

Können Politiker und Politikerinnen dies immer erst zum Abschied? Was bringt es dann noch? Solche Worte und dazu passende Taten - darf man das nicht zu Zeiten erwarten, wenn diese Damen und Herren noch an der Macht sind?

Billiglöhne im Staatsdienst müssen mit Hartz IV aufgestockt werden

GvR_Beruf, Oek_Arbeitswelt | wong it! 16.03.2008

Es gibt Meldungen, die will ich erst einmal nicht glauben! Ich schaue auf das Datum - nein, es ist noch nicht der 1. April!
In der TAZ vom 15.03.08 finde ich folgende Nachricht:

Bei mehr als 183.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst und angrenzenden Bereichen reicht der Verdienst zum Leben nicht. Fast 130.000 davon müssen ihre niedrigen Löhne mit Hartz-IV-Leistungen aufstocken, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion.

Das antwortet die Bundesregierung - die Bundesregierung, in der auch die SPD vertreten ist - die Bundesregierung, die Mindestlöhne in der Wirtschaft fordert und durchsetzt!
Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst und die Streiks sehen im Lichte dieser Information ganz anders aus.
Für mich stellt sich hier nicht die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Regierungs-, Landes- und Kommunalpolitiker (insbesondere, soweit sie der SPD angehören) - die ist beantwortet.
Werden die Arbeiten, die noch im öffentlichen Dienst erledigt werden, als nächstes in Billiglohnländer verlagert? Vielleicht hat Nokia in Rumänien noch ein paar Hallen frei.
Herr Beck sollte eigentlich nachvollziehen können, warum ‘Die Linke’ in die Parlamente einzieht. Sie wird auch von der Regierung förmlich ‘reingeschoben.

Weitere Quellen und Informationen
Staat zahlt Billiglöhne - Tausende auf Hartz IV angewiesen
Hartz IV für Staatsdiener

Die Mär vom treusorgenden Vorstand

Oek_Ethik, Oek_Menschenwürde, Oek_Politik | wong it! 29.01.2008

Aktien und Rendite by pixelio

Es gibt in unserer Gesellschaft so einige Redewendungen, die den Gehalt und die Glaubwürdigkeit analog der 10 Gebote der Christenheit haben. Über Sinn oder Unsinn dieser Redewendungen wird demzufolge auch nicht mehr nachgedacht, viel weniger daran gezweifelt.
Dazu gehören solche Klassiker wie “Freie Fahrt für freie Bürger”, “Freiheit statt Sozialismus”, “Spinat darf man nicht aufwärmen”, die sich einander hinsichtlich ‘Sinngehalt’ um nichts nachstehen.

Neuhinzu kommt jetzt etwas noch nicht vollständig Ausformuliertes, etwas, was noch um die endgültige eherne Formulierung ringt, die solche Sprüche erst in die Gehirnwindungen festbrennen und einem Denkverbot gleichkommen. Es ist mit der Diskussion um die Schliessung des Nokia-Werkes in Bochum hochgekommen und hätte auch von der Public Relations-Abteilung von Nokia (oder irgendeiner anderen Aktiengesellschaft) nicht besser erdacht werden können.
Eine schlagkräftige Formulierung habe ich auch nicht gefunden, aber es geht so in die Richtung: Der Vorstand von Nokia musste ja so handeln, weil er zur Renditemaximierung gesetzlich verpflichtet ist und dies auch den Aktionären zugute kommt! Je nach politischer Couleur oder dem Grad des Vertrauens liest man dann auch schon mal den erweiterten Spruch: Der bemitleidenswerte Vorstand von Nokia, der ja gerne in Bochum geblieben wäre, musste ja so handeln, weil er zur Renditemaximierung gesetzlich verpflichtet ist und dies auch den Klein-Aktionären zugute kommt!
Wenn ich das lese, sehe ich den Vorstand in Finnland förmlich verschmitzt grinsen!

Wer in einer Aktiengesellschaft arbeitet (je grösser, desto besser für das Verständnis des Wirtschaftslebens) und mit offenen Augen und Ohren durchs Leben geht und die Nachrichten aufmerksam verfolgt, der sollte eigentlich wissen, wie mit viel Geld umgegangen wird und wie Rendite- und Bilanzzahlen zustande kommen. Und wer verfolgt, wie im Hause Nokia mit Subventionen und Arbeitskostenberechnungen verfahren wird, sollte eigentlich sehr viel skeptischer sein.

Schaut man auf die während der vergangenen Jahre durch Fehlentscheidungen von Vorständen in den Sand gesetzten Milliarden und die daraus resultierenden ‘Strafen’ für diese Vorstände, dann ist man ja als Vorstand geradezu aufgefordert, gegen seine Pflichten zu verstossen, da ja mit der Entlassung oder der Trennung im gegenseitigen Einvernehmen, der Abfindungsrubel reichlich rollt.
Die jüngste Bankenkrise ist ein illustres Beispiel. Fast jede der grossen Banken hat mehr oder weniger Geld ‘verbrannt’; einige Vorstände sind gegangen worden, mit viel Geld in den Taschen. Sie werden, so sie sich nicht zur Ruhe setzen, irgendwann und irgendwo wieder in den Startlöchern zu neuen Abenteuern stehen. Die Nachfolger bekommen, wie jetzt bei der Citigroup, nach 6 Wochen Amtszeit, bereits Aktien im Wert von 26,7 Millionen Dollar sowie drei Millionen Aktienoptionen zuerkannt. Der Vorgänger Charles Prince, bekommt eine Abschiedsprämie in Millionenhöhe. Über den tatsächlichen Wert der Abfindung gibt es widersprüchliche Angaben, sie reichen von etwa 40 Millionen Dollar bis zu rund 95 Millionen Dollar.

Die Societe Generale erfährt einen Verlust von 5 Milliarden EURO (als Zahl: 5.000.000.000; das sind in DM umgerechnet 9.779.150.000). Das wirft sie nicht etwa um - nein, das Leben geht weiter (denn Geld ist ja da, noch viel mehr). Wieviel Gehaltserhöhungen hätte man mit dem Geld finanzieren können?

Ach ja, da war ja noch das Argument, dass alles zum Wohle des Aktionärs ablaufen soll. Dazu gibt es nicht allzuviel zu sagen. Wie das aussieht, kann jeder sehen, der die Börsendaten aufmerksam verfolgt. Die Kurse werden auf andere Art und Weise gemacht und wenn offizell die Rendite nicht stimmt, ist das nur für die ein Ausstiegssignal, die bisher nichts mitbekommen haben, wie z.B. der Kleinaktionär. Denn man sollte berücksichtigen - die Börse ist ein Feld mit asymmetrischer Information.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Ganz verschämt taucht auch noch das Argument auf:
Die armen Rumänen sollen doch jetzt auch mal was verdienen und insoweit ist es doch gut, wenn Nokia dorthin geht!
Die armen Rumänen haben erst einmal Vorleistungen für die reichen Finnen erbracht; hätten sie diese Vorleistungen in die Förderung der einheimischen klein- und mittelständischen Wirtschaft gesteckt, wäre dies auf Dauer wahrscheinlich wirkungsvoller gewesen. Die Fabrikationshalle in Rumänien hat übrigens eine deutsche Firma gebaut - soviel zur Förderung der Rumänen.
Nach ein paar Jahren wird Nokia dann weiter ziehen. ‘Zum Wohle’ eines anderen, noch billigeren Arbeitnehmers!
By the way - sollte Nokia insoweit nicht einen Antrag auf Gemeinnützigkeit stellen?

Ich bin übrigens der Meinung, dass es auch Vorstände gibt, die wirklich ihre Pflicht tun!

Quellen und weitere Informationen
Aktiengesetz
Neuer Citigroup-Chef erhält Bonus in Millionenhöhe
Millionen-Abfindung für den Banker
Goldbeck baut Nokia-Werk in Rumänien
Nokia wehrt sich gegen Vorwurf des Subventionsmissbrauchs
Prüfbericht: Nokia unterschritt Arbeitsplatzzusagen deutlich
“Die notwendige Sorgfalt hat gefehlt”
Société Générale schon im November informiert

Auch Beckstein will nicht verstehen

GvR_Bürgerengagement, GvR_Demokratie | wong it! 28.01.2008

Die CSU ist ja willfährig auf den ausländerfeindlichen Zug Roland Kochs aufgesprungen und hat fleissig propagandiert. Das Prügel-Plakat ist noch in frischer Erinnerung. Primitivste Meinungsmache war das Gebot.
Jetzt hat Koch in Hessen die Rechnung für seine Kampagne bekommen und die CSU in Gestalt von Herrn Beckstein ‘zeigt Rückgrat’.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) fordert die Union auf, Konsequenzen aus dem Debakel in Hessen und den Verlusten in Niedersachsen zu ziehen: Die Union müsse das Soziale stärker betonen. “Die Union darf der SPD und der Linkspartei das Thema Soziale Gerechtigkeit nicht allein überlassen. Wir müssen das stärker wieder in den Mittelpunkt stellen”, sagte Beckstein der Passauer Neuen Presse. Die soziale Marktwirtschaft sei ein Erfolgsmodell der Union.

So ist es richtig, Herr Beckstein! Wenn man schon keine eigene Meinung hat, soll man dies konsequenterweise immer weiter durchziehen. Niemand hatte die CSU gezwungen, dem ‘brutalstmöglichen Populisten’ zu folgen. Jetzt tut sie so, als wäre nichts gewesen!

Aber es geht noch weiter.

“Dieser Abend zeigt: Deutschland ist nach links gerutscht. Das sind die Geister, die SPD-Chef Kurt Beck rief”, sagte Beckstein.

Also ist es mit der sozialen Gerechtigkeit nicht so weit her. Die haben wir nur Kurt Beck zu vedanken - will Herr Beckstein die nun doch nicht in den Mittelpunkt stellen?

Der humoristische Höhepunkt ist aber die folgende Aussage:

Das schlechte Abschneiden der CDU in Hessen relativierte Beckstein. “Dass es in Hessen, einem Stammland der SPD, deutliche Verluste für die CDU geben wird, war nach den Umfragen zu erwarten.”

Ja was denn nun, Herr Beckstein? Sie haben die 12 Prozent minus erwartet?
Habt Ihr auch Sehnsucht nach Herrn Stoiber? Der hat solche Statements wenigstens sprachlich interessant ‘rüber gebracht.

Die ’schweigende Mehrheit’ hat gesprochen - gegen Koch

GvR_Bürgerengagement, GvR_Demokratie | wong it! 28.01.2008

und dem in meinen Augen ‘brutalstmöglichen Populisten’, der sich zum selbsternannten Sprecher der ’schweigenden Mehrheit’ aufgeschwungen hatte, gezeigt, dass dem nicht so ist. Ein Minus von 12 Prozent spricht eine überdeutliche Sprache und für mich ist dies ganz klar eine Aufforderung an Roland Koch, sich aus der Spitzenpolitik zurück zu ziehen!
Aber wie immer bei Wahlen, wird es offiziell keine Verlierer geben und selbst das schäbigste Ergebnis wird an irgendeiner Ecke als Sieg tituliert.

Wenn es die anderen Parteien jetzt doch zulassen, dass Koch wieder an die Macht kommt, wäre dies ein politischer Offenbarungseid!

Vorläufiges Endergebnis

In Hessen stürzte die CDU nach dem vorläufigen Endergebnis auf 36,8 Prozent (2003: 48,8), die SPD legte auf 36,7 Prozent (29,1) zu. Die Grünen kamen mit 7,5 Prozent (10,1) auf ein einstelliges Ergebnis, die FDP erreichte 9,4 Prozent (7,9). Die Linke erzielte 5,1 Prozent. CDU und SPD kamen auf jeweils 42 Sitze, die Grünen auf 9, die FDP auf 11 Mandate und die Linke auf 6.

Sollten wir Verständnis für Nokia haben? Grundsätzliches zum Thema

GvR_Eigentum, Oek_Arbeitswelt, Oek_Konsum, Oek_Menschenwürde, Oek_Politik | wong it! 20.01.2008

Zu meinem Beitrag Nokia verlässt Bochum - wieder 90 Mio. Fördermittel in den Sand gesetzt! haben Christian, Tom und Johan Kommentare geschrieben, die meines Erachtens die grundsätzliche Problematik dieses Vorgangs exemplarisch ansprechen. Deshalb will ich diese Kommentare nicht nur innerhalb eines Kommentars zu dem Beitrag beantworten, zumal das Thema ‘Nokia verlässt Bochum’ nicht erledigt ist! Schon an dieser Stelle vielen Dank für die engagierten Kommentare.

KAPITEL 1
Wir alle streben nach mehr Gewinn und grösstmöglichen Vorteil und die Firmen machen es nicht anders, als jeder von uns. Das liegt in der Natur des Menschen

(Die Problematik, eine Firma, eine juristische Person, mit dem Verhalten einer natürlichen Person gleich zu setzen, lasse ich hier mal aussen vor.)

Die in der Überschrift formulierte Aussage habe ich Christians Kommentar entnommen und sie klingt einerseits naturwissenschaftlich aufgeklärt und rational, andererseits sehr zynisch. Diese Einstellung, dass wir egoistische Wesen sind und nach grösstmöglichem Vorteil streben, wird von nicht wenigen Ökonomen und Biologen geteilt. Das liegt sozusagen in unseren Genen und ist somit ‘natürlich’. In Buchtiteln wie z.B. Verdammt zur Unmoral? Zur Naturgeschichte von Gut und Böse Piper, München-Zürich 1993, oder Der freie Wille. Die Evolution einer Illusion Hirzel, Stuttgart 2007, von Franz Wuketits spiegelt sich dies wieder. Der Homo oeconomicus als Idealtyp dieses auf die Maximierung seines Vorteils bedachten Menschen wurde jahrelang in den Universitätsvorlesungen strapaziert und muss auch heute noch für Vieles herhalten, obwohl die Theorie ihn wohl weitestgehend in Rente geschickt hat.
Dieser Ansatz, dass alle nur nach grösstmöglichem Vorteil streben und dass dieses Streben quasi legitim ist, macht die Welt sehr einfach. Er entbindet von jeder sozialen Einstellung bzw. degradiert diese zu einem Mittel zur Steigerung des eigenen Vorteils. Solidarität mit Anderen, als ein Mittel der eigenen Vorteilsmaximierung. Wäre dem so und wir würden gemäss dieser Einschätzung handeln, würde es meines Erachtens keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft wie die unsere geben.
Ich sehe in diesem Ansatz keine Legitimation für das Verhalten von Nokia.

KAPITEL 2
Es gibt nicht nur das Streben nach grösstmöglichem individuellen Vorteilen und es liegt nicht in der Natur des Menschen, ein grenzenloser Egoist zu sein

Tom fühlt sich von Christians Einschätzung nicht angesprochen. Er stellt andere Werte über materielle Dinge, über grösstmöglichen Profit.
Solidarität ist nach meiner Einschätzung dann möglich, wenn das Überleben gesichert ist. Solange der Einzelne um das nackte Überleben kämpft, ist Solidarität mit Anderen Gefährdung der eigenen Existenz. Aus diesem Stadium des täglichen Kampfes um die eigene Existenz sind wir glücklicherweise hinaus. Auch ich teile die Meinung von Tom und sehe nicht das Streben nach grösstmöglichen individuellen Vorteil als meine Verhaltens- und Einstellungsmaxime. Es wäre traurig, wenn nach Jahrhunderten menschlicher Entwicklung nicht mehr herausgekommen wäre, als Vorteilsmaximierung. Dies wird uns sugeriert, um insoweit solche Vorgehensweisen, wie sie Nokia jetzt an den Tag legt, zu legitimieren.

KAPITEL 3
Nokia kann das nur machen, weil wir so was unterstützen.

Mit dieser Einschätzung spricht Johan ein Thema an, bei dem wir vielleicht zu einem Kern der Sache vorstossen.
Es ist so - ohne uns, die die Nokia-Handys kaufen, gäbe es die Handy-Sparte von Nokia nicht. Nokia stellt die Handys nicht aus Spass an der Freud her, wie es so schön heisst, sondern weil sie gekauft werden und damit Gewinn gemacht werden kann. Also haben wir als sog. Verbraucher Einfluss auf die Produktion von Gütern. Was wir nicht kaufen, wird bald nicht mehr produziert. Und unsere Preferierung des billigsten Produktes ala ‘Geiz ist geil’, hat natürlich Einfluss auf Produktionsweisen und kostengünstige Produktion. Und man kann eine Firma führen wie die ‘dm-Drogeriemärkte’ oder wie ‘Schlecker’ - wir entscheiden, wo wir kaufen.
Wie schreibt Johan in seinem Kommentar:

Auch wenn ich meine, andere Werte weit über materielle Dinge zu stellen, bestimme ich auch immer noch die Welt über mein Konsumverhalten.

Boykotiert Nokia

So ist es, und da sollten wir ansetzen. Auch wenn es auf den ersten Blick lächerlich wirkt, hat hier eine Aktion wie ‘Nie wieder Nokia’ ihren Sinn. Andere Aktionen ähnlicher Art haben dies gezeigt. In diesem Sinne bewusster Konsum hat Einfluss. Er ist selten bequem, aber auf Dauer wirksam.

KAPITEL 4
Die staatlichen Subventionen haben insgesamt einen Gewinn auch für das Land gebracht

‘Die 3300 Leute haben Steuern gezahlt, waren nicht arbeitslos, das müsste auszurechnen sein. Ich weiß, sieht zynisch aus, ist aber eine legitime Frage. Und wie laut hätte man damals geheult, wenn Nokia nicht gekommen wäre, weil man kein Schmiergeld in Höhe von 90 Mio. EUR geboten hätte?’ - so schreibt Johan.
Nicht von der Hand zu weisen, aber da sind wir doch wieder bei der puren Finanzakrobatik. Es hat sich auch für das Land und die Leute gerechnet und so muss Nokia erlaubt sein, diese Rechnung auch dauerhaft positiv für sich zu gestalten. Also müsste jetzt NRW wieder 90 Mio. EUR locker machen, um Rumänien auszustechen. Ist es wirklich so, dass es letztlich nur entscheidend ist, wo die Produktion den höchsten Gewinn ermöglicht? Dieser Rendite-Raubbau führt doch analog den Brandrodungen im Urwald zur Verwüstung ganzer Landstriche. Es ist doch nicht so, dass Nokia mit den in Bochum produzierten Handys keinen Gewinn gemacht hätte. Dem Unternehmen geht es laut den Geschäftszahlen blendend und auch die Produktion in Bochum ist nicht defizitär.
Dem Werk in Rumänien wird es auf Dauer nicht besser ergehen. Irgendwann wird die Produktion irgendwo billiger sein als in Rumänien.

Die Arbeitskosten sind ein wichtiger Faktor im Attraktivitäts-Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte Die Übersicht des BfS zeigt, dass nirgenwo in Europa die Arbeit mehr kostet als in der Schweiz (33,81 Euro). Fast so teuer sind Schweden (32,16 Euro), Luxemburg (31,98 Euro) und Frankreich (30,31 Euro). Deutschland ist mit 27,79 Euro schon deutlich günstiger.
Am besten kommen im europäischen Vergleich Arbeitgeber in Osteuropa weg. In Bulgarien (1,55 Euro) und Rumänien (2,68 Euro) kostet eine Stunde Arbeit am wenigsten. Auch nach Lettland (3,41 Euro), Litauen (4,21 Euro) oder Estland (5,50 Euro) könnten sich Auslagerungen lohnen.

Die Karawane zieht zur nächsten Oase weiter. Ist dort das Gras abgeweidet, wird eingepackt und wieder zur nächsten Oase gezogen, anstatt für frisches Gras zu sorgen. Das sollen gefälligst andere tun. Die Karawane hat ja während ihrer Anwesenheit für Umsatz gesorgt - das muss reichen! Soll es das wirklich sein?

Wir sollten nicht so tun, als wäre so etwas wie jetzt die Verlagerung der Nokia-Produktion von Bochum nach Rumänien halt der Lauf der Dinge. So ist es nicht. Das lag mir noch am Herzen und die Kommentare von Christian, Tom und Johan sind mir das wert gewesen.

Quellen und weitere Informationen
Die rumänische Regierung baut “Nokia-Village” zum IT-Standort aus und hofft auf den Zuzug weiterer Zulieferer.
“Subventionen können sich durchaus auszahlen”
Werksschließung: Struck und Seehofer legen ihre Nokia-Handys still
Krokodilstränen im Schnäppchenland
Nokia und die Förderung von Unternehmensansiedlungen “Diese Subventionen haben keinen Sinn”

Update 24.01.2008:
Unternehmenszahlen: Nokia jubelt über Riesengewinne
Nettogewinn stieg im vergangenen Jahr um 67 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro.
Umsatz stieg 2007 um 24 Prozent auf 51,1 Milliarden Euro.
Den Bochumern hilft dies nicht mehr - sie haben die Zahlen mit ermöglicht!

Update 11.03.2008
Bochum: Nokia muss 59 Millionen Euro zurückzahlen