Gestern habe ich jemanden zum Bahnhof gebracht und mir bei der Gelegenheit die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gekauft. Auf Seite 7 dieser Ausgabe Nr.9 vom 2. März 2008 fand ich den Artikel „Mir macht Angst, dass Sie so viel Verständnis haben“ - Wolfgang Schäuble und Ralph Giordano diskutieren über die Integration von islam-gläubigen Zuwanderern, über Moscheenbau in Deutschland und den Umgang mit dem Islam in Deutschland. Dieser Artikel ist unbedingt lesenswert und ich werde ihn mir archivieren.
Mit jeder Zeile die ich las, war ich mehr erschrocken - nicht etwa über Wolfgang Schäuble, sondern über Ralph Giordano. Ralph Giordano, den ich bisher schätzte und dessen Buch Sizilien, Sizilien! Eine Heimkehr ich mit besonderem Vergnügen gelesen habe (es handelt von seiner Reise durch Sizilien auf den Spuren seines sizilianischen Großvaters; auch als Reisebericht lesenswert), zieht in einer Art und Weise vom Leder, die mich teilweise schockierte. Wer den Artikel liest, wird sehen, was ich meine. In diese Richtung geht auch der offene Brief, den Giordano an den Kölner Oberbürgermeister Schramma geschrieben hat.
Ein Zitat aus dem Artikel, aus dem ich einen Satz besonders aufgreifen möchte:
Die Integration ist gescheitert, nicht allein durch deutsche Versäumnisse, sondern durch zementierte Parallelgesellschaften, in denen täglich massenhaft Dinge geschehen, die mit dem Grundgesetz nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Und das ganz im Gegensatz zu den Schalmeientönen unserer Multikulti-Illusionisten, xenophilen Einäugigen und Sozialromantiker. Zweifellos gibt es individuell gelungene Integration, aber ist die muslimische Minderheit kollektiv integrierbar?
Über diesen Passus liesse sich Einiges schreiben; mich interessiert aber der letzte Satz besonders.
Das es individuell gelungene Integration gibt, will selbst Herr Giordano nicht bestreiten und wer dazu eindrucksvolle Einzelschilderungen lesen will, kann dies bei der Frankfurter Rundschau-online tun, die am Samstag, dem 1. März 2008 einen Großteil ihrer Ausgabe (auch diese habe ich mir archiviert) der Thematik ‘Türken in Deutschland’ gewidmet hat. Auf der Seite des Artikels ‘Neue Heimat’ sind zahlreiche Links auf weitere Artikel, insbesondere Eigendarstellungen von hier lebenden Türken, vermerkt.
Individuelle Integration, die gelingt, ist doch der beste Weg einer Integration. Führt die Fokussierung auf eine kollektive Integration (von der ich mir kein rechtes Bild machen kann) nicht zu einem Rückschritt, denn die ethnische Gemeinschaft wirkt dann nach innen eng und hermetisch und nach außen desintegrativ?
Wenn Ralph Giordano den politischen Islam nicht tolerieren will, dann sollte er sich ausschließlich auf die Polemik gegen diesen beschränken und nicht zu Rundumschlägen gegen alle islamischen Zuwanderer ausholen. Diese pauschale Polemik hat noch nie geholfen und wir haben uns bisher immer dagegen verwehrt, pauschal von ‘den Deutschen’, ‘den Franzosen’, ‘den Christen’ etc. zu reden. Wenn es um den politischen Islam und seinen Auswüchsen geht, dann sollte dies klar erkennbar sein.
Wolfgang Schäuble argumentiert in dem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wohltuend objektiv und unaufgeregt und wird dem Thema meines Erachtens weit mehr gerecht als Ralph Giordano.
Update 05.03.2008:
US-Forschungsinstitut Gallup - Studie “Wer spricht für den Islam - Was eine Milliarde Moslems wirklich denken” kommt zu dem Ergebnis:
Westliche Werte hoch im Kurs - Wovon Moslems träumen