Firefox Download Day - aus einem anderen Blickwinkel

Oek_Welten | wong it! 20.06.2008

Mal abgesehen von der Sinnhaftigkeit/Sinnlosigkeit derartiger ‘Rekordveransatltungen’, ergeben sich aus dem Ergebnis des Firefox Download-Day auch eigentlich nicht beabsichtigte Aspekte.
In einem lesenswerten Beitrag hat tom’s Wochenschau diese dargelegt. Anhand der Download-Weltkarte zeigt er auf, dass die Download-Statistik tendenziell auch eine Art ‘Wohlstandsstatistik’ darstellt. Aus diesem Blickwinkel wird der Download Day für mich noch fragwürdiger.

Wider die Zersplitterung der Gesellschaft

GvR_Familie, Oek_Nachbarschaft | wong it! 11.04.2008

Ich gehöre zu denen, die der Rente nahe sind. Seit meinem 17 Lebensjahr, als ich meine Berufsausbildung startete, arbeite ich ununterbrochen und zahle Steuern und Sozialabgaben. Auch mit meinen jungen KollegenInnen hatte und habe ich immer ohne altersunterschiedsbedingte Probleme gut zusammen gearbeitet.
Das schreibe ich nicht, um mich zu loben, nein, mir geht es um und gegen die Tendenz, unsere Gesellschaft immer mehr zu zersplittern. Und dies ganz besonders jetzt, da der Altbundespräsident Herzog nichts Besseres zu tun hat, als vor einer Ausplünderung durch die Alten zu warnen!

“Ich fürchte, wir sehen gerade die Vorboten einer Rentnerdemokratie: Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern.”

Aufhänger ist die jüngste Rentenanpassung in Höhe von 1,1 Prozent.
Herr Herzog hätte diese sicher nicht benötigt. Seine Pension ist sicher mehr als auskömmlich.

Experten sehen aber (erstaunlicherweise?) die Lösung nicht in einem gedeihlichen Miteinander, sondern die Lösungsvorschläge gehen in Richtung Teilung:

Straubhaar warnte, damit werde der Generationenvertrag zum Generationenkonflikt und sprach sich für die Einführung des Familienwahlrechts aus. Künftig müssten Eltern auch ein Stimmrecht für ihre Kinder erhalten. «Wenn Eltern für jedes Kind eine Wahlstimme erhalten, fänden die Interessen der Jüngeren mehr Gehör», sagte der HWWI-Chef.

Es darf hier meines Erachtens nicht um ‘Waffengleichheit’ gehen - ausser man propagiert den Kampf zwischen den Generationen - sondern um die Suche nach Lösungen. Die Politik und die gesellschaftlichen Gruppierungen sind aufgerufen, nach Lösungen zu suchen und die findet man nicht, indem eine Ausplünderung der Jüngeren durch die Älteren konstatiert wird.

Viele Rentner unterstützen Jüngere finanziell. Viele Jüngere müssten für ihre Eltern, die in Rente sind, finanziell einspringen, wenn diese mit ihrer Rente den Lebensunterhalt oder die Pflege nicht bezahlen könnten. Das sehen die Sozialgesetze so vor.

Äusserungen, wie jetzt von Herrn Herzog, führen zu einer Polarisierung. Das Einzige, was ich ihm zugute halten könnte, wäre die Absicht, damit eine Lösungsdebatte in Richtung ‘harmonisches Zusammenleben’ zu erreichen. Ich wäre dabei.

Quellen und weitere Informationen:
Altbundespräsident sieht Vorboten einer “Rentnerdemokratie” - “Plündern” die Älteren die Jüngeren aus?
Straubhaar und Falter sagen dramatische Machtverschiebung voraus - Experten rechnen mit wachsendem Einfluss der Rentner

Happy-Planet-Index

GvR_Privatsphäre, Oek_Konsum, Oek_Menschenwürde, Oek_Zufriedenheit | wong it! 13.03.2008

The Happy Planet Index

Nichts Neues, was ich hier erwähne; im Netz gibt es einiges darüber. Aber für mich ist es neu und interessant.

Auf der Grundlage von Daten zu Lebenserwartung, Lebenszufriedenheit und Umweltbelastung ermittelte die NEF in Zusammenarbeit mit der Umweltschutzorganisation Friends Of The Earth den so genannten Happy-Planet-Index.
Da es nicht um Geld, Bruttosozialprodukt, materiellen Lebensstandard geht, landen die meisten Industriestaaten weit abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Dabei rangierte Deutschland auf z.Zt. Platz 81 noch deutlich vor den meisten anderen entwickelten Ländern.

Weitere Informationen:
Zum Fragebogen (deutsch und englisch)
Der Gipfel der Unzufriedenen

Was bedeutet ‘kollektive Integration’ - Ralph Giordano vs Wolfgang Schäuble

GvR_Ethnien | wong it! 03.03.2008

Gestern habe ich jemanden zum Bahnhof gebracht und mir bei der Gelegenheit die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gekauft. Auf Seite 7 dieser Ausgabe Nr.9 vom 2. März 2008 fand ich den Artikel „Mir macht Angst, dass Sie so viel Verständnis haben“ - Wolfgang Schäuble und Ralph Giordano diskutieren über die Integration von islam-gläubigen Zuwanderern, über Moscheenbau in Deutschland und den Umgang mit dem Islam in Deutschland. Dieser Artikel ist unbedingt lesenswert und ich werde ihn mir archivieren.

Mit jeder Zeile die ich las, war ich mehr erschrocken - nicht etwa über Wolfgang Schäuble, sondern über Ralph Giordano. Ralph Giordano, den ich bisher schätzte und dessen Buch Sizilien, Sizilien! Eine Heimkehr ich mit besonderem Vergnügen gelesen habe (es handelt von seiner Reise durch Sizilien auf den Spuren seines sizilianischen Großvaters; auch als Reisebericht lesenswert), zieht in einer Art und Weise vom Leder, die mich teilweise schockierte. Wer den Artikel liest, wird sehen, was ich meine. In diese Richtung geht auch der offene Brief, den Giordano an den Kölner Oberbürgermeister Schramma geschrieben hat.

Ein Zitat aus dem Artikel, aus dem ich einen Satz besonders aufgreifen möchte:

Die Integration ist gescheitert, nicht allein durch deutsche Versäumnisse, sondern durch zementierte Parallelgesellschaften, in denen täglich massenhaft Dinge geschehen, die mit dem Grundgesetz nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Und das ganz im Gegensatz zu den Schalmeientönen unserer Multikulti-Illusionisten, xenophilen Einäugigen und Sozialromantiker. Zweifellos gibt es individuell gelungene Integration, aber ist die muslimische Minderheit kollektiv integrierbar?

Über diesen Passus liesse sich Einiges schreiben; mich interessiert aber der letzte Satz besonders.
Das es individuell gelungene Integration gibt, will selbst Herr Giordano nicht bestreiten und wer dazu eindrucksvolle Einzelschilderungen lesen will, kann dies bei der Frankfurter Rundschau-online tun, die am Samstag, dem 1. März 2008 einen Großteil ihrer Ausgabe (auch diese habe ich mir archiviert) der Thematik ‘Türken in Deutschland’ gewidmet hat. Auf der Seite des Artikels ‘Neue Heimat’ sind zahlreiche Links auf weitere Artikel, insbesondere Eigendarstellungen von hier lebenden Türken, vermerkt.
Individuelle Integration, die gelingt, ist doch der beste Weg einer Integration. Führt die Fokussierung auf eine kollektive Integration (von der ich mir kein rechtes Bild machen kann) nicht zu einem Rückschritt, denn die ethnische Gemeinschaft wirkt dann nach innen eng und hermetisch und nach außen desintegrativ?

Wenn Ralph Giordano den politischen Islam nicht tolerieren will, dann sollte er sich ausschließlich auf die Polemik gegen diesen beschränken und nicht zu Rundumschlägen gegen alle islamischen Zuwanderer ausholen. Diese pauschale Polemik hat noch nie geholfen und wir haben uns bisher immer dagegen verwehrt, pauschal von ‘den Deutschen’, ‘den Franzosen’, ‘den Christen’ etc. zu reden. Wenn es um den politischen Islam und seinen Auswüchsen geht, dann sollte dies klar erkennbar sein.

Wolfgang Schäuble argumentiert in dem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wohltuend objektiv und unaufgeregt und wird dem Thema meines Erachtens weit mehr gerecht als Ralph Giordano.

Update 05.03.2008:
US-Forschungsinstitut Gallup - Studie “Wer spricht für den Islam - Was eine Milliarde Moslems wirklich denken” kommt zu dem Ergebnis:
Westliche Werte hoch im Kurs - Wovon Moslems träumen

Belgien, Schweiz - warum klappt es nicht überall?

GvR_Demokratie, GvR_Ethnien | wong it! 11.12.2007

by pixelio

In Belgien sind die Verhandlungen zur Regierungsbildung abgebrochen worden. Yves Leterme hat sozusagen das Handtuch geschmissen. Wieder einmal ist der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen der Stolperstein. Warum macht das Zusammenleben mehrerer Volksgruppen in Belgien solche Probleme, während es z.B. in der Schweiz anscheinend (abgesehen von kleineren ‘Reibereien’) funktioniert? Warum kommen niederländisch/flämisch sprechende Flamen und französisch/wallonisch sprechende Wallonen nicht zusammen, während in der Schweiz deutsch, italienisch, französisch und rätoromansich sprechende Schweizer seit langer Zeit in der Confoederatio Helvetica zusammen leben (in der Schweiz gibt es zwar einen ‘Sprachenstreit’, aber dabei geht es um den Fremdsprachenunterricht)?

Ausgerechnet in Belgien, dem Land der EU-Verwaltung, gibt es diese massiven Probleme der beiden Volksgruppen untereinander. Beschäftigt man sich mit der Entstehung der Differenzen, so erkennt man, dass auch hier der Auslöser ökonomischen Charakter hatte. Die Sprachenunterschiede, auf die heute oberflächlich alles fokussiert wird, sind plakativ. Genauso wie die Aufteilung nach protestantisch und katholisch in Irland. Diese Klassifizierung wird von Politikern geformt, um von den eigentlichen Gegensätzen abzulenken und besser ihr Süppchen kochen zu können.

Passt Belgien nicht auf, wird sich die z.Zt. gegebene Situation weiter kritisch entwicklen. Eine Aufspaltung in drei Landesteile halte ich zwar für ein Land in Zentraleuropa schlechterdings für unmöglich, aber die deutsche Minderheit in Ostbelgien denkt schon mal an einen Anschluss an Luxemburg oder Deutschland. Ob diese Sezessionspläne ernst gemeint sind, sei mal dahingestellt. Aber die Situation in Belgien ist bedenklich.
Zur gleichen Zeit bemüht sich die EU, die Situation zwischen Serbien und dem Kosovo zu entschärfen.

Weitere Quellen und Informationen:
Verhärtete Fronten zwischen Flamen und Wallonen
Zur belgischen Verfassung
Politische Gliederung Belgiens
…zum Beispiel Belgien

Update 19.12.2007:
Jetzt gibt es wenigstens eine Übergangsregierung, das generelle Problem ist damit aber nicht gelöst.
Krise in Belgien vorerst zu Ende; Fünf Parteien regieren bis Ostern

Hochzeit, Scheidung, Hochzeit ….

Oek_Ehe | wong it! 18.11.2007

Wenn das Wetter danach ist, drehe ich in der Mittagspause eine Runde durch das Viertel. Dabei sah ich letztens an einer Litfaßsäule ein Plakat, welches auf eine ‘Hochzeitsmesse’ aufmerksam machte. Da ich mich durch Heirat vor vielen Jahren sozusagen ‘vom Markt genommen’ habe, bin ich da nicht so auf dem Laufenden. ‘Hochzeitsmesse’? - das interessierte mich!

Hochzeitspaar by pixelio

Als ich mich dann mal im Internet umsah, war ich total perplex - pausenlos Hochzeitsmessen, in irgendeiner Stadt war immer eine.
Als ich mir die Liste der ausstellenden Firmen ansah, da war mir sofort klar: Da hat sich entscheidendes geändert seit meiner Hochzeit.
Braut- und Herrenmodenausstatter, Juweliere, Hotels, Restaurants, Zeltverleiher, Accessoires für Sie und Ihn, Foto- und Videoateliers, Floristen, Konditoreien, Cateringservice und es geht noch weiter: Geschenkservice-Anbieter, Hochzeitsfahrten-Anbieter, Reisebüros, Friseure, Kosmetiker, Musiker, DJ’s, Künstler, Hochzeitsservice-Agenturen, Feuerwerkanbieter und vieles mehr. Besonders begeistert bin ich von ‘Feuerwerkanbieter’!
Eine Hochzeit muss heutzutage wohl eine Veranstaltung sein, die einen Bundespresseball in den Schatten stellt. Schaut man sich auf dieser Seite um, dann werden die Augen immer grösser - ich bin froh, dass ich das hinter mir habe!
Auch die Kirche folgt dem Trend und ist als ‘Aussteller’ vertreten.

An Hochzeiten sind also eine Menge Personen und Firmen beteiligt, da wird einiges an Geld ausgegeben. Da lebt eine kleine Industrie von.
Noch schöner für das Geschäft ist es aber, das auch Ehen wieder geschieden werden, denn dann besteht die Chance, dass irgendwann die Beteiligten mit einem anderen PartnerIn erneut heiraten und erneut an einer Hochzeit verdient werden kann.
Aber inzwischen ist auch die Scheidung für Firmen attraktiv geworden und schwups gibt es - na was wohl -Scheidungsmessen! In Wien gab es schon eine.

Anstelle von Hochzeitsplanern warteten Rechtsanwälte auf die Besucher, Privatdetektive priesen ihre Dienste an, Labors verteilten Plastikröhrchen für Vaterschaftstests, Partnervermittlungen machten Hoffnung auf ein neues Liebesglück – und auch Friseure versprachen ein neues Lebensgefühl.

So geht es immer weiter und der Rubel rollt. Bei der Anzahl Hochzeiten und Scheidungen pro Jahr wird da sicher einiges umgesetzt.

Da bleibt nur zu hoffen, dass nicht das Wesentliche auf der Strecke bleibt und nur noch das Geschäft gesehen wird. Nicht das Frau Pauli doch noch irgendwann Recht bekommt.

Weitere Quellen und Informationen:

Ehen und Scheidungen

Wandel von Ehe und Familie in der Bundesrepublik Deutschland

Was hält Ehen zusammen?

Scheidungsrate

Scheidung.de

Update 24.11.2007:
Trennung für Fortgeschrittene